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Mit Holzgenuss – appetitlich, würzig, kernig

Renate Breuß
Erschienen in
Zuschnitt 9: Holz im Möbel
März - Juni 2003, Seite 20
ewedition 07, Hersteller: Ewe Küchen,Wels www.ewe.at, Entwurf Coop Himmelblau

Mit Holzgenuss – appetitlich, würzig, kernig
Ein differenzierter Umgang mit Holz - unabhängig von Modeerscheinungen - ist neuerdings auch im Küchenbau wieder relevant. Die Ansprüche an ein Küchenmöbel sind überaus komplex. Neben den funktionalen und ästhetischen Anforderungen werden an die Küche vermehrt auch repräsentative Aufgaben gestellt. Dies hängt mit der jüngsten Entwicklung der Küche vom isolierten Arbeitsraum zum integrierten Kommunikations- und Lebensraum zusammen. Der lebendige Werkstoff Holz soll dabei den sterilen Eindruck des Techno-Designs wieder vergessen machen und eine wohnliche Atmosphäre mit gutem Raumklima schaffen.

Das Kunststück liegt nun wohl darin, den Spagat zwischen missverstandener Holznostalgie und sinnlich ansprechendem, alltagstauglichen Materialeinsatz zu meistern. Theoretisch kann dies die vom Schreiner als Unikat gefertigte Vollholzküche ebenso wie die von KüchenHerstellern angebotene Fertiglösung in Furnier - mit frei wählbaren Frontdessins - leisten. Ratsam ist es, den Einheitsbrei Holz zuvor auf seine Zutaten und Bekömmlichkeit zu testen. Es gibt eine Vielzahl an Holzarten mit ebenso vielen Qualitäten und Eigenschaften. Farbe, Festigkeit und Zeichnung variieren von Holz zu Holz ebenso wie die taktilen, olfaktorischen und hygienischen Eigenschaften.

Was früher zum Alltagswissen gehörte und mit der Begeisterung für neue Materialien verschüttet wurde, wird jetzt wiedergefunden. Holz und Hygiene sind nicht unvereinbar. Neueste Untersuchungen sprechen bestimmten Holzarten wie Kiefer, Lärche und Eiche weitaus bessere keimhemmende Wirkung zu, als dem bislang für »resistent« eingestuften Kunststoff (Hygienische Aspekte bei Holz, Schönwätter,1999 ). Bestimmend für das Aussehen des Holzes ist neben der Farbe die Textur oder Maserung, variierbar über die Technik der Schnittführung. Nur der kompetente Gestalter vermag über die lebendige Struktur einer rotkernigen Buche an die Herkunft eines Baumes in seiner Ästhetik zu erinnern. Gewarnt sei vor all jenen Holzküchen, wo man vor lauter Wald den Baum nicht mehr sieht.            

»Holz – richtig behandelt – greift sich samtig und warm an, schafft lebendige und vieldeutige Bilder, kann den Geruchssinn erfreuen, hat Resonanz und Klang und ver sperrt sich selbst dem Zubiss nicht. Alle Sinne sind für 's Holz gewonnen!«
Roland Gnaiger

Text

Renate Breuß
freiberufliche Kunsthistorikerin, Lehrbeauftragte für Kultur, Design und Wahrnehmung an der Fachhochschule Vorarlberg. Bücher und Beiträge zur Kultur des Bauens und zum Handwerk, zur Theorie des Kochens. Bis 2016 Geschäftsführerin Werkraum Bregenzerwald.