Tafeln
     
  Farben der Natur erwünscht
Die Natur schenkt uns Holz in vielen natürlichen Farbvariationen. Holzverarbeiter nutzen die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, leider viel zu selten oder überhaupt nicht. Eschenholz hat gefälligst hellgelb, Rotbuche hat weiß zu sein. Die Eschenküche wurde geliefert. Amerikanische Esche, monotones Hellgelb, kein Anflug eines Ästchens oder einer Farbvariation - tot, eine Plastikküche wäre nicht anders gewesen. »So wollen es die Kunden«, meinte noch der Tischler. Wir hätten gerne in einer lebendigen Küche zu Mittag gegessen, die bereits auf den ersten Blick an Holz erinnert und erst gar keine Spekulationen aufkommen lässt. Die Forstwirtschaft soll naturnah produzieren, das Natürlichste wie zum Beispiel der Rotkern einer Buche, wird jedoch von den Verarbeitern abgelehnt. Ist da vielleicht auch die Liebe zum Werkstoff Holz verloren gegangen? Alte Buchen sind das Wunschziel ach so vieler Naturliebhaber. Buchen ab einem Alter von rund 100 Jahren beginnen aber einen Rotkern auszubilden. Reservestoffe des Baumes werden durch Luftsauerstoff in farbige Inhaltsstoffe umgewandelt. Das Holz behält dabei alle seine positiven Eigenschaften. Von Herstellern und Produkthändlern wird die Einstellung des Verbrauchers zum Rotkern zu Unrecht negativ eingeschätzt. Der Endkunde bekommt so gut wie nie Produkte aus kernigem Holz zu Gesicht und kann sich deshalb keine Meinung bilden und schon gar keine Nachfrage generieren. Der Kern muss verstärkt in Szene gesetzt werden, eine optischen Besonderheiten und Möglichkeiten sind voll auszuspielen. Dazu bedarf es aber Verarbeiter, die es lieben, Holz auch individuell zu verarbeiten. Der alte Eschenbaum stand direkt vor dem Haus und musste wegen seines zu üppigen Schattens weichen. Der Stamm wunderbar, die Farbpalette des Kerns reichte von Grün bis Violett. Die Bretter sollten zu einem Kästchen in besagter Küche verarbeitet werden. Gut, dass wir beim Tischler vorbeischauten, um uns über den Arbeitsfortschritt zu erkundigen. »Diese Bretter kann man nicht nehmen«, so der Tischler. Wir bestanden darauf. Dieses Kästchen wird heute im Gegensatz zu den restlichen Küchenmöbeln von allen bewundert. Ein Möbel, das wahrscheinlich einmal als Antiquität gehandelt werden wird, und doch so gar nicht hätte geboren werden sollen. Verfärbungen im Kern des Holzes sind keine Fehler, sondern Wuchsmerkmale. Mit den typischen Farben verkernter Hölzer wird jedes Möbel zum Unikat.

PS: Immer mehr Fußbodenhersteller bieten neuerdings rotkernige Buche an. Fragen Sie Ihren Händler!
 

Einen guten Tisch aus industrieller Produktion, einen mit Qualität in Design, Material und Verarbeitung zu finden, dabei noch preisgünstig, ist tatsächlich nicht einfach. Liegt es daran, dass der Essplatz bei veränderten Lebensabläufen und -gewohnheiten nicht länger Zentrum des Familienlebens ist? Gegessen wird zwischendurch - in der kleinen Küche, an der Hausbar, beim Fernsehen am Couchtisch. Der Esstisch als »gutes Stück« der Wohnung hat vielfach ausgedient, ist im knappen Wohnungsgrundriss ersatzlos gestrichen. Legt man noch Wert auf den Tisch als Ort familiärer Kommunikation, so muss er das Zeug zum soliden Erbstück haben. Als solches bleibt seine Herstellung eine Domäne des Tischlers.


Text: Martin Höbarth
Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammer Österreichs
Löwelstraße 12
A-1010 Wien
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m.hoebarth@pklwk.at

   
  Möbelbeispiele    
 
 
  einmaleins/einmalzwei
Hersteller:
Holz Werkstatt Faißt
Hittisau
Entwurf Roland Gnaiger
  einmaleins / einmalzwei
Die in sich äußerst stabile Konstruktion von zwei parallelen, fix miteinander verbundenen Platten wird hier für einen Tisch genutzt - anstelle der üblichen vier vertikalen Bretter, die die Zargen bilden und die vier Tischfüße im »Normalfall« miteinander verbinden. Die Beine durchstoßen dieses handwerklich ausdrücklich gefügte Plattenpaar und sind in der oberen Platte bündig verkeilt. Die eigentlich banalen Platten, die an das sogenannte Nudelbrett erinnern, erhalten erst durch das Hochheben mittels graziler Beine ihre Tischfunktion und geben der Konstruktion räumliche Präsenz. Eine farblich abgehobene, flache Lade für verschiedene Zwecke ergänzt das unprätentiöse Gestell. Seine Beine werden durch Stege aus geschwärztem Flacheisen mit Fußhülsen an der schmalsten Stelle unten zusammengehalten. Einmaleins ist ein wandelbarer Esstisch, wenn auch nicht im üblichen Sinn. Außerhalb der Mahlzeiten völlig angeräumt (wer kennt das nicht),verschwinden bei Bedarf Zeitungen und sonstiger Kram blitzschnell in der offenen Fachablage. Erhältlich ist der Tisch in zwei einander ergänzenden Größen in Tanne, Ahorn oder Kirsch.
as
 
 


Tabula Rasa
Hersteller: Gea, Wien
www.gea.at
Entwurf Georg Doblhammer
 

  Tabula Rasa
Der Tabula Rasa mit einer Tischplatte aus Buche (75 x 75 cm)wird als Tisch für kleine Wohnungen beworben. Er lässt sich ganz ohne Werkzeug, in drei Höhen (49 /61 /72 cm)verstellen und ist leicht zerlegbar. Unkonventionell ist seine Konstruktion: Zwölf exakt gesetzte Mulden an der Unterseite des Tisch es nehmen die vier Tischbeine, unterschiedlich nach der jeweiligen Höhe auf. Ein Hanfgurt spannt die Platte an einen zentralen Würfel. Dieser ist Drehpunkt der gedrechselten Beine und zugleich Verteiler der Kräfte. Belastet man eine Seite des Tisches, indem man sich etwa auf den Tisch setzt, so beansprucht das ein Bein naturgemäß sehr stark. Dieses aber leitet die Last zum Würfel, der sie aufnimmt und an die anderen verteilt. Klappmechanismus und Leichtigkeit verleihen dem Möbel etwas sympathisch Improvisatorisches. Dieser Tisch eignet sich ganz und gar nicht zum Repräsentieren wird aber sicher auch nicht so schnell ausrangiert. Hat er als Ess- und Couchtisch ausgedient, kann er immer noch als Gartentisch oder fürs Picknick gute Dienste tun.
          (Zeitschrift Zuschnitt 9, 2003; Seite 20ff.)
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