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Holz kann sich behaupten,
wenn es - bei gleichwertiger Wirtschaftlichkeit - seine besonderen
Qualitäten zur Schau stellen kann
Michael Flach zum Vortrag
_ Holz ist exklusiv (Zitat Haidinger)
Es ist richtig, dass
Holz ein exklusiver Baustoff ist, der hohe technische Anforderungen
stellt, um bei besonders exklusiven Projekten mit speziellen optischen
Vorzügen punkten zu können. Ich selbst musste in Frankreich
im Wettbewerb immer wieder den Konkurrenzbaustoffen Beton und Stahl
gegenüber die Überlegenheit
von Holz unter Beweis stellen. Das allerdings nicht nur bei exklusiven
Bauten, sondern ebenso bei einfachen Industriebauten, Freizeitanlagen
und Schulbauten.
_ Ästhetik und Architektur sind unantastbar
Gerade in der Holzarchitektur trägt die Technik einen wesentlichen
Anteil am Projekt, was bei all unseren Projekten dazu führte,
dass Architekt und Ingenieur in der ersten Entwurfsphase bereits
gemeinsam vorgehen mussten. Es lag allerdings bei so gut wie allen
Projekten im Interesse der Planer und des Bauherren, Lösungen
so auszuarbeiten, dass Sondervorschläge so gut wie keine Chancen
hatten, da nur eine offene Konkurrenz in Bezug auf die gleichen
Projektbedingungen einen wirtschaftlichen und qualitativen Vergleich
ermöglicht.
_ Die Wirtschaftlichkeit spielt bei der Materialwahl eine untergeordnete
Rolle
Für den Tragwerksplaner stand immer der gesamtheitliche
Ansatz im Vordergrund, um im Rahmen eines Konzepts jedem Baustoff
die Rolle zuzuordnen, die Qualität und Wirtschaftlichkeit optimal
erfüllt. Dies führt automatisch zu Mischbauweisen, die
bei richtigem Einsatz der verschiedenen Baustoffe zu besseren Ergebnissen
führen, als die ausschließliche Verwendung von Materialien.
Holz hatte dabei immer einen wesentlichen Anteil und wurde durch
den begrenzten Einsatz in optimalen Bereichen aufgewertet.
_Große Holzkonstruktionen sind bedingungslos technikgetrieben
Großbauwerke in Holz verlangen ein hohes technisches Niveau, d.h. aber nicht zwangsläufig,
dass die Technik jedes Mal bis auf die Spitze getrieben werden und zu unterschiedlichen Bauteilen führen
muss. Wie bei kleinen Konstruktionen sind für die Verwendung von gleichen Bauteilen vor allem die
Geometrie und das modulare Konzept verantwortlich, und das ohne Unterschied auf die Größe.
_ Materialeinsparungen
führen nicht zwangsläufig zu Wirtschaftlichkeit, so dass in vielen Fällen höhere
Materialkosten zu Gunsten von Vereinfachungen und Repetitionsarbeiten gerechtfertigt sind.
_ Ziel ist es, Referenzprojekte für den Holzbau zu erstellen
Referenzprojekte bergen zwangsläufig das Risiko, neue, das heißt, gute und schlechte Erfahrungen
zu sammeln. Auch wenn viele dieser Projekte nicht immer weitere Projekte nach sich zogen, so entstanden
doch regelmäßig Impulse für andere Projekte und die Entwicklung von neuen Technologien,
die neue Lösungen brachten.
_ Forschung
Es ist nicht zu leugnen, dass viele Forschungsprojekte zu wenig praxis- und marktbezogene Aspekte berücksichtigen.
Holz kann sich nur behaupten, wenn...
_ es sich dem Wettbewerb mit Beton und Stahl stellt und immer wieder beweisen muss, dass es sinnvoll
und wirtschaftlich eingesetzt wird.
_ es in dem Bereich eingesetzt wird, wo es technisch und wirtschaftlich wettbewerbsfähig ist und
dies vor allem in Ergänzung und im Zusammenwirken mit anderen Baustoffen.
_ es seine Vielseitigkeit in unterschiedlichster Form beweisen kann, d.h. es in einer hohen Bandbreite
mit allen erdenklichen Erscheinungsformen auftaucht.
_ es bei gleichwertiger Wirtschaftlichkeit seine besonderen Qualitäten unter Beweis stellen kann
und dazu gehören eben die Schönheit, das Wohlbefinden und die ökologischen sowie gesundheitlichen
Vorzüge.
_ es nicht nur als austauschbares Produkt in einem Bauteilkatalog geführt wird, sondern wenn es
von holzerfahrenen Planern als integrierter Bestandteil in einem Projekt eingesetzt wird.
_ es in die logistische Kette des Bauablaufs so eingegliedert ist, dass die Vorteile einer Vorfertigung
und die Trockenbauweise in Verbindung mit anderen Baustoffen, die zum Teil vor Ort gefertigt werden bzw.
in Verbindung mit anderen Baustoffen als Komposition vorgefertigt werden, für die Terminplanung
einer Baustelle günstig genutzt werden.
_ es auf allen Ebenen der
Planung und Ausführung fachmännisch eingesetzt wird, das heißt, durch fachkundige
Architekten und Ingenieure in der Planungsphase, durch positiv holzerfahrene Bauherren, die
den sinnvollen Einsatz von Holz kennen und durch qualifizierte Unternehmen, die dem Umfang
der technischen Anforderungen der Projekte gewachsen sind.
_ es wieder in Anwendungsbereiche vordringt, die das Holz kampflos dem Beton und Stahl überlassen
haben, wie etwa Decken im mehrgeschoßigen Wohnbau, wie dem Schul- und Brückenbau.
_ es politisch unterstützt wird, d.h. es wird Lobbying betrieben, das den anderen Baustoffen ebenbürtig
ist, um mit umweltpolitischen und regionalwirtschaftlichen Argumenten im Rahmen einer umweltbewussten
Politik den volkswirtschaftlichen Beitrag des Holzes herauszustellen.
_ mehr als bisher in Forschung und Ausbildung fließt.
(Zeitschrift Zuschnitt 10, 2003; Seite 10) |
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Michael Flach
O. Univ. Prof. Dipl. Bauingenieur 1979 - 84 Betonbrückenbau
bei Bouygues (F). 1984 - 89 Büroleiter bei Weisrock (F).
Flach leitet seit 1989 seine eigenen Ingenieurbüros mit
Univ. Prof. Julius Natterer als Partner wobei von über
200 ausgeführten Projekten 20 ausgezeichnet wurden, davon
3 europäische Gluelam Awards, 15 Holzbaupreise, und zuletzt
der französische
Umweltpreis CHENE 2003. Seit 1994 Lehraufträge an der EPFL/
Schweiz, UBC/ Kanada und an Architekturschulen in Frankreich.
Seit April 2002 ordentlicher Professor am Lehrstuhl für
Holzbau, Holzmischbau und Holzverbundwerkstoffe an der Universität
Innsbruck.
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