Gegenrede – Antworten auf das Statement von Christian Haidinger
   
   
› Michael Flach

Hermann Kaufmann

Andreas Orgler
Wolfgang Pöschl
Johann Riebenbauer
  Holz kann sich behaupten, wenn es - bei gleichwertiger Wirtschaftlichkeit - seine besonderen Qualitäten zur Schau stellen kann

Michael Flach zum Vortrag

_ Holz ist exklusiv (Zitat Haidinger)
Es ist richtig, dass Holz ein exklusiver Baustoff ist, der hohe technische Anforderungen stellt, um bei besonders exklusiven Projekten mit speziellen optischen Vorzügen punkten zu können. Ich selbst musste in Frankreich im Wettbewerb immer wieder den Konkurrenzbaustoffen Beton und Stahl gegenüber die Überlegenheit von Holz unter Beweis stellen. Das allerdings nicht nur bei exklusiven Bauten, sondern ebenso bei einfachen Industriebauten, Freizeitanlagen und Schulbauten.

_ Ästhetik und Architektur sind unantastbar
Gerade in der Holzarchitektur trägt die Technik einen wesentlichen Anteil am Projekt, was bei all unseren Projekten dazu führte, dass Architekt und Ingenieur in der ersten Entwurfsphase bereits gemeinsam vorgehen mussten. Es lag allerdings bei so gut wie allen Projekten im Interesse der Planer und des Bauherren, Lösungen so auszuarbeiten, dass Sondervorschläge so gut wie keine Chancen hatten, da nur eine offene Konkurrenz in Bezug auf die gleichen Projektbedingungen einen wirtschaftlichen und qualitativen Vergleich ermöglicht.

_ Die Wirtschaftlichkeit spielt bei der Materialwahl eine untergeordnete Rolle
Für den Tragwerksplaner stand immer der gesamtheitliche Ansatz im Vordergrund, um im Rahmen eines Konzepts jedem Baustoff die Rolle zuzuordnen, die Qualität und Wirtschaftlichkeit optimal erfüllt. Dies führt automatisch zu Mischbauweisen, die bei richtigem Einsatz der verschiedenen Baustoffe zu besseren Ergebnissen führen, als die ausschließliche Verwendung von Materialien. Holz hatte dabei immer einen wesentlichen Anteil und wurde durch den begrenzten Einsatz in optimalen Bereichen aufgewertet.

_Große Holzkonstruktionen sind bedingungslos technikgetrieben
Großbauwerke in Holz verlangen ein hohes technisches Niveau, d.h. aber nicht zwangsläufig, dass die Technik jedes Mal bis auf die Spitze getrieben werden und zu unterschiedlichen Bauteilen führen muss. Wie bei kleinen Konstruktionen sind für die Verwendung von gleichen Bauteilen vor allem die Geometrie und das modulare Konzept verantwortlich, und das ohne Unterschied auf die Größe.

_ Materialeinsparungen
führen nicht zwangsläufig zu Wirtschaftlichkeit, so dass in vielen Fällen höhere Materialkosten zu Gunsten von Vereinfachungen und Repetitionsarbeiten gerechtfertigt sind.

_ Ziel ist es, Referenzprojekte für den Holzbau zu erstellen
Referenzprojekte bergen zwangsläufig das Risiko, neue, das heißt, gute und schlechte Erfahrungen zu sammeln. Auch wenn viele dieser Projekte nicht immer weitere Projekte nach sich zogen, so entstanden doch regelmäßig Impulse für andere Projekte und die Entwicklung von neuen Technologien, die neue Lösungen brachten.

_ Forschung
Es ist nicht zu leugnen, dass viele Forschungsprojekte zu wenig praxis- und marktbezogene Aspekte berücksichtigen.

Holz kann sich nur behaupten, wenn...
_ es sich dem Wettbewerb mit Beton und Stahl stellt und immer wieder beweisen muss, dass es sinnvoll und wirtschaftlich eingesetzt wird.

_ es in dem Bereich eingesetzt wird, wo es technisch und wirtschaftlich wettbewerbsfähig ist und dies vor allem in Ergänzung und im Zusammenwirken mit anderen Baustoffen.

_ es seine Vielseitigkeit in unterschiedlichster Form beweisen kann, d.h. es in einer hohen Bandbreite mit allen erdenklichen Erscheinungsformen auftaucht.

_ es bei gleichwertiger Wirtschaftlichkeit seine besonderen Qualitäten unter Beweis stellen kann und dazu gehören eben die Schönheit, das Wohlbefinden und die ökologischen sowie gesundheitlichen Vorzüge.

_ es nicht nur als austauschbares Produkt in einem Bauteilkatalog geführt wird, sondern wenn es von holzerfahrenen Planern als integrierter Bestandteil in einem Projekt eingesetzt wird.

_ es in die logistische Kette des Bauablaufs so eingegliedert ist, dass die Vorteile einer Vorfertigung und die Trockenbauweise in Verbindung mit anderen Baustoffen, die zum Teil vor Ort gefertigt werden bzw. in Verbindung mit anderen Baustoffen als Komposition vorgefertigt werden, für die Terminplanung einer Baustelle günstig genutzt werden.

_ es auf allen Ebenen der Planung und Ausführung fachmännisch eingesetzt wird, das heißt, durch fachkundige Architekten und Ingenieure in der Planungsphase, durch positiv holzerfahrene Bauherren, die den sinnvollen Einsatz von Holz kennen und durch qualifizierte Unternehmen, die dem Umfang der technischen Anforderungen der Projekte gewachsen sind.

_ es wieder in Anwendungsbereiche vordringt, die das Holz kampflos dem Beton und Stahl überlassen haben, wie etwa Decken im mehrgeschoßigen Wohnbau, wie dem Schul- und Brückenbau.

_ es politisch unterstützt wird, d.h. es wird Lobbying betrieben, das den anderen Baustoffen ebenbürtig ist, um mit umweltpolitischen und regionalwirtschaftlichen Argumenten im Rahmen einer umweltbewussten
Politik den volkswirtschaftlichen Beitrag des Holzes herauszustellen.

_ mehr als bisher in Forschung und Ausbildung fließt.

(Zeitschrift Zuschnitt 10, 2003; Seite 10)

 
Michael Flach
O. Univ. Prof. Dipl. Bauingenieur 1979 - 84 Betonbrückenbau bei Bouygues (F). 1984 - 89 Büroleiter bei Weisrock (F). Flach leitet seit 1989 seine eigenen Ingenieurbüros mit Univ. Prof. Julius Natterer als Partner wobei von über 200 ausgeführten Projekten 20 ausgezeichnet wurden, davon 3 europäische Gluelam Awards, 15 Holzbaupreise, und zuletzt der französische
Umweltpreis CHENE 2003. Seit 1994 Lehraufträge an der EPFL/ Schweiz, UBC/ Kanada und an Architekturschulen in Frankreich. Seit April 2002 ordentlicher Professor am Lehrstuhl für Holzbau, Holzmischbau und Holzverbundwerkstoffe an der Universität Innsbruck.
   
               
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