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Matador - Eine hundertjährige Legende

Charlotte Blauensteiner
Erschienen in
Zuschnitt 11: Rein ins Holz
Oktober - November 2003, Seite 27

Er war der Weihnachtswunsch vieler Buben und das heimliche Spielobjekt ihrer Väter: Der Matador. Ein Baukasten, der mit einer begrenzten Anzahl von Teilen schier unendliche Möglichkeiten der Verwendung bietet, der konstruktives Denken, mechanisches Verständnis und gestalterische Fähigkeiten anregt und das Gefühl für Bewegung und deren Abläufe erfahrbar macht: ein geniales pädagogisches Spielzeug. Verschieden lange Leisten und Klötze mit immer im gleichen Abstand gebohrten Löchern werden durch Stabelemente zusammengehalten und mit Vorsteckern befestigt. Weitere Teile, vor allem Räder, erlauben es, auch komplizierte Bewegungsvorgänge zu erfinden oder nachzubauen - präzise gefertigt, mit sorgfältig bearbeiteter Oberfläche und wenigen klaren Farben. Neben der Kombinierbarkeit und Beweglichkeit ist es vor allem das Naturmaterial Holz, das den »Matador« von allen anderen Konstruktionsbaukästen unterscheidet. Leicht von Gewicht, angenehm anzufassen und sogar zu riechen.

Matador blinkt und klingelt nicht, aber er vermittelt etwas, das für spätere Tätigkeiten wegweisend ist: Die Freude, es »selbst machen« zu können, etwas Funktionierendes zu gestalten - also beherrschte Technik. 1903 erhielt der Landvermesser Johann Korbuly (1860 - 1919) das Patent für seine Erfindung. Als ihm nicht gelang, einen Käufer dafür zu finden, begann er, den Baukasten selbst herzustellen und zu vertreiben. Nach seinem Tod führten seine Söhne den Betrieb weiter und konnten trotz großer Verwüstungen im Krieg bereits 1946 die Erzeugung wieder aufnehmen. 1973 hatte der Betrieb 60 Arbeitnehmer, pro Jahr wurden bis zu 1000m³ Buchenholz verbraucht.

Die strenge Qualitätskontrolle war eine wichtige Voraussetzung, musste man doch manchmal mit 70% Verschnitt rechnen. Ende der Siebzigerjahre aber schien der Zauber erloschen, Plastikspielzeug eroberte den Markt, nicht zuletzt, weil es viel billiger war. 1978 wurde das Unternehmen verkauft, 1987 die Produktion eingestellt. Matador schien tot und vergessen. Dann aber gab es einen neuen Anfang. 1996 begann Michael Tobias im Waldviertel wieder mit der Produktion und kehrte bewusst zum alten »Matadorprinzip« zurück, zum Grundbaukasten mit Ergänzungen. Heute werden wieder 400m³ Rotbuche jährlich verarbeitet, ein Beweis, dass Holz seine Attraktion nicht verloren hat.

MATADOR Spielwaren GmbH
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www.matador-toys.com

Text

Charlotte Blauensteiner
  • geboren und verstorben in Wien
  • Studium der Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Wien
  • langjährige Geschäftsführerin des Österreichischen Institutes für Formgebung
  • Freie Journalistin und Vortragende

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