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Holz im Snowboard

Christian Lackner
Erschienen in
Zuschnitt 12: Holz in Bewegung
Dezember 2003 - März 2004, Seite 16

                                      

       
Verstärkung für regular und goofy
Holz im Snowboard
 
 
    
 

»Bin ich regular oder goofy?« ist eine der ersten Fragen, die sich ein am Snowboarden Interessierter vor dem Kauf stellen muss. Damit ist gemeint, ob man auf dem Brett, mit dem linken oder rechten Fuß vorne steht.
 
Anschließend muss man sich darüber klar werden, ob man seine Freizeit abseits im Gelände, in der Halfpipe oder beim Carven auf der Piste verbringen möchte. Für das Gelände kommen Freestyle- bzw. Freeride-Boards in Frage. Die Länge der Bretter soll dem Fahrer mindestens bis an die Nasenspitze reichen. Zum Halfpipe-Fahren braucht man ein Freestyle-Board, das höchstens bis zum Kinn reicht und zum Carven eignen sich besonders taillierte Carving-Boards. Was aber ist eigentlich der Kern der Sache? In guter McDonald's-Tradition sind viele Snowboards als Sandwich aufgebaut. Der Kern besteht aus Holz oder PU-Schaum, um ihn herum wird das Volumen des Snowboards mit Kohlefasern und anderen Hochleistungswerkstoffen aufgebaut. Bei den Hochpreisboards ist der Kern in Vollholz ausgeführt, bei der Mittelklasse reicht die Bandbreite von geteilten Holzkernen bis Holzlamellen. Die günstigsten Snowboards sind meist aus geschäumtem Kunststoff mit eingelegten Verstärkungen. 
 
 Und warum wird Holz als Kern eingesetzt? 
 Er hat eine hohe Verwindungssteifigkeit und ein vorteilhaftes Schwingungsverhalten und läuft ruhiger. Außerdem ist bei tiefen Temperaturen die Wahrscheinlichkeit, dass ein PU-Kern bricht, höher. Der Kern ist so etwas wie die Seele des Gerätes und bestimmt ganz entscheidend die Fahrcharakteristik. Der Klassiker ist der Holzkern. Dafür werden verschiedenartige Holzleisten in zum Teil entgegengesetzter Faserrichtung miteinander verleimt. Zum Beispiel ermöglicht ein Lamellen-Holzkern aus Buche und Pappel leichte, sehr gut dämpfende Boards mit hoher Spannkraft. Einige Hersteller setzen sehr leichtes Abachiholz ein und der Kantenbereich wird mit druckfestem Birkenholz verstärkt, was die Spritzigkeit des Boards erhöht. Für extrem reaktionsschnelle Boards mit hochsportlichen Fahrleistungen werden Massiv-Holzkerne aus Douglasie und Buche verwendet. Auch geschäumte PU-Boards sind sehr robust und günstiger als verleimte Sandwich- oder Cap-Bauweisen. Sie werden häufig bei Allround Brettern eingesetzt. Nachteilig wirken sich eine etwas schnellere »Ermüdung« des Kerns, höheres Gewicht und schlechtere Dämpfungseigenschaften aus.
 
In Österreich produziert 20% der weltweit verkauften Snowboards die Firma Pale in St. Stefan im Lavanttal. Je nach Auftragslage sind bis zu 240 Mitarbeiter beschäftigt. Bald nach 1982, dem Geburtsjahr des Snowboards in den USA, war Pale die erste Firma, die Snowboards nach der Schimethode fertigte. 1995 erreichte die Produktion mit 500.000 Snowboards Höchstwerte. Pale produziert neben dem Vollkunststoffschi auch holzlaminierte Schier und Snowboards.
 

 
  
  
Hinweise
Eine ausführliche Geschichte des Snowboards, speedig beschrieben, findet man unter
 www.boarders-paradies.de/tips/geschichte.html