| |
Vor nicht allzu langer
Zeit war Holz der Baustoff für jeden Schi. In erster Linie waren
es Wagnermeister, die den Umgang mit diesem besonderen Material beherrschten.
Die Schier mussten ja nicht nur beinahe kunstvoll aus dem Vollen gefertigt
werden, sondern auch die Spitzen und der Mittelteil zum Erreichen
einer gewissen Vorspannung über Feuer oder Dampf gebogen werden.
Vor etwa 50 Jahren wurden dann Holzschier aus verleimten Eschen- oder
Hickoryleisten hergestellt. Damit entfiel das aufwändige Biegen
des Holzes und die Haltbarkeit erhöhte sich wesentlich.
Als Mitte der 60-er Jahre des vorigen Jahrhunderts der Metall- und
Kunststoffschi entwickelt wurde, beschränkte sich der Einsatzbereich
des Holzes nur mehr auf den Schikern. Dabei ist es im Bereich der
Schi- und Snowboardproduktion auch geblieben.
Unter dem Ausdruck Schikern ist jener Bauteil zu verstehen, der die
tragenden Gurte aus hochfesten Materialien wie GFK, CFK (Glasfaser
und Kohlefaser Verbundwerkstoffe), Al-Legierungen etc. auf Distanz
hält, um die entsprechenden Festigkeitseigenschaften bzw. die
richtige Verteilung der Biegesteifigkeit zu gewährleisten.
Er liegt also zwischen Obergurt und Untergurt und ist seitlich entweder
durch angeleimte Phenolschichten (Sandwich-Bauweise) oder neuerdings
durch die herabgezogene Oberfläche (Schalen- oder Cap-Bauweise)
vor Feuchtigkeit und Beschädigung geschützt.
Das beidseitig keilförmig auslaufende Profil ergibt sich aus
der Notwendigkeit, in der Mitte des Schis, wo die Belastung durch
den Schiläufer am größten ist, eine hohe Biegesteifigkeit
zu haben. Daher wird dort der Kern seine größte Dicke aufweisen.
Zur Spitze und zum Ende hin soll der Schi immer weicher werden und
deshalb läuft der Kern an seinen Enden fast gegen Null aus.
Um die Verdreh- und Biegesteifigkeit zu erhöhen, kann der Kern
auch noch mit Glas- oder Kohlefaserlaminaten umwickelt werden. Damit
ergibt sich eine hochfeste, geschlossene Kastenform der tragenden
Elemente.
Die Holzarten, welche heutzutage in der Kernproduktion verwendet werden,
sind in erster Linie die heimischen Hölzer Esche, Buche, Pappel
und Erle sowie die Tropenhölzer Okume, Ayus und Ayele. Diese
Hölzer werden geschnitten, auf 7 10% Feuchte heruntergetrocknet
und danach zu dünnen Leisten aufgesägt, die stehend miteinander
verleimt werden. Aus den dadurch erzeugten Platten werden die Kerne
herausgeschnitten, anschließend noch auf ihre fertige Keilform
gehobelt und geschliffen. Meist werden Kombinationen aus harten und
weichen Hölzern zusammengestellt. Den harten Schichten kommt
dabei die Aufgabe zu, den Druck in der Schipresse, der beim Verleimen
auftritt, aufzunehmen, während die weicheren Schichten nur Füllfunktion
haben.
Interessant ist die Tatsache, dass der Holzkern eher bei Schiern und
Boards der gehobenen Preisklasse anzutreffen ist, während bei
den billigeren Modellen der Kern auch aus PUR- Schaum hergestellt
sein kann. Ein Grund dafür ist die nach wie vor bessere Schwingungs-Dämpfungseigenschaft
des Holzes, welche sich natürlich in den Fahreigenschaften des
Schis positiv niederschlägt. Ein weiterer Grund liegt im Verhalten
des PUR-Schaumes, der nach längerer Zeit etwas schrumpft. Dadurch
wird die Lauffläche hohl und der Schi greift zu stark an der
Kante. Beim Snowboard kommt auch dazu, dass die Querstabilität
des doch breiteren Sportgerätes mit Holzkern wesentlich besser
ist.
Im Langlaufbereich sieht die Situation etwas anders aus. Hier wurde
der Holzkern fast zur Gänze von leichteren Materialien abgelöst.
Während bei Billigschiern der Schaumkern und hin und wieder noch
geschlitzte Holzkerne zum Einsatz kommen, sind die teureren Geräte
und vor allem die Rennmodelle mit Wabenkernen unterschiedlichster
Konstruktion ausgestattet. Diese werden vorwiegend aus harzgetränkten
Papieren wellpappeähnlich hergestellt und zwischen Ober- und
Untergurt stehend verklebt.
Mehr als 60% der weltweit verkauften Schier stammen aus österreichischer
Produktion. Obwohl der Gesamtholzbedarf der Schiindustrie einen Bruchteil
desjenigen aus anderen Sparten der Holzbranche darstellt, trägt
der Werkstoff Holz wesentlich dazu bei, dass die Namen unserer Schifirmen
durch die Erfolge der Rennläufer in aller Welt bekannt sind.
|
|



|
| |
|
|

Sandwich-Bauweise

Schalen- oder Cap-Bauweise

Beidseitig
keilförmig
auslaufendes
Profil eines Schis |
| |
|
|
Text:
Josef Gstöttenmayr
Ausbildung zum
SchierzeugerIn
Berufsschule Steyr 1
Otto-Pensel-Straße 14
A-4400 Steyr
T +43 (0) 7252/ 72868
F +43 (0) 7252/ 72868-20
bs-steyr1.post@ooe.gv.at
Ing. Josef Gstöttenmayr leitet die Ausbildung zum SchierzeugerIn
an der Berufsschule Steyr 1 in Oberösterreich.
|
|
|
| |
|