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FAT/m (Fatalities per million)
eine Internetreise zu Brandopfern in Statistiken
am 31.03.2004

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Architektur und Bauen müssen den Menschen dienen, deshalb kann es keinen Widerspruch zwischen architektonischen Ambitionen und der Sicherheit von Menschen geben. Doch wenn sie verbrämt als wissenschaftliche Erkenntnisse durch die Tagespresse geistern, sind Vorurteile zu wenig oder sogar gefährlich, um Sicherheit zu gewährleisten.

Es wird in absehbarer Zeit keine Leintücher und Bettdecken aus Beton geben und auch nicht U-Bahn-Tunnel und Eisenbahnbrücken aus Holz. In Bereichen, wo beide Materialien sinnvoll eingesetzt werden können, ist Vernunft angebracht und eine nüchterne Abwägung der Vor- und Nachteile. Die Dämonisierung eines Materials und das Schüren von diffusen Ängsten entsprechen zwar dem Zeitgeist, sind aber dadurch um nichts weniger schädlich. Und weil dies auch einer Weiterentwicklung der Architektur schadet, möchte ich als überbeschäftigter Architekt mit einem strikten Zeitlimit von zwei Tagen versuchen, folgende Fragen zu klären:

Wie und warum sterben Menschen bei Bränden?
Warum sterben in manchen Ländern mehr Menschen bei Bränden als in anderen?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Bauweise bzw. dem konstruktiven Material von Gebäuden und der Anzahl von Menschen, die darin bei Bränden ums Leben kommen?

Der Griff zum Telefon führt mich schnell in den Kreislauf von Brandverhütungsstellen; für Buchläden ist das Thema Feuer und darin umkommende Menschen zu marginal. Bleibt die heutige Quelle aller Information: das Internet.
Doch auch dort sind Daten zum Brandgeschehen nur unübersichtlich und schwer zugänglich, einzig die Vorarlberger Brandverhütungsstelle hat klare Berichte für 2001 und 2002 im Netz.
Und siehe da: Vorarlberg, das Bundesland mit der größten Holzbautradition, schöpft mit 2,1 Todesfällen bei Bränden pro Jahr seinen der Bevölkerungszahl entsprechenden Anteil bei weitem nicht aus (Österreich: 50 – 60 Tote pro Jahr).
2001 gab es im Ländle keinen Toten, 2002 dafür vier. Eine 79-jährige Frau in Bregenz erleidet starke Hautverbrennungen und stirbt am darauffolgenden Tag; in Übersaxen stirbt eine 84-jährige Frau an Rauchgasvergiftung, genauso wie ein 37-jähriger Mann in Bregenz; der vierte Todesfall ist nicht geschildert.

Noch anschaulicher bis hin zu den tragischen Hintergründen von Bränden sind die Seiten der »Fireworld - wo die Feuerwehren zuhause sind«. Im Stil von Pressemitteilungen werden fast bis auf den Tag aktuell alle Brände und Katastrophen in Österreich (sowie die größten internationalen) dokumentiert.

Vom 24. März 2004 zurück bis zum 3. Juni 2003 bestätigt sich der Eindruck, der sich auch bei der täglichen Zeitungslektüre ergibt:

  • Menschen sterben meist bei kleinen Zimmer- und Wohnungsbränden.
  • Risikogruppen scheinen Frauen jenseits der Siebzig und Männer mittleren Alters zu sein.
  • Die Brände sind fast immer schnell gelöscht; der Feuerwehreinsatz dauert auch bei einem Todesfall oft nicht einmal eine halbe Stunde.
  • Die Hauptbrandursache ist vor allem in den Feuerwehrberichten »unbekannt«.

Die Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Stroheim bringt das Problem auf den Punkt und nennt die gefährlichsten Mythen im Zusammenhang mit Bränden:

»Wenn es brennt, habe ich mehr als zehn Minuten Zeit, die Wohnung zu verlassen.«

Irrtum, Sie haben durchschnittlich nur vier Minuten zur Flucht. Eine Rauchvergiftung kann sogar bereits nach zwei Minuten tödlich sein.

»Meine Nachbarn oder mein Haustier werden mich rechtzeitig alarmieren.«

Eine gefährliche Fehleinschätzung, wenn man nur vier Minuten Zeit hat – besonders nachts, wenn Ihr Nachbar schläft und das Haustier im Nebenzimmer ist.

»Wer aufpasst, ist vor Brandgefahr sicher.«

Stimmt nicht. Elektrische Defekte sind häufige Brand-ursachen. Auch Brandstiftungen im Keller oder Hausflur sowie ein Brand in der Nachbarwohnung gefährden Sie ganz unverschuldet.

»Steinhäuser brennen nicht.«

Das brauchen sie auch nicht. Schon Ihre Gardine, die Tapete oder ca. 100 g Schaumstoff, z.B. in Ihrer Couch, sind ausreichend, um eine tödliche Rauchvergiftung zu erzeugen.

»Rauchmelder sind zu teuer.«

Ein Rauchmelder ist das beste Mittel zum vorbeugenden Brandschutz im eigenen Haushalt. Er ist bereits für weniger als 100 Euro im Handel zu erhalten. Täglich sterben in Deutschland zwei Menschen bei Bränden. Wie viel ist Ihnen Ihr Leben wert?

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Population Comparisons for Fire Deaths 1998 – 2000

Population Comparisons for Fire Deaths 1998 – 2000
Country Deaths per 100.000 persons

Text:
Arch. DI Wolfgang Pöschl

1971 – 80 Architekturstudium in Innsbruck
1972 – 76 Leiter der väterlichen Tischlerei
Anschließend mehrjährige Mitarbeit bei Heinz-Mathoi-Streli und Zusammenarbeit mit Reinhard Honold
2001 Gründung der tatanka gmbh mit Joseph Bleser und Thomas Thum

(Zeitschrift Zuschnitt 14, 2004; Seite 4ff) Seite 1 von 3
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