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Gespräch
Sicher kann etwas sicher brennen …

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Georg Driendl, Roland Gruber, Johann Riebenbauer

Gruber
Als Einstieg möchte ich Sie fragen, was Sie mit dem Titel »Holz brennt sicher« assoziieren. Ich habe verschiedene Leute von außen befragt und die unterschiedlichsten Antworten bekommen: Vom Osterfeuer, über das Knistern und Knarren des Holzes, wenn es brennt, bis zu Kunstprojekten, die Geselligkeit am Feuer oder auch die Vergänglichkeit des Materials reichte das Spektrum der Antworten. Was verbinden Sie mit dieser Aussage?

Riebenbauer
Ich reagiere darauf schon über meinen beruflichen Hintergrund und daher ist für mich als Statiker der Begriff der Sicherheit zentraler Aspekt der Aussage. Sicherheit ist für einen Statiker immer untrennbar mit jedem Gebäude verbunden und auch ganz einfach definierbar: Wenn die Sicherheit unterschritten wird, dann versagt die Konstruktion eines Gebäudes – es fällt zusammen. Mit einem gewissen rechnerischen Abstand zu einem Grenzwert ist die Sicherheit definiert, das gilt dann natürlich auch für den Brandfall.

Gruber
Ein Architekturkritiker hat auf meine Frage mit der Gegenfrage geantwortet: »Wie kann etwas sicher brennen?« Das impliziert, dass etwas, das brennt, nicht sicher sein kann.

Schober
Sicher kann etwas sicher brennen. Das ist ja der größte Vorteil des Holzes: Wir wissen, dass es brennt, wie es brennt und wir können damit umgehen. Es ist ja zum Beispiel ganz etwas anderes, auf brennendes Holz zu reagieren als auf brennenden Kunststoff. Man kann das »sichere« Brennen vielleicht am Beispiel eines Zündholzes veranschaulichen: Sie zünden es an, das ist eine bewusste Handlung, nicht etwas Zufälliges, sondern ein willentlicher Akt. Sie schauen es an, Sie können abschätzen, wie lange es brennt, wann es kritisch wird, und Sie können es löschen. Genau das ist die Sicherheit, die Holz bietet. Es ist berechenbar und zwar nicht nur für die Experten. Es gibt diese Erfahrung des Menschen im Umgang mit brennendem Holz.

Leibetseder
Man soll einen Fehler nicht machen – man kann die Fragen des Brandschutzes nicht primär auf die Materialeigenschaften von Baustoffen hinsichtlich Brennbarkeit und Nichtbrennbarkeit reduzieren. Ich bin bei dieser Fragestellung natürlich beruflich vorbelastet. Auf jeden Fall möchte ich aber sagen, dass Holz grundsätzlich eine Berechtigung hat, als Baustoff eingesetzt zu werden, und dass dies sicherheitstechnisch, unter Berücksichtigung der Eigenschaften, vertretbar ist. Natürlich brennt es, man muss die Situation jedoch immer objektbezogen beurteilen, sich fragen, wie das Material zum Einsatz kommt, welche Maßnahmen getroffen werden, wie das Gebäude genutzt wird, in welchen Dimensionen gearbeitet wird. Es geht darum, baustoffgerecht zu denken, effiziente brandschutztechnische Lösungen zu suchen und sich beispielsweise nicht darauf zu beschränken festzustellen, dass Holz brennt und Beton oder Ziegelmauerwerk nicht. Das macht keinen Sinn und ist nicht sachlich.

Gruber
Sie arbeiten für das Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung und haben schon mehrere Holzbauten, wie auch die Schule in Klaus von »Dietrich | Untertrifaller« brandschutztechnisch betreut. Wie läuft so eine Zusammenarbeit ab?

Leibetseder
Meistens beginnt die Zusammenarbeit schon in der Vorplanung, womit wir bereits in die Grundkonzeption der baulichen Brandschutzmaßnahmen involviert sind. Wir begleiten das Projekt dann bis in die Einreichphase, stimmen die Maßnahmen mit den Planunterlagen der Architekten ab und betreuen die Detailplanung. In der Umsetzung betreiben wir eine begleitende Bauüberwachung. Es gibt also Gespräche mit allen beteiligten Fachfirmen, die mit dem Thema Brandschutz in Berührung kommen. Wir weisen auf Problematiken, Details, geforderte Unterlagen wie Prüfzeugnisse, Bestätigungen für die ordnungsgemäße Detailausführung, Dokumentation bis zur Übergabe, aber auch Möglichkeiten hin. Während der Bauausführung ist oft die Ausarbeitung von Lösungen für Sonderkonstruktionen erforderlich, welche beispielsweise in Form von Einzelbeurteilungen dokumentiert werden. Abschließend erfolgt eine formelle Abnahme. Grundsätzlich versuchen wir, mit allen Beteiligten – also Auftraggebern, Architekten, ausführenden Firmen und Behörden – so zusammen zu arbeiten, dass für alle ein zufrieden stellendes und vor allem effizientes Ergebnis unter Berücksichtigung der erforderlichen Sicherheit erzielt wird.

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Georg Driendl
Architekt
geboren 1956 in Innsbruck
Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien
Lehrtätigkeit an der Technischen Universität Cottbus (D), an der Technischen Universität Graz und an der Universität Innsbruck

Mag. arch. Roland Gruber
Architekturstudium an der Kunstuniversität Linz und ETH Zürich
1999 Gründung noncon:form - architecture group
2002 Vorstandsmitglied der IG-Architektur
Seit 2004 Wissensmanager von »überholz« - Universitätslehrgang für Holzbaukultur an der Kunstuniversität Linz

Info:
Universitätslehrgang »überholz«
T +43 (0)70 / 7898-283
ulg-ueberholz@ufg.ac.at www.ufg.ac.at

DI Johann Riebenbauer
Studium des Bauingenieurwesens, TU Graz
Vier Jahre Univ.-Ass. am Institut für Tragwerkslehre an der TU Graz
Seit 6 Jahren im ingenieurmäßigen Holzbau freiberuflich tätig und zwar auf den Gebieten Forschung, Entwicklung, Beratung, Statik und Softwareentwicklungen

DI HTL Klaus Peter Schober
Seit 1982 Mitarbeiter der Holzforschung Austria
Seit 1992 Leiter der Abteilung »Bautechnik« der Holzforschung Austria
Seit 1998 Lehrauftrag an der Technischen Universität Wien, am Institut für Tragwerkslehre und Ingenieurholzbau
Mitarbeiter in zahlreichen nationalen und internationalen Normenausschüssen
1999 Preisträger des Josef Umdasch-Preises der Universität für Bodenkultur für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Holz- und Forstwissenschaften
2003 ÖGUT Umweltanerkennungspreis in der Kategorie »Nachhaltige, innovative Unternehmensstrategie im IT-Business« für das Projekt http://www.dataholz.com

DI HTL Gerhard Leibetseder
Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Brandschutzwesen, Brand- und Explosionsursachenermittlung, Feuerpolizeirecht
Mitarbeiter des Instituts für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung Linz als

  • Sachverständiger in Behördenverfahren (Bau, Gewerbe)
  • Brandursachenermittler im Auftrag der Sicherheitsbehörden und Gerichte
  • Ersteller von Brandschutz konzepten, Sicherheitsanalysen, Beurteilungen
  • Bauteil- und Baustoffprüfer
(Zeitschrift Zuschnitt 14, 2004; Seite 22ff) Seite 1 von 3
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