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Editorial

Eva Guttmann
Erschienen in
Zuschnitt 18: Schallschwellen
Juli 2005, Seite 3

Schallschutz geht uns allen nahe. Lärm ist eine Art der Belästigung, die ständig zunimmt, aber dabei so unauffällig mehr wird, dass wir uns des Schadens, den sie anrichtet, oft gar nicht bewusst sind. Und je höher der Geräuschpegel ansteigt, je lauter unsere Arbeits- und Wohnumgebung wird, umso mehr sehnen wir uns nach Stille, weshalb auch die subjektiven Anforderungen an ruhige Häuser und Wohnungen in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Dieses Phänomen macht den BauphysikerInnen zu schaffen, deren Forschungen und Erkenntnisse mit den erhöhten Ansprüchen kaum Schritt halten können.

Es herrscht ein allgemeiner Mangel an Erfahrungswerten und Informationen, wobei Ausnahmen auch hier die Regel bestätigen: So ist etwa in der Steiermark seit Ende der neunziger Jahre die Vergabe von Förderungen für mehrgeschossige Holzwohnbauten an den Nachweis der Einhaltung von bestimmten Schallwerten gebunden. Gründe dafür waren einst der regionale Holzbauboom und ein skeptischer Landesrat, der den Holz-Mehrgeschossern kein Vertrauen bezüglich des Schallschutzes entgegenbrachte. Dieses Misstrauen war – im Nachhinein betrachtet – wertvoll, denn kein einziges Gebäude fiel bei den Messungen durch, womit das Vorurteil, Holzhäuser seien schalltechnisch nicht in den Griff zu kriegen, widerlegt ist.

Trotzdem: Das niedrige Gewicht des Holzes – neben vielen anderen ein positiver Aspekt – ist beim Schallschutz kein Vorteil. Mit dem Wissen um das schallspezifische Verhalten des Materials, um einfache Gesetzmäßigkeiten, kann dieser Nachteil jedoch ausgeglichen werden und können Holzgebäude auch den »erhöhten Anforderungen« gerecht werden.

Weitere Stolpersteine, nicht nur im Holzbau, sind uneinheitliche Ländergesetzgebungen und eine schwierige bis unüberschaubare Fach-Terminologie. Wir alle kennen die Problematik schlecht schallgedämmter Gebäude aus eigener Erfahrung, aber wer weiß schon, was genau ein Dezibel oder gar der »A-bewertete äquivalente Norm-Trittschallpegel« ist?

Doch Zuschnitt hilft und hat nach anfänglichen Schwierigkeiten (»Schallschutz? Das hat man als Architekt einfach im Gefühl!«) ExpertInnen gewonnen, deren Beiträge Licht ins Dunkel bringen:

Karl Brüstle erklärt die Phänomene und Gesetzmäßigkeiten des Schalls in Holzkonstruktionen. Heinz Ferk behandelt die verschiedenen möglichen Systeme von Holz-Trennwänden und gibt einen Überblick über die gesetzlichen Anforderungen. Judith Lang schreibt über Schallschutz bei Holzdecken und schließlich vervollständigt ein Glossar der wichtigsten Größen und Begriffe den technischen Teil dieses Hefts; drei Beispiele aus den Bereichen Wohn-, Büro- und Schulbau zeigen Anwendungen und konstruktive Innovationen in der Praxis und wir hoffen, dass nach der – zugegeben anstrengenden – Lektüre dieses Hefts nicht nur Gefühl, sondern auch Gewissheit ausschlaggebend für Ihre schalltechnischen Entscheidungen im Holzbau sein werden.

Text

Eva Guttmann
2004 – 09 Chefredakteurin der Zeitschrift Zuschnitt, 2010 – 13 Geschäftsführerin des HDA, Haus der Architektur in Graz. Freischaffende Autorin, Herausgeberin, Redakteurin und Verlagsrepräsentantin für Park Books Zürich; lebt und arbeitet in Graz und Wien.
www.park-books.com