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Ein poetisches Ding

Renate Breuß
Erschienen in
Zuschnitt 18: Schallschwellen
Juli 2005, Seite 28

Jüngstes Ergebnis einer vierjährigen Entwicklungsarbeit in der HolzWerkstatt Faißt in Hittisau ist das im Spannungsfeld von Material, Form und Schwingung entstandene Klangobjekt Sinus-Sonus. Ein dünnwandiger, anthropomorpher Hohlkörper aus Fichtenholz ist standardmäßig mit sieben Stahlseiten bespannt, die in Anlehnung an den griechischen Monochord alle auf den gleichen Ton gestimmt sind.

Das Zupfen der ganzen Saiten löst Schwingungen im Grundton aus, die dazu harmonischen Obertöne entstehen über unterlegbare Stege. In liegender Nutzung ist der Mensch in den Klangraum eingebettet, nimmt die physisch spürbaren Vibrationen direkt auf, nicht nur über das Ohr, sondern über den ganzen Körper, der so zum erweiterten Resonanzraum wird. Der musikalische Laie freut sich am schönen Möbel und am klaren Grundton, der Musiker bringt die Erinnerungen des Baumes zum Erwachen.

Der Kenner findet das begehrte Holz in den nahen Plentenwäldern, wo auf der Schattseite, auf den hungrigen und mageren Böden in nicht zu steiler und windgeschützter Hanglage vereinzelt auch jene runden und gerade gewachsenen Fichten stehen, die den hohen Anforderungen an ein Klangholz entsprechen: Keine Astnarben, gleichmäßiger Zylinder, gerade Faser und regelmäßiges Wachstum, mit jener ganz bestimmten, vom Geigenbauer eingeflüsterten Breite an Jahresringen. So gesehen ist Sinus-Sonus ein poetisches Ding zum Wohnen.

 

Sinus-Sonus
Fichte, Eibe, 189x48x42cm
Zubehör: Stimmstege, Stimmschlüssel, Ersatzsaiten

Design und Herstellung:
Edgar Höscheler und
Markus Faißt
HolzWerkstatt Markus Faißt
A-6952 Hittisau
www.holz-werkstatt.com

Text

Renate Breuß
freiberufliche Kunsthistorikerin, Lehrbeauftragte für Kultur, Design und Wahrnehmung an der Fachhochschule Vorarlberg. Bücher und Beiträge zur Kultur des Bauens und zum Handwerk, zur Theorie des Kochens. Bis 2016 Geschäftsführerin Werkraum Bregenzerwald.

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