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Editorial

Eva Guttmann
Erschienen in
Zuschnitt 20: Holz urban
Dezember 2005

Wieder naht Weihnachten und damit Holz in der Stadt. Üblicherweise in Form von Christbäumen, heuer auch als aktuelle Ausgabe des Zuschnitts. Nicht ganz unerwartet, aber dennoch überraschend waren die Reaktionen auf das Thema während des Entstehungsprozesses: Holz in der Stadt polarisiert und während die einen denken, dass nichts naheliegender ist, als die konstruktiven, bauphysikalischen und atmosphärischen Vorteile des Materials auch und gerade in der Stadt einzusetzen, glauben andere, dass Holz in der Stadt wenn schon nicht abwesend, dann zumindest unsichtbar zu sein hat. Wir sind anderer Meinung und zeigen Beispiele dafür, wie zeitgemäß, vielfältig, bereichernd und sinnvoll Holz auch im urbanen Kontext eingesetzt werden kann.

Joost Meuwissen, den wir als Autor für einen einleitenden Essay gewinnen konnten, betrachtet das Thema aus erfrischend distanziertem Blickwinkel, indem er die historischen und aktuellen Aspekte von Holz in der Stadt einerseits fundiert analysiert, andererseits jede moralische Diskussion darüber verweigert und insgesamt das Bild einer spannenden Herausforderung zeichnet. Diese Herausforderung ist auch anhand der beschriebenen Projekte nachvollziehbar: Egal um welches der gezeigten Beispiele es sich handelt: Die ArchitektInnen wissen um die Qualitäten, aber auch um die Irritationen, die Holzbauten in der Stadt hervorrufen, und gehen daher umso bewusster mit dem Material um, bringen sein Wesen und die Konnotationen, die es hervorruft, umso präziser ins Spiel.

Einen wesentlichen Beitrag zur konkreten Verwirklichung von Holzbauten leisten aber auch die Behörden vor dem Hintergrund der Baugesetze. Wir freuen uns daher besonders, dass Senatsrat Heinz Fuchs von der Wiener Baupolizei und Johannes Kaufmann, der gemeinsam mit Hermann Kaufmann zur Zeit in Wien ein Wohnhaus in Mischbauweise mit hohem Holzanteil baut, für ein Gespräch zur Verfügung gestanden sind und von ihren guten Erfahrungen miteinander berichten. Dabei wird deutlich, dass Kooperationswille, Offenheit, Diskurs- und Lernfähigkeit auf beiden Seiten – Architekten und Baupolizisten – unabdingbar sind für einen positiven Bewilligungs- und Umsetzungsprozess und ein bestmögliches Ergebnis im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten.

Zugleich startet im Zuschnitt 20 eine Serie über Forschungs-, Lehr- und Fortbildungseinrichtungen im Bereich des Holzbaus. Als erste Institution stellen wir das ITI, das Institut für Architekturwissenschaften: Tragwerksplanung und Ingenieurholzbau der Technischen Universität Wien vor, das kürzlich sein zehnjähriges Bestehen in heutiger Form feierte und für das Konzept eines postgradualen Studienlehrgangs mit dem Schweighofer Innovations Prize ausgezeichnet wurde. Wir gratulieren und wünschen unseren Leserinnen und Lesern erholsame Weihnachtsfeiertage und viel Vergnügen bei »Holz urban«.