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Seriell und individuell

Gespräch mit Ernst Roth

Erschienen in
Zuschnitt 21: Schutz S(ch)ichten
März 2006

Mehrfamilienhaus Roth, Feldkirchen

Zuschnitt: Holzschutz, Oberflächenbehandlung, Farbgestaltung – was assoziieren Sie mit diesen Begriffen?

Ernst Roth: In erster Linie assoziiere ich damit eine Reihe an Erfahrungen, die ich im Lauf der Zeit gemacht habe und durch die ich mir ein gewisses Repertoire an Oberflächengestaltung und -behandlung erarbeitet habe.

Welche Erfahrungen waren das?

Eine interessante Erfahrung gab es gleich beim ersten Haus, einem Einfamilienhaus aus dem Jahr 1991. Wir haben uns damals für eine Fassade aus Fichtenschalung entschieden, deren natürliche Farbe – ein heller, gelblicher Ton – mir überhaupt nicht gefallen hat. Also haben wir eine zarte Lasur aus Schwarz und Weiß mischen lassen und aufgebracht, um von Beginn an einen visuellen Vergrauungseffekt zu erreichen. Das hat sehr gut funktioniert, die Fassade wurde immer schöner, wobei an der Wetterseite das Grau intensiver wurde und an der Südseite, durch die erhöhte uv-Strahlung, ein sehr schöner Rot-Ton entstanden ist. Für die Bauherren war diese Unregelmäßigkeit jedoch ein Problem, weshalb das Haus dann deckend gestrichen und der Farbveränderungsprozess leider abgebrochen wurde.

Spielt die Farbe an sich für Sie eine Rolle in der Gestaltung?

Auf jeden Fall, aber es hängt auch immer von der Bauaufgabe ab. Bei den Fertighäusern etwa, die im Betrieb meines Vaters erzeugt werden, spielt Farbe eine große Rolle. So wurde z.B. 1992/93 ein Musterhaus entwickelt, für das ich die Farbgestaltung übernommen habe. Es stand dabei nicht zur Debatte, die Oberflächen einfach verwittern zu lassen, da es dafür am Fertighausmarkt einfach zu wenig Nachfrage gibt. Also wurde die Fichtenholzschalung mit dunkelgrauer Dünnschichtlasur gestrichen, was in Kombination mit den ebenfalls verwendeten grauen zementgebundenen Platten sehr schön war. Für dieses Musterhaus erhielten wir dann auch den Landesarchitekturpreis, aber außer Friedrich Achleitner und mir gefiel die Farbe wohl kaum jemandem, denn nach ein paar Jahren wollte man eine auffälligere Farbe, weil sich das graue Haus nicht gut verkaufte. Wir ließen das Grau abbeizen, worauf eine wunderschöne, inzwischen rötliche Fichtenholz-Oberfläche, durchzogen von feinen, grauen Streifen an den vertieften Stellen zum Vorschein kam, die aber leider nicht vervielfältigbar war und daher nicht so bleiben konnte. Das Musterhaus wurde dann in Anlehnung an skandinavische Eisenoxidfarben rot gestrichen.

Haben Sie bei Arbeiten, die nicht für eine Massenproduktion gedacht waren, jemals Dickschichtlasuren angewendet?

Nein, ich vermeide Dickschichtlasuren, weil einerseits die Gefahr von mechanischen Schäden im Bereich des Anstrichs besteht, wodurch dann Feuchtigkeit unter die Oberfläche gelangt, die nicht mehr entweichen kann, und andererseits die natürliche Oberflächenstruktur des Holzes verloren geht.

Wann setzen Sie chemischen Holzschutz ein?

Generell steht für mich der konstruktive Holzschutz an erster Stelle, erst dann kommt der chemische Holzschutz. Es gibt aber durchaus Situationen, wo chemischer Holzschutz notwendig und sinnvoll ist, und ich habe kein Problem damit, ihn dort auch einzusetzen. Bei meinem eigenen Haus kam es im Bereich der Seekiefernsperrholzplatte, welche die Untersicht des Vordachs bilden, zu Schimmelbildung. Hier steht die Luft, die Kondenswasserbildung ist durch die Wärme, die beim Öffnen der Haustür entweicht, beträchtlich, es herrscht immer eine hohe Luftfeuchtigkeit und so kam es zum Pilzbefall. In solchen Situationen, aber auch dort, wo tragende Holzteile bewittert sind, wie etwa bei Stehern im Außenbereich, verwende ich chemischen Holzschutz.

Wie werden Fertighäuser geschützt?

Früher wurden alle tragenden Teile chemisch geschützt, was zu Problemen mit Feuchtigkeit und zum Verziehen des Holzes geführt hat. Inzwischen ist man davon abgekommen und behandelt das Holz nur mehr im bewitterten Bereich mit Ausnahme der Schwelle, die mit chemischem Holzschutz oder aber mit Holz von hoher natürlicher Dauerhaftigkeit wie z.B. Lärchenkernholz auszuführen ist.*

Welcher Holzschutz scheint Ihnen in Bezug auf die Oberflächenbehandlung insgesamt der richtige zu sein?

Das ist eine Frage, die jeder für sich beantworten muss. Ich selbst habe sehr positive Erfahrungen mit Fassaden aus unbehandelter Lärchenholzschalung gemacht, die höchstens geölt wird, damit der Vergrauungsprozess zeitverzögert einsetzt. Das ist kostengünstig und technisch unkompliziert. Außerdem finde ich, dass die Veränderung des Holzes, die durch uv-Strahlung und Bewitterung entsteht, sehr reizvoll ist.

Wenn wir Platten verwenden, dann achten wir darauf, sie nur im geschützten Bereich einzusetzen, denn sonst müssen sie, auch an den Stirnseiten, sehr aufwändig und teuer behandelt werden, damit sie von vernünftiger Dauerhaftigkeit sind. Die Farbe selbst wird von uns als reines Gestaltungsmittel und meistens als Kontrast zu den bewitterten, unbehandelten Teilen eingesetzt, wobei die aktuellen Angebote der Farbenhersteller sehr gut und sehr bedarfsorientiert sind, man sich aber im Klaren darüber sein muss, dass solche Bauteile nach ein paar Jahren neu gestrichen werden müssen.

Welche Oberfläche würden Sie gern noch machen?

Ich würde sehr gern einmal etwas in Silbergrau machen, weil das gerade im Zusammenhang mit der Oberflächenstruktur von Holz sehr elegant ist. Derzeit ist es noch schwierig, weil z.B. Äste mit der Zeit durch die Farbe »durchschlagen«, aber da hoffe ich auf die zukünftige Entwicklung am Farbensektor.

*Nach der ÖNORM B 3802-2 gibt es eine gesetzliche Verpflichtung zum chemischen Holzschutz, in der ÖNORM B 3804 werden jedoch die Voraussetzungen zur Reduktion chemischer Holzschutzmaßnahmen aufgezeigt, wie etwa trockenes und insektendichtes Bauen.

Mehrfamilienhaus Roth, Feldkirchen

Arch. DI Ernst Roth
geboren 1957
Architekturstudium an der TU Graz, Diplom 1989
Seit 1990 eigenes Büro in Feldkirchen
diverse Projektpartnerschaften

Ghegaallee 2
A-9560 Feldkirchen
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© Gisela Erlacher