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Holzwerk mit Vergangenheit

Die Klause am Hallstätter See

Eva Guttmann
Erschienen in
Zuschnitt 22: Wasserkontakt
Juni 2006

Gegenwehr aus abgespreizten »Doggern«, das mit einfachen Holzbrettern händisch geschlossen werden kann. Plangrafik

Es gibt unzählige, bis weit in die Vergangenheit reichende Beispiele für ebenso einfache wie intelligente und funktionstüchtige Holzkonstruktionen am und im Wasser: Boote, Pfahlbauten, Brücken, Schwemmkanäle, Mühlen, Schleusen, Kanalsysteme sind seit jeher an Orten entstanden, wo Wasser und Holz verfügbar waren und aus unterschiedlichen Gründen die Sinnhaftigkeit ihrer Kombination bestand.

Am Hallstättersee ist diese Sinnhaftigkeit besonders offensichtlich: Das Salz, welches im Bergwerk abgebaut wurde, musste in Ermangelung von Alternativen auf dem Wasserweg verfrachtet werden. Für die schwer beladenen Salzboote war es bei niedrigem Wasserstand kaum möglich, unbeschadet über die Untiefen am Ausfluss des Hallstättersees hinweg in die Traun zu kommen. Um den Schiffern genug Wasser zum Überwinden der seichten Stellen »mitzugeben«, errichtete der später für diese Leistung geadelte Thomas Seeauer 1511 eine 110 Meter lange »Klause«, die den Abfluss absperrt, das Wasser im See staut und erst dann frei gibt, wenn die Tore durch den »Klausschlag« geöffnet werden.

Über einen offen gelassenen Ausfahrtskanal am Westufer wurden auf diese Weise bis zu 1700 Boote jährlich in die Traun »geschwemmt«. Ihre Rückkehr erfolgte mit Hilfe der »Traunrösser«, schweren Arbeitspferden, welche die Schiffe auf »Treppelwegen« flussaufwärts bis zum heutigen Steegwirt zogen, wo die mitgeführten Waren umgeladen wurden.

Die Klause selbst besteht aus zwölf Kästen, den »Stuben«, die mit sich verkeilenden Kalksteinen gefüllt und mit starken Pfosten/Diele abgedeckt sind. Die Lücken zwischen den »Stuben« können durch Tore geöffnet oder verschlossen werden.

Nachdem das Wehr einige Male unterspült worden war, wurde die Anlage durch ein Gegenwehr ergänzt, das aus einer Reihe von schräg abgespreizten Rundhölzern (»Doggern«) auf einem am Grund verankerten »Doggerbaum« besteht und mit einfachen Planken abgesperrt werden kann. Sowohl Klause als auch »Doggerrechen« sind aus Lärchenholz, das früher in einem heute noch sichtbaren Wasserbecken gelagert wurde, um starkes Quellen nach dem Einbau zu verhindern. Die denkmalgeschützte Anlage ist nach wie vor funktionstüchtig und leistet gute Dienste bei der Regulierung des Wasserstands am Hallstättersee. Inzwischen erfolgt das Öffnen der Anlage elektrisch, geschlossen werden die Tore allerdings immer noch händisch mit einer Kurbel vom Boot aus. Ein Angestellter des Landes Oberösterreich wartet die Klause und führt kleinere Reparaturen durch; alle 25 bis 30 Jahre werden die Klausstuben erneuert, wofür immer noch unbehandeltes Lärchenholz verwendet wird, und es besteht kein Anlass daran zu zweifeln, dass die Seeklause auch in den nächsten 500 Jahren ihre Funktion erfüllen wird.

Gegenwehr aus abgespreizten »Doggern«, das mit einfachen Holzbrettern händisch geschlossen werden kann.Gegenwehr aus abgespreizten »Doggern«, das mit einfachen Holzbrettern händisch geschlossen werden kann.

Kästen der SeeklauseKästen der Seeklause

Fotos
© Gerald Kozicz

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