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Es kommt drauf an

Zur Dauerhaftigkeit unbehandelter Hölzer in der Außenanwendung

Notburga Pfabigan
Erschienen in
Zuschnitt 23: Holzarten
September 2006

Immer wieder wird die Frage gestellt, wie dauerhaft unbehandeltes Holz in der Außenanwendung, insbesondere der Anwendung für Holzfassaden, ist. Die Frage nach der »Dauerhaftigkeit« ist meist als Frage nach der »Anzahl der Jahre«, die eine Holzfassade einer bestimmten Holzart hält, zu verstehen. Die Antwort, »es kommt drauf an«, ist zugegebenermaßen unbefriedigend, aber zutreffend. Holz ist ein Material, dessen Abbau und Zerstörung nicht allein auf physikalische, sondern sogar maßgeblich auf biogene Faktoren zurückzuführen ist. Die Gebrauchs- bzw. Nutzungsdauer, also der Zeitraum, innerhalb dessen eine Holzfassade ohne Verlust seiner Gebrauchseigenschaften genutzt werden kann, hängt von Konstruktion (Design), handwerklicher Verarbeitung, den vorherrschenden Umgebungsbedingungen und, nicht zuletzt, auch von der natürlichen Dauerhaftigkeit der eingesetzten Holzart ab.

Eine unbehandelte Holzfassade verändert, unabhängig von der eingesetzten Holzart, unter Wetterbeanspruchung ihre Farbe und Oberflächenstruktur. Die ursprüngliche Eigenfarbe des Holzes geht in einen grauen Farbton über und im Laufe der Zeit wird aus einer glatten eine »erodierte« Holzoberfläche. Diese physikalischen Veränderungen beeinflussen aber die Festigkeit des Holzes nicht. Festigkeitsverluste treten auf, wenn es über einen längeren Zeitraum zu Durchfeuchtung kommt, die zu Fäulnis führt. Sind Konstruktion und handwerkliche Verarbeitung einer Holzfassade so, dass sämtliche Hölzer nach Befeuchtung rasch abtrocknen können, besteht keine Gefahr von Schädigungen durch holzzerstörende Pilze. Daraus ist bereits abzuleiten, dass einwandfreie Planung, Konstruktion und handwerkliche Ausführung wesentliche Voraussetzungen für die lange Gebrauchsdauer einer Holzfassade sind. Erst wenn diese Anforderungen nicht ausreichend berücksichtigt wurden und Durchfeuchtungen auftreten, kommt die natürliche Dauerhaftigkeit der jeweiligen Holzart für die Gebrauchsdauer insofern zum Tragen, als dauerhaftere Hölzer einem biogenen Angriff länger widerstehen als weniger dauerhafte Hölzer.

Natürliche Dauerhaftigkeit

Als natürliche Dauerhaftigkeit wird die natürliche Widerstandsfähigkeit einer ungeschützten Holzart gegen den Befall durch holzzerstörende Organismen bezeichnet. Verantwortlich dafür sind hauptsächlich spezifische Holzinhaltsstoffe. Der Grad der natürlichen Dauerhaftigkeit von Holzarten gegenüber holzzerstörenden Pilzen wird durch eine Einteilung in Klassen angegeben und kann zwischen sehr dauerhaft (Klasse 1) und nicht dauerhaft (Klasse 5) variieren (siehe Tabelle 3). Diese Klassen sind nicht als Absolutwerte, die in Jahreszahlen angegeben werden können, anzusehen, sondern entsprechen einer vergleichenden Einstufung, d.h. die Gebrauchsdauer von Holzarten gleicher Dauerhaftigkeitsklasse ist ähnlich.

Dieses Klassifikationssystem gibt einen Hinweis auf die Standdauer von Holz in Erdkontakt und bezieht sich auf das Kernholz, das Splintholz aller Holzarten ist als nicht dauerhaft einzustufen. Soweit Holz außerhalb des Erdkontaktes benutzt wird, wie dies bei einer Holzfassade der Fall ist, können diese Gebrauchsbedingungen zu einer Gebrauchsdauer führen, die höher ist als jene, die durch die Klassifikation in Tabelle 4 ausgedrückt wird.

Gebrauchsklassen

Die Gebrauchsdauer von Holz hängt auch von den Umgebungsbedingungen, denen Holzbauteile während der Verwendung ausgesetzt sind, ab. Aus den sich daraus ergebenden Lebensbedingungen für Schadorganismen resultiert eine mehr oder weniger große Schadenswahrscheinlichkeit. Diese Umgebungsbedingungen werden durch Gebrauchsklassen (früher Gefährdungsklassen) beschrieben. Entsprechend Tabelle 1 ist eine Holzfassade in Gebrauchsklasse 3 einzustufen, in diesem Einsatzbereich ist eine Gefährdung durch Insekten und Pilze gegeben. Erstere entsprechend Tabelle 4 nur für anfällige Holzarten, zweitere entsprechend oben Erwähntem nur, wenn über einen längeren Zeitraum Durchfeuchtungen auftreten.

Ein Leitfaden für die Anwendung von Holzarten bestimmter Dauerhaftigkeitsklassen in der jeweiligen Gebrauchsklasse ist in Tabelle 2 angegeben. Der Anwender kann entsprechend Einsatzbereich, Konstruktion, handwerklicher Ausführung und geforderter Gebrauchsdauer einen angemessenen Grad der Dauerhaftigkeit auswählen und sicherstellen, dass die angegebene Holzart oder das Holzprodukt diese Dauerhaftigkeit besitzt, entweder als eine natürliche oder (als Ergebnis einer zweckmäßigen Schutzbehandlung) als spezifische Charakteristik.

Was bedeutet dies nun für die Dauerhaftigkeit einer unbehandelten Holzfassade?

Vorausgesetzt Konstruktion und handwerkliche Verarbeitung der Fassadenelemente sind einwandfrei und auch die Umgebungsbedingungen lassen längerfristige Durchfeuchtungen nicht erwarten, ist eine Gefährdung durch holzzerstörende Pilze nicht gegeben. Folglich sind unsere heimischen wenig bis mäßig dauerhaften Nadelhölzer wie Fichte, Tanne, Kiefer oder Lärche für den Einsatz im Fassadenbereich genauso geeignet wie die dauerhafteren Laubholzarten Eiche, Edelkastanie oder Robinie. Unabhängig von der eingesetzten Holzart wird eine physikalische Abwitterung auftreten, d.h. eine oberflächliche Verwitterung erfolgen und eine »erodierte« Oberflächenstruktur entstehen. Das ursprüngliche Erscheinungsbild wird also nicht beibehalten werden. Nichtsdestotrotz wird die Fassade ihre Funktion erfüllen.

Zurück zur eingangs gestellten Frage nach der »Anzahl der Jahre« die eine Holzfassade einer bestimmten Holzart hält: »Es kommt drauf an«, auf Planung, Konstruktion, handwerkliche Ausführung, Umgebungsbedingungen und – in sehr eingeschränktem Maße und unter gewissen Bedingungen – auch auf die natürliche Dauerhaftigkeit der eingesetzten Hölzer.



Text

Notburga Pfabigan
  • geboren 1968
  • 1988–94 Studium der Biologie an der Uni Wien
  • Diplomarbeit an der TU Wien
  • seit 1995 Mitarbeiterin der Holzforschung Austria, Arbeitsschwerpunkte: Chemischer Holzschutz, Holzschutzmittelprüfung und Schädlingsbestimmung

Tabelle 1:
Gebrauchsklassen (GK) für verbautes Holz
(lt. ÖNORM B 3802-2)

GK Beanspruchung des Holzes Gefährdung durch Beispiele
0 Keine statische Belastung, HF unter 10% – * Trockener Wohnbereich – Möbel, Holzböden etc.
1 Statisch belastetes Holz,
HF unter 20%
mittlere rel. LF bis 70%
Insekten Tragende oder aussteifende Innenbauteile, tragende Decken
2 Statisch belastetes Holz, HF zeitweise über 20%; mittlere rel. LF über 70% Insekten und Pilze Innenräume mit höherer Luftfeuchtigkeit, geschützter Außenbereich
3 HF häufig über 20%, direkte Regen- und Sonnen- belastung, kein dauernder Erd- und/oder Wasserkontakt Insekten und Pilze Holz im Freien ohne Wetterschutz – Balkone, Fassaden, Zaunlatten,
4 HF ständig deutlich über 20%,
Holz ist ganz oder teilweise in dauerndem Erd- und/oder Wasserkontakt
Insekten, Pilze, Moderfäule Masten, Zaunpfähle, Bootsstege

*
Splintholzkäfer können auch unter diesen trockenen Wohnbedingungen Holz zerstören, sie befallen jedoch ausschließlich das Splintholz von stärke- und eiweißreichen, grobporigen Laubhölzern
HF
Holzfeuchtigkeit
rel. LF
relative Luftfeuchtigkeit

Tabelle 2:
Leitfaden für die Anwendung von Holzarten bestimmter Dauerhaftigkeitsklassen in den Gebrauchsklassen (GK)
(lt. ÖNORM EN 460)

GK Dauerhaftigkeitsklasse
  1 2 3 4 5
1 o o o o o
2 o o o (o) (o)
3 o o (o) (o)–(x) (o)–(x)
4 o (o) (x) x x

o
natürliche Dauerhaftigkeit ausreichend
(o)
natürliche Dauerhaftigkeit üblicherweise ausreichend, aber unter bestimmten Gebrauchsbedingungen kann eine Schutzbehandlung empfehlenswert sein
(o)–(x)
natürliche Dauerhaftigkeit kann ausreichend sein, aber in Abhängigkeit von der Holzart, ihrer Durchlässigkeit und der Gebrauchsbedingung kann eine Schutzbehandlung notwendig sein
(x)
eine Schutzbehandlung ist üblicherweise empfehlenswert, unter bestimmten Gebrauchsbedingungen kann die natürliche Dauerhaftigkeit ausreichend sein
x
Schutzbehandlung notwendig

Anmerkung: Auf die Darstellung der auf europäischer Ebene vorliegenden Gebrauchsklasse 5 (Meerwasser) wurde hier verzichtet, da diese in Österreich nicht vorkommt.

Tabelle 3:
Klassifikation der natürlichen Dauerhaftigkeit gegen holzzerstörende Pilze
(lt. ÖNORM EN 350-2)

Dauerhaftigkeitsklasse Beschreibung
1 sehr dauerhaft
2 dauerhaft
3 mäßig dauerhaft
4 wenig dauerhaft
5 nicht dauerhaft

 

Tabelle 4:
Natürliche Dauerhaftigkeit ausgewählter einheimischer Holzarten
(lt. ÖNORM EN 350-2)

Handelsname Wissenschaftlicher Name Natürliche Dauerhaftigkeit
    Pilze Hausbock Anobien
Fichte Picea abies 4 SH SH
Tanne Abies alba 4 SH SH
Kiefer Pinus sylvestris 3–4 S S
LŠrche Larix decidua 3–4 S S
Eiche Quercus robur      
  Quercus petraea 2 S
Robinie Robinia pseudoacacia 1–2 S
Edelkastanie Castanea sativa 2 S

S
Splintholz ist gegenüber der Käferart anfällig
SH
auch das Kernholz ist gegenüber der Käferart als anfällig bekannt

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