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Holz ≠ Holz

Eva Guttmann
Erschienen in
Zuschnitt 23: Holzarten
September 2006

Holz ist nicht gleich Holz und unterschiedliche Holzarten können nicht über einen Kamm geschert werden. Woraus aber entsteht die Fülle an Farben, Strukturen und Oberflächen, die ArchitektInnen so viel atmosphärischen Spielraum schenkt und so viele Möglichkeiten des Konstruierens und Gestaltens mit Holz eröffnet?

Farbe

Erstes sichtbares Gestaltungsmerkmal einer Holzart ist ihre Farbe. Von Weiß über Gelb, Rot, Grün, Braun bis zu Violett und Schwarz reicht die Palette der Tönungen. Diese spezifischen Farben entstehen während der Verkernung des Holzes bei allen Nadel- und bei den meisten Laubbäumen. In einem Alter von 20 bis 30 Jahren, wird der innere Teil des Stammes aus dem Wassertransport herausgelöst, um nur mehr zur Festigung des Baumes zu dienen. Durch die Einlagerung von Farb- und Gerbstoffen wird der Kern konserviert und kann seine tragende Aufgabe besser erfüllen. Weil unterschiedliche Bäume auch unterschiedliche Stoffe einlagern, entsteht das breite Farbspektrum des Holzes. Der Teil des Stammes, der nicht verkernt, bleibt hell und wird Splint genannt. Manche Bäume, wie etwa Buchen, bilden erst im höheren Alter einen Farbkern, weil eingelagerte Reservestoffe des Baumes durch die Reaktion mit Sauerstoff Farbe entwickeln. Noch vor wenigen Jahren, wurde das »bunte« Kernholz generell abgelehnt, inzwischen werden Verfärbungen nicht mehr als Fehler, sondern als individuelle Wuchsmerkmale grundsätzlich positiv betrachtet.

Textur

Dass manche Hölzer in allen Schnittrichtungen eine sehr feine, homogene Oberfläche besitzen, andere hingegen eine deutliche Zeichnung aufweisen oder stark »fladern«, hängt mit biologischen Details zusammen. Vor allem bei Nadelhölzern deutlich sichtbar sind die Jahrringe, die von heimischen Bäumen aufgrund der stark schwankenden klimatischen Bedingungen im jährlichen Zuwachs gebildet werden. Jeweils eine dunkle Zone (Spätholz), bestehend aus dickwandigen Zellen, die im Sommer und Herbst gebildet werden und vor allem festigkeitsbildend sind, wechselt ab mit einer hellen Zone (Frühholz) aus Zellen mit dünnen Wänden und großen Hohlräumen für den Wassertransport zu Beginn der Vegetationsperiode. Gemeinsam bilden sie einen Jahrring.

Bei manchen Laubhölzern, z.B. bei der Eiche, kann man im Stammquerschnitt mit freiem Auge feine Poren erkennen, die im Längsschnitt als Rillen sichtbar sind. Diese Zellkanäle werden explizit für den Wassertransport gebildet und verleihen dem Holz eine zarte, aber charakteristische Textur, die als »nadelrissig« bezeichnet wird.

Im Querschnitt auf den ersten Blick ähnlich sind die Harzkanäle mancher Nadelbäume, die zwischen den Holzzellen angelegt werden, um Ausscheidungsstoffe bzw. Stoffe zur Wundheilung abzulagern.

Man kennt aber auch Holzarten, die im Stammquerschnitt radial verlaufende Linien (Holzstrahlen) aufweisen, deren Abstände zueinander auffallend regelmäßig sind. Dabei handelt es sich um Ansammlungen von Speicherzellen, die laufend neu angelegt werden, um die gesamte Dicke des Stammes nutzen zu können. Neue Holzstrahlen werden jeweils zwischen bereits bestehende eingeschoben, wodurch ihre Abstände weitgehend konstant bleiben.

Schnittbilder

Beim Quer- oder Hirnholzschnitt sind – je nach Holzart – die Jahrringe bzw. die Holzstrahlen gut sichtbar. Bei bereits verwitterten Teilen wird der Unterschied zwischen dem härteren, dickwandigen Spätholz und dem weicheren, dünnwandigen, leicht herauslösbaren Frühholz sowohl visuell als auch haptisch besonders deutlich.

Für die gestalterische Anwendung relevanter sind die beiden anderen Schnittbilder:

Der Radial- oder Spiegelschnitt macht die Jahrringe als breite Streifen und die Holzstrahlen als große Flächen sichtbar. Ihre Zellen sind dicht und fein und können bei einem bestimmten Lichteinfall stark schimmern (spiegeln), während das übrige Holz matt bleibt.

Im Tangential- oder Fladerschnitt sieht man die Holzstrahlen als feine Striche oder Spindeln. Die Jahrringe hingegen treten durch das sich verjüngende Wuchsbild des Baumes als Kegelschnittzeichnungen oder »Flader« hervor.

Merkmale des Holzes

Die »Merkmale« des Holzes wurden früher als »Holzfehler« bezeichnet. Inzwischen gelten sie als Zeichen der Lebendigkeit und Individualität von Holz. Sie werden durch spezifische Wuchs- oder Standortbedingungen (Äste, Reaktionsholz), Verletzungen des Baums bzw. Schädlingsbefall hervorgerufen. Letzteres ist etwa Grund für »Markflecken«, die bei Baumarten wie Erle oder Birke charakteristisch sind und durch einen Befall mit der Kambiumminierfliege entstehen.

Maserbilder, also unregelmäßige, starke Zeichnungen des Holzes entstehen, wenn sich am Stamm oder im Übergangsbereich zwischen Wurzelstock und Stamm immer wieder neue Triebe und Knospen bilden, die dann abgebrochen oder gefressen und vom Baum umbaut werden. Diese Bilder sind in allen Schnitten sichtbar. Dasselbe gilt für Wurzelmaserholz, das eine andere Zellstruktur als das Holz des Stammes aufweist und einen sehr dichten, wirren Faserverlauf hat, was zu dem bekannten Holzbild führt.

 

 

 

 

Querschnitt (Hirnholzschnitt)Querschnitt (Hirnholzschnitt)

 

Radialschnitt (Spiegelschnitt)Radialschnitt (Spiegelschnitt)

 

Tangentialschnitt (Fladerschnitt)Tangentialschnitt (Fladerschnitt)

 

Foto
© Arno Gisinger

Text

Eva Guttmann
2004 – 09 Chefredakteurin der Zeitschrift Zuschnitt, 2010 – 13 Geschäftsführerin des HDA, Haus der Architektur in Graz. Freischaffende Autorin, Herausgeberin, Redakteurin und Verlagsrepräsentantin für Park Books Zürich; lebt und arbeitet in Graz und Wien.
www.park-books.com