Inhalt

"Das Ding" - ausdrücklich nachhaltig

Eva Guttmann
Erschienen in
Zuschnitt 24: vorläufig nachhaltig
Dezember 2006, Seite 31

Die Funktion des kleinen, flachen, rechteckigen, in der Mitte geschlitzten Holzstücks erschließt sich nicht beim ersten Hinschauen. Könnte es ein Kinderspielzeug sein oder ein Schnuraufwickler, ein Geschenksanhänger oder eine besonders schlichte Haarspange? Alles falsch, das Ding kann mehr: Es kann Beziehungen retten, die daran zu scheitern drohen, dass er oder sie oder er oder er oder sie oder sie (oder in besonders schweren Fällen er und sie oder er und er oder sie und sie) die Zahnpastatube nicht ordnungsgemäß ausquetschen – man kennt solche Geschichten. Leider hat das Ding keinen anständigen Namen: Tubenausquetscher, -drücker, -presser, -entleerer? Das Internet bietet »Tubenboy« an, und das klingt nun endgültig abwegig. Wie auch immer, ein intelligentes Produkt ist »das Ding« allemal: billig erstanden auf einem finnischen Marktplatz, aus dort heimischem Birkenholz gefertigt, äußerst einfach und in großen Mengen herstellbar, sorgt es dafür, dass der Inhalt jeglicher Tuben ordentlich und nachhaltig bis zum letzten Rest nach außen dringt. »Das Ding« ist also nicht nur per se gut, sondern tut auch noch Gutes, indem es zu Sparsamkeit, Ordnung und Harmonie anhält. Und wem das zu wenig ist, dem sei die Vielfachnutzung ans Herz gelegt: als Kinderspielzeug, Schnuraufwickler, Geschenksanhänger oder besonders schlichte Haarspange.

Text

Eva Guttmann
2004 – 09 Chefredakteurin der Zeitschrift Zuschnitt, 2010 – 13 Geschäftsführerin des HDA, Haus der Architektur in Graz. Freischaffende Autorin, Herausgeberin, Redakteurin und Verlagsrepräsentantin für Park Books Zürich; lebt und arbeitet in Graz und Wien.
www.park-books.com

Dieser Artikel ist abgelegt in: