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Editorial

Eva Guttmann
Erschienen in
Zuschnitt 26: Handwerk
Juni 2007, Seite 3

Dass Holz und Handwerk etwas miteinander zu tun haben, ja eng verbunden sind, ist evident. Jeder erinnert sich daran, ein Stück Holz, einen Stecken mit dem Messer bearbeitet oder etwas zusammengenagelt zu haben. Im Kopf hat man Bilder von Handwerkern, Meistern, die es verstehen zu schnitzen, zu drechseln, zu tischlern, zu bauen, ob kleine Objekte, Musikinstrumente, Möbel oder ganze Häuser. Trotzdem: den Begriff des Handwerks in seinen kulturellen, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Dimensionen zu erfassen und zu definieren, ist nicht leicht und man ist verleitet, Klischees, Vorurteile, auch nostalgisch Verklärtes zu assoziieren. Denn es stimmt: Wer von Handwerk spricht, der spricht von tradiertem Wissen, von meist kleinen, regionalen Betrieben, von Rahmenbedingungen, die mit der Einheit von Kapital und Produktion zu tun haben, mit der Unmittelbarkeit von Auftrag und Lieferung. Wer von Handwerk spricht, der spricht aber auch von Gegenwart und Zukunft, von einer zeitgemäßen Unternehmensform, die ganz wesentlich beteiligt ist an aktueller Baukultur.

Wir wollen ein modernes Bild vom Handwerk zeichnen – nicht als Gegenentwurf zur industriellen Produktion, sondern als eigenständiges, zukunftsgerichtetes Wirtschaften. Handwerk ist mit der industriellen Revolution nicht ausgestorben, es hat sich weiterentwickelt. Es gibt Modelle und Konzepte, mit den veränderten Markt- und Produktionsbedingungen umzugehen. Die Frage nach der Zukunft des Handwerks hat uns interessiert. Die Vielfalt an Strategien, die Aspekte der Technologie, der Vermarktung, der Ausbildung; auch sein Stellenwert im postindustriellen Zeitalter, wo im Zusammenhang mit dem Begriff der Nachhaltigkeit die Merkmale des Handwerks zusehends an Bedeutung gewinnen.

Ein Handwerks-Experiment ist die Bebilderung dieses Heftes. Der Fotograf Nikolaus Walter hat sich dem Thema auf seine Weise genähert, die Umgebung erkundet, dem Handwerk nachgespürt. Nikolaus Walter erzählt also seine eigene Geschichte und bereichert den Zuschnitt damit auf einer Ebene, die in diesem Fall vielleicht noch mehr kann als die Summe der einzelnen Texte: ein Gespür vermitteln für das vielfältige Wesen modernen Handwerks.