Matthias Sindelar (1903–39) war Österreichs
legendärster Fußballspieler, in ihm verkörperte
sich das »Wunderteam«. Der Papierene – so wurde
er seiner fast körperlosen Spielweise wegen
genannt – überzeugte auch feinsinnige Ästheten
davon, dass Fußball eine künstlerische Ausdrucksweise sein kann.
Literatur
Im Inneren der Haut –
Matthias Sindelar und sein papierenes Fußballerleben
Wolfgang Weisgram
Egoth, Wien 2006
400 Seiten, illustriert, Hardcover
ISBN 3-902480-21-7, € 24,90
Er war ein Kind aus Favoriten
und hieß Matthias Sindelar.
Er stand auf grünem Platz inmitten,
weil er ein Mittelstürmer war.
Er spielte Fußball, und er wußte
vom Leben außerdem nicht viel.
Er lebte, weil er leben mußte
vom Fußballspiel fürs Fußballspiel.
Er spielte Fußball wie kein zweiter,
er stak voll Witz und Phantasie.
Er spielte lässig, leicht und heiter,
er spielte stets, er kämpfte nie.
Er warf den blonden Schopf zur Seite,
ließ seinen Herrgott gütig sein,
und stürmte durch die grüne Weite
und manchmal bis ins Tor hinein.
Es jubelte die Hohe Warte,
der Prater und das Stadion,
wenn er den Gegner lächelnd narrte
und zog ihm flinken Laufs davon.
Bis eines Tages ein andrer Gegner
ihm jählings in die Quere trat,
ein fremd und furchtbar überlegener,
vor dem’s nicht Regel gab noch Rat.
Von einem einzigen harten Tritte
fand sich der Spieler Sindelar
verstoßen aus des Planes Mitte
weil das die neue Ordnung war.
Ein Weilchen stand er noch daneben,
bevor er abging und nachhaus.
Im Fußballspiel, ganz wie im Leben,
war’s mit der Wiener Schule aus.
Er war gewohnt zu kombinieren,
und kombinierte manchen Tag.
Sein Überblick ließ ihn erspüren,
daß seine Chance im Gashahn lag.
Das Tor, durch das er dann geschritten,
lag stumm und dunkel ganz und gar.
Er war ein Kind aus Favoriten
und hieß Matthias Sindelar.
Friedrich Torberg
Anmerkung: Mit dem Papier für eine Zuschnitt-Ausgabe
könnten zwei Fußballfelder flächendeckend ausgelegt werden.
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