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Eva Guttmann
Erschienen in
Zuschnitt 31: Massiv über Kreuz
September 2008, Seite 26

am inn

»... ich will an den Inn …« Plattform über der Ufermauer

Zwei ebenso einfache wie wirkungsvolle Holz-Projekte sind heuer in Innsbruck und Wien entstanden.

Das erste ist die Plattform »... ich will an den Inn …«, die anlässlich der Architekturtage 2008 vom aut. architektur und tirol in Auftrag gegeben wurde. Idee war es, einen temporären Treffpunkt zu schaffen und zugleich das Verhältnis Stadt zu Fluss zu thematisieren, das, wie in vielen anderen Städten auch, zumindest als ambivalent zu beschreiben ist. Aus rohen Kanthölzern wurde eine begehbare Skulptur geschaffen, die an einen zahmen Drachen erinnert, der sich im Waltherpark, genau an der Ufermauer zum Inn niedergelassen hat. Bei Tag lässt er seine Flügel ins Wasser baumeln, bei Nacht leuchtet er sanft vor sich hin. Und obwohl entsprechend seiner Natur schweigsam, ist er doch ein großes Kommunikationstalent. Denn bereits in der Konzeption durch die Architekturgruppe columbosnext ging es darum, nicht nur Stadt und Fluss miteinander in Beziehung zu setzen, sondern auch verschiedenste Personen und Institutionen in den Planungs- und Umsetzungsprozess mit einzubinden. Entstanden ist ein lebendiger Ort, der sowohl als Treffpunkt für Anrainer und Passanten als auch als Platz für soziale und künstlerische Interventionen dient. Sein Charakter ist informell, seine Präsenz kräftig, aber unaufdringlich. Und auch wenn es Bemühungen gibt, die Plattform länger als ursprünglich geplant bestehen zu lassen, so trägt der temporäre Aspekt dennoch dazu bei, ihr Vorhandensein als Geschenk auf Zeit zu würdigen und zu genießen.

Standort

Waltherpark
A-6020 Innsbruck

Planung

columbosnext
Innsbruck/A
www.columbosnext.com

Statik

Christian Aste
Innsbruck/A
www.aste.at

Holzbau

Selbstbau

Fertigstellung

2008

Foto
© Hanno Markowitz

Pavillons im ehemaligen Semperdepot

Pavillons im ehemaligen Semperdepot


Beim zweiten Projekt handelt es sich um Pavillons im ehemaligen, denkmalgeschützten Semperdepot in Wien, das seit 1995 von der Akademie der bildenden Künste als Atelierhaus genutzt wird. Hier waren im Lauf der Zeit improvisierte Bereiche für die verschiedenen Nutzungen entstanden, bis schließlich Studiogruber mit dem Entwurf dreier Lehreinheiten sowie je einer Computer- und Fotolaboreinheit beauftragt wurde. Die Architekten entwickelten ein frei stehendes, den Bestand nicht veränderndes System CNC-gefräster Dreischichtplatten, deren Materialität und Vertikalität sowohl am vorhandenen Holzdielenboden als auch an den zahlreichen Stahlstützen anknüpfen und das dennoch formale Eigenständigkeit aufweist. Die einzelnen Einbauten sind körperhafte Objekte, die durch ihre Positionierung zueinander und die Integrierung von Bänken, Ablagen und Fächern in die Außenseite der Hülle mit dem Umraum korrespondieren. Betritt man jedoch einen Pavillon, so kehrt man ein in eine in sich geschlossene, funktionale Blase, in der die Außenwelt ausgeblendet ist. Lediglich an den Stirnseiten gibt es jeweils ein Fenster, das mit Hilfe einer Projektionswand verdunkelt werden kann.

Standort

Lehargasse 6–8
A-1060 Wien

Planung

Stefan Gruber und Andrei Gheorghe, Wien/A
studiogruber@gmail.com
andrei@id-design.cc

Statik

Zemler & Raunich und
Karlheinz Wagner, Wien/A
www.karlheinzwagner.at

Holzbau

Firma Holzer, Wien/A

Fertigstellung

2008

Fotos
© Markus Krottendorfer