Inhalt

Sitzen machen

Michael Hausenblas
Erschienen in
Zuschnitt 31: Massiv über Kreuz
September 2008, Seite 26

Nix da mit »Sitz gerade!«. Schon der Name des Designertrios »Gopingpong« dürfte klarmachen, dass die drei es mit den Konventionen nicht so haben, und das zeigt ihre äußerst erfrischende Möbelkollektion. Der Franzose Laurent Farioli, die Schwedin Charlott Karlsson und der Däne Thomas Frederiksen studierten gemeinsam an der Danish Design School in Kopenhagen und gründeten vor sechs Jahren ihre »kollaborative Partnerschaft«, die »Geschmack der Vergangenheit zuordnet« und »Kreativität als Gewinner in der Zukunft« nennt. Beweise liegen vor: in Form von »Pim Pom«, das als Pferd, Vogel, Fabelwesen und vor allem als Kindermöbel herhält, in Form ihres flaschenförmigen Regals »Miss Tilde« (lackiertes MDF), das sich drehen und kippen lässt, oder in Form ihrer besonders gelungenen Stuhl-Bank-Kombination »Adversus« (Eiche mit Filzbezug). Auf dieser kann man, wie es die gute Erziehung gebietet, gerade und gut sitzen, die Beine auf die Bank ziehen und irgendwie zum Sitzknäuel werden oder gleich den alten Römern wie am Triklinium lümmeln und den Blick von seinem Gegenüber abwenden. »Adversus« ist weder Sessel noch Bank, noch Liege. Es ist alles in einem. Man sieht, die »Gopingpongs« pfeifen auf die alte dänische Gestalterschule, indem sie nicht nur die Form, sondern auch die Funktion hinterfragen, ohne diese aber auf Kosten des Hinschaueffekts zu kurz kommen zu lassen. Wer glaubt, das sei jetzt so sensationell Neues nicht, der sollte einen Blick auf die Möbelstücke riskieren, die sich überziehen lassen. Ganz zu schweigen von den aufblasbaren Capes, auf denen es sich einwandfrei herumlungern lässt.

www.gopingpong.dk

Text

Michael Hausenblas
Mitarbeiter der Tageszeitung Der Standard

Dieser Artikel ist abgelegt in: