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Bauen und Beten

Eva Guttmann
Erschienen in
Zuschnitt 34: Schichtwechsel
Juni 2009, Seite 26
Foto: © Oleg Semenenko

Im Nordwesten Russlands, nicht weit von der Grenze zu Finnland, liegt der Onegasee. Auf einer seiner über 1.600 Inseln befindet sich ein Denkmal russischer Holzbaukunst: das Kirchenensemble von Kishi Pogost, das im 18. und 19. Jh. erbaut wurde und von der 35 Meter hohen Verklärungskirche (1714) mit 22 schindelverkleideten, zwiebelförmigen Holzkuppeln dominiert wird. Daneben gibt es die heizbare »Winterkirche« Maria Schutz (1764) und einen achteckigen Glockenturm (1862). Die ganze Anlage ist Teil eines Freilichtmuseums und steht seit 1990 auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO. Im Lauf der Zeit wurden sechs Mal Renovierungen durchgeführt, unter anderem wurde das Innere der Verklärungskirche mit einem Stahlgerüst versehen, das die Konstruktion bis heute stützt. Seit 1999 wird die Anlage erneut saniert. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Wiederherstellung einer sicheren Bausubstanz durch den Austausch morscher Balken, was dank der vorhandenen Holzkonstruktion möglich ist, ohne die Gebäude gleich ganz zerlegen zu müssen. Daneben werden Abdichtungsarbeiten durchgeführt, die Espenholzschindeln der Kuppeln ersetzt sowie die Innenausstattung wiederhergestellt und die vorhandenen Kunstschätze restauriert. Wie lange die Renovierung noch dauern wird, ist ungewiss – sicher ist wohl, dass für den Erhalt von Kishi Pogost nicht nur gebaut, sondern auch gebetet wird. 

Text

Eva Guttmann
2004 – 09 Chefredakteurin der Zeitschrift Zuschnitt, 2010 – 13 Geschäftsführerin des HDA, Haus der Architektur in Graz. Freischaffende Autorin, Herausgeberin, Redakteurin und Verlagsrepräsentantin für Park Books Zürich; lebt und arbeitet in Graz und Wien.
www.park-books.com

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