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Richard Woods

Stefan Tasch
Erschienen in
Zuschnitt 34: Schichtwechsel
Juni 2009, Seite 28

Foto: © Richard Woods/Kenny Schachter ROVE

Foto: © Richard Woods/Kenny Schachter ROVE

Der britische Künstler Richard Woods zeigt mit seinem ironischen Konzept und dessen radikaler Ausfertigung, wie man bereits Vorhandenes verschönern, neu interpretieren und veredeln kann.

Er paraphrasiert dabei die Do-it-yourself-Bewegung (d.i.y.), die in den 1950er Jahren in England entstanden ist und von dort aus den Rest der Welt erobert hat, indem er deren Strategien aufgreift und in überhöhter Form wiedergibt. In seinen Arbeiten verschieben sich die Grenzen zwischen Architektur, Skulptur und Grafik-Design zu einem ganzheitlichen Kunstkonzept.

Bekannt wurde Woods durch seine comicartigen, entweder im Fischgrätmuster oder als Schiffboden verlegten Holzböden, die durch ihre vergrößerte Maserung und ihre bunte Ausführung Pop-Art-Charakter besitzen. Das Grundmaterial sind meist handelsübliche MDF-Platten, auf welche Woods die handgezeichneten Holzmaserungen überträgt. Anschließend werden, wie bei einem Holzschnitt, die nicht druckenden Teile weggeschnitten. Der daraus entstandene Druckstock wird in weiterer Folge eingefärbt und schließlich auf Wände und Böden gepresst.

Richard Woods verbrachte seine Kindheit in einem Vorort von Chester, im Nordwesten Englands. Diese mittelalterliche Stadt, die architektonisch vor allem durch den Tudorstil des 16. Jahrhunderts geprägt ist und deren Altstadt mit ihren Fachwerkbauten Berühmtheit erlangt hat, war prägend für die künstlerische Entwicklung von Woods. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden aufgrund des Wohnungsmangels moderne Vorstädte geschaffen, deren Häuser und Besitzer den Tudorstil im d.i.y.-Verfahren nachahmten. Die dabei unfreiwillig entstandenen architektonischen Fauxpas sind Teil von Woods’ Formenvokabular. Auch die Arbeiten des aus Glasgow stammenden Künstlers Jim Lambie, der durch den Einsatz von farbigen Klebebändern, die er am Boden anbringt, auf die architektonischen Gegebenheiten eines Ausstellungsraumes reagiert, oder Patrick Caulfields lineare Pop-Art-Welten inspirierten ihn zu Arbeiten und Interventionen, in denen das Künstliche und das natürlich Gewachsene aufeinanderprallen.

Für eine Ausstellung in der Galerie Deitch Projects in New York im Jahr 2002 verwandelte Woods die schlichte Außenfassade der Galerie in ein »tudoreskes« Formenspektakel inklusive Fachwerk. Im Inneren wurden die Wände mit floralen Mustern und Vogelmotiven ausgekleidet und der Boden mit blauem Fischgrätmuster ausgelegt. Dazwischen standen in billigen Trögen Woods’ Brunnenfiguren, die über Plastikschläuche Wasser spien. Woods interessiert sich vor allem für die Diskrepanz zwischen der Welt, wie wir sie uns wünschen und erträumen, und der existierenden Realität. 2004 trug er den Innenraum nach außen und projizierte seine Holzböden vor ein Galeriegebäude in London. Mit dem Titel »Countrystyle« trägt der Künstler den Wünschen jener Rechnung, die sich eine bessere und vielleicht unschuldigere Welt erträumen, auch wenn sie sich diese im d.i.y.-Verfahren erbauen müssen.

www.richardwoodsstudio.com

Richard Woods

geboren 1966 in Chester, UK

  • The Slade School of Fine Art, MA
  • Winchester School of Art, ba (Hons) lebt und arbeitet in London

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 2009 The Nature Show, Perry Rubenstein Gallery, New York
  • 2008 Flora & Fauna, Milton Keynes Gallery, Milton Keynes
  • 2007 Daisy House, Private Collection, New York
  • 2006 Printing and Cutting and Other Stories, Galleria S.A.L.E.S., Rom
  • 2005 New Build, New College, University of Oxford, Oxford
  • 2004 Countrystyle, Kenny Schachter ROVE, London
  • 2003 Super Tudor, Private Collection, Woodstock
  • 2002 Super Tudor, Deitch Projects, New York

Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 2009 Turner Contemporary Project Space, Margate
  • 2008 Liverpool Biennial, Liverpool
  • 2007 Architecture Week 2007, P3, The University of Westminster, London
  • 2005 UK Pavilion, Japan Association for the 2005 World Exposition, Aichi
  • 2003 50th International Art Exhibition Venice Biennale/Biennale di Venezia, Venedig
  • 2002 The Galleries Show, Royal Academy of Arts, London

Text

Stefan Tasch
Studium der Kunstgeschichte in Wien und Edinburgh, Arbeit in verschiedenen Museen und Galerien 

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