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Sanieren im großen Maßstab
Vier Bauträger antworten

Einen wesentlichen Teil des aktuellen Sanierungsaufkommens haben gemeinnützige Bauträger im Rahmen geförderter Wohnbauten zu bewältigen. Für sie stehen wirtschaftliche Überlegungen und die große Zahl der zu modernisierenden Wohnanlagen im Vordergrund.

GIWOG NEUE HEIMAT TIROL SOZIALBAU AG VOGEWOSI
Bmst. Ing. Alfred Willensdorfer, Prokurist und Leiter des technischen Bereichs der GIWOG  / Gemeinnützige Industrie-Wohnungs-AG, Leonding/OÖ
Wohnungsbestand ca. 10.000, www.giwog.at
Prof. Dr. Klaus Lugger, Geschäftsführer NEUE HEIMAT TIROL
Gemeinnützige Wohnungs- u. Siedlungsgesellschaft
GmbH/Innsbruck
Wohnungsbestand ca. 15.500, www.nht.at
Bmst. Ing. Wilhelm Zechner, Vorstand der SOZIALBAU AG
Sozialbau gemeinnützige Wohnungsaktiengesellschaft / Wien
Wohnungsbestand ca. 47.000, www.sozialbau.at
Heinz Broger, techn. Hausverwaltung – Großinstandsetzung, VOGEWOSI, Vorarlberger gemeinnützige Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft mbH, Dornbirn
Wohnungsbestand ca. 15.500, www.vogewosi.at
Welche Rolle spielen energetische (Außen-)Sanierungen derzeit in Ihrem Unternehmen bzw. am gemeinnützigen Sektor ?
Fast alle unsere Wohnbauten wurden bereits saniert und befinden sich damit am aktuellen Stand der Technik. Wir haben seit vielen Jahren ein Instandhaltungsvolumen von insgesamt 20 Mio. Euro jährlich. In diesem Zusammenhang werden jährlich für 300 bis 600 Wohnungen Wärmedämmmaßnahmen (Fenster, Fassaden, Deckenisolierungen usw.) vorgenommen. 2008 hat die Sozialbaugruppe 29 Mio. Euro mit Sanierungen umgesetzt, das ist damit ein bedeutender Arbeitsbereich. Österreichweit setzten alle gemeinnützigen Bauträger 540 Mio. Euro im Sanierungsbereich um. Energetische Sanierungen werden von uns seit 25 Jahren durchgeführt und spielen eine große Rolle. Die Finanzierung erfolgt unter Inanspruchnahme öffentlicher Mittel und der angesparten Eigenmittel der entsprechenden Anlage.
Wie schätzen Sie die Entwicklung des zu erwartenden Sanierungsaufkommens ein?
Es wird natürlich Thema bleiben, aber aus unserer Sicht nicht mehr steigen. Das hohe Sanierungsaufkommen wird im Umfang voraussichtlich gleich bleiben – auch deshalb, weil unsere Ausgaben unmittelbar mit den Miethöhen zusammenhängen und diese in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht stark angehoben werden können und sollen. Das Sanierungsaufkommen wird aus unserer Sicht nicht mehr allzu sehr steigen. Jetzt kommen die kleineren Projekte, die großen Anlagen sind bereits fast alle saniert. Das Sanierungsaufkommen wird sich aus meiner Sicht in den nächsten Jahren stark erhöhen.
Sanieren Sie bis zum Passivhausstandard – ja / nein / warum?
Seit 15 Jahren statten wir unsere Häuser mit Solaranlagen aus, seit sechs Jahren mit kontrollierter Einzellüftung. Wir sanieren auf Niedrigenergie- und dort, wo es sinnvoll ist, auf Passivhausstandard, da wir möglichst niedrige Betriebskosten erreichen möchten und auch der ökologische Aspekt eine Rolle spielt. Die Sanierung bis zum Passivhausstandard ist bei unseren Häusern, die 120 bis 220 kWh/ m2 pro Jahr verbrauchen, für die Bewohner kostenmäßig nicht vertretbar. Wir wollen aber den beheizten Wohnbestand (alle Bauten ab ca. 1960) bis 2010 auf effektiv 50 kWh/ m2 pro Jahr sanieren. Wir sanieren bis zum Niedrigenergiestandard. Das Erreichen des Passivhausstandards ist gemeinsam mit den weiteren Maßnahmen zur Erhöhung der Wohnqualität, die wir im Zuge einer Sanierung treffen (Errichtung von Balkonen, Lifteinbauten etc.), wirtschaftlich nahezu unmöglich. Wenn die baulichen und finanziellen Voraussetzungen gegeben sind, sanieren wir auf Passivhausstandard, weil sowohl die Energiekosten als auch der Bedarf der Bewohner an leistbaren Mieten und erhöhtem Wohnkomfort steigen wird, die fossilen Brennstoffe begrenzt verfügbar und die Kioto-Ziele nur durch konkrete Maßnahmen zu erreichen sind.
Sind Fassadensysteme aus ökologischen / nachhaltigen Materialien für Sie eine Alternative zum Wärmedämmverbundsystem?
Wir arbeiten seit zwölf Jahren mit der Firma gap solution zusammen, deren System für uns – auch in Bezug auf die Lebensdauer – eine echte Alternative zum Wärmedämmverbundsystem darstellt. Sehr wohl können wir uns als Alternative ökologische, nachhaltige Materialien vorstellen, wobei dies immer im Kontext mit den Kosten zu sehen ist. Wir sanieren unsere Gebäude Schritt für Schritt, damit sich die Bewohner das auch leisten können; hier ist die Wohnbauförderung ein wichtiges Instrument zur Unterstützung. Aus Kostengründen sanieren wir mit herkömmlichen Wärmedämmverbundsystemen, oft auch mit Steinwolle.

Sollten solche geprüfte Systeme am Markt sein, werden wir auf alle Fälle ihre Machbarkeit untersuchen.

Würden Sie alternative Systeme verstärkt verwenden, wenn diese stärker gefördert würden?
Aus wirtschaftlichen Gründen ist auch für uns der Einsatz alternativer Systeme derzeit nur mit Hilfe von Förderungen wie z. B. über das „Haus der Zukunft“ möglich. Das ist nur in Verbindung mit dem jeweiligen Bautyp zu entscheiden. Wenn es bewährte Systeme gibt und die Kosten vergleichbar sind bzw. sich schnell amortisieren, spricht nichts gegen den Einsatz von ökologischen, nachhaltigen Materialien zur thermischen Sanierung. Dazu müsste es aber Langzeiterfahrungen geben und es wäre Aufgabe der Industrie und der öffentlichen Hand, Pilotprojekte in überschaubarer Größe zu initiieren. Erste Voraussetzung für die Verwendung von Baustoffen ist die Förderwürdigkeit. Ist diese gegeben, ist es vor allem eine Frage der Finanzierung.
Spielt die langfristige Entsorgung der jetzt angewendeten Systeme in den aktuellen Überlegungen eine Rolle?
Die Entsorgung spielt durchaus eine Rolle – sowohl in Hinblick auf die Kosten, die bei höherer Lebensdauer des Systems entsprechend sinken, als auch auf ökologische Überlegungen hinsichtlich Recycling und Wiederverwertung. Nein, weil Mineralwolle und Styropor vollständig recycelbar sind. Die Entsorgung von Wärmedämmverbundsystemen funktioniert unproblematisch, die getrennten Materialien (Wärmedämmung vom Putzsystem) können recycelt werden.

Bis dato noch nicht, es wird aber sicherlich in den nächsten Jahren bei Materialentscheidungen ein Kriterium sein.

(Zeitschrift Zuschnitt 34, 2009; Seite 20f.)
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