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Sanieren mit System

Eva Guttmann
Erschienen in
Zuschnitt 34: Schichtwechsel
Juni 2009, Seite 24f.

Holz eignet sich in hohem Maß für den Einsatz in Fassadensystemen, die entweder für die (thermische) Gebäudesanierung oder für Neubauten entwickelt werden. Das leichte Gewicht, die Möglichkeit der präzisen Vorfertigung sowie die bauphysikalischen Eigenschaften, aber auch die Vorteile aus ökologischer Sicht – nachwachsende Rohstoffe, CO2-Speicher, einfaches Recycling und problemlose Entsorgung – legen den Einsatz von Holz in vorgefertigten Fassadenelementen nahe. Die hier vorgestellten Produkte sind Beispiele für energetisch hoch effiziente Lösungen, die in verschiedensten Zusammenhängen zur Anwendung kommen und – neben der energetischen Komponente – unterschiedliche „Leistungen“ erbringen können. Allen gemeinsam sind kurze Bauzeiten bei laufendem Betrieb sowie das Erreichen hoher Dämmwerte trotz geringer Wandstärken.

Text

Eva Guttmann
2004 bis 2009 leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt, Architekturpublizistin 
GAP

gap solution

 

 Kernelement des schlanken Fassadensystems, das sich für Neubauten und energetische Sanierungen (egal ob in Leicht- oder Massivbauweise) eignet, ist eine spezielle Zellulosewabe, die umlaufend in ein Holzrahmensystem integriert ist und das Sonnenlicht in Wärme umwandelt. Eine hinterlüftete Verglasung schützt die Waben vor Witterung und mechanischen Beschädigungen. 

 

 Die tief stehende Wintersonne dringt in die Solarwabe ein. An der Außenseite der Wand bildet sich eine warme Zone – das Gebäude wird sozusagen in eine warme Klimazone versetzt, der Temperaturunterschied zwischen Wohnraum und Außenklima ausgeglichen. Im Sommer verschattet die Struktur der Solarwaben durch den hohen Sonnenstand, die Hinterlüftung verhindert eine Überhitzung, auf Abschattungsmaßnahmen kann verzichtet werden. Die Waben können in jedem Farbton lackiert werden, darunter befindet sich eine brandhemmende Schutzschicht.

 

Für die Entwickler stehen neben höchster Energieeffizienz der Einsatz von ökologisch unbedenklichen Komponenten und nachwachsenden Rohstoffen sowie minimale Instandhaltungskosten, leichte Austausch- und Recycelbarkeit und komfortable Innenwand-Temperaturen im Vordergrund. 

 

 Die gap-solution-Fassade wird vorgefertigt und verglast auf die Baustelle geliefert, wobei der Vorfertigungsgrad je nach Anforderung bis hin zum fertig eingebauten Fenster reichen kann. Eine variable Ausgleichsdämmung gleicht Unebenheiten aus, verhindert die Luftzirkulation und dient als Wärmepuffer. Die maximale Elementhöhe beträgt 3,2 Meter, die Länge 12 bis 14 Meter.

 

 Die Fassaden sind witterungsfest und wartungsfrei, ihr Einsatzbereich geht aufgrund der herrschenden Brandschutzbestimmungen bis zur Hochhausgrenze.

 

 www.gap-solution.at

Lucido® Solarfassade

Lucido® Solarfassade

 

 Lucido® ist ein Gebäudemantel, der Sonnenenergie aufnimmt. 

 

 Er absorbiert das auftreffende Sonnenlicht und speichert die Wärme über Stunden in der Fassade, was Heizkosten spart. Herzstück des Systems ist ein 40 mm dicker, mit Lamellen versehener Massivholzabsorber aus zertifiziertem Tannen- oder Lärchenholz. Er hat eine Höhe von 118 mm und ist in Längen von 5 und 6 Metern erhältlich. Zusammen mit einer hinterlüfteten Außenverkleidung aus Solarglas (max. 2 mal 3 m) bildet er das Grundelement der Solarfassade. Dahinter steht eine frei wählbare Tragstruktur mit konventioneller Dämmung (120 bis 160 mm). 

 

 Durch die Stellung der Lamellen dringen die Strahlen der tief stehenden Wintersonne durch das Solarglas in das Element ein und werden in Wärme umgewandelt. Genauso langsam, wie der Holzabsorber die Wärme aufnimmt, gibt er sie auch wieder ab. Während einer Zeitspanne von vier bis zwölf Stunden ist dieser Puffer wirksam und senkt dementsprechend die Transmissionswärmeverluste der Wand. Im Sommer kommt es durch die hoch stehende Sonne zu einer gegenseitigen Verschattung der horizontalen Holzlamellen, was eine Überhitzung der Wand verhindert.

 

 Eine beliebige, gedämmte Wand in Leicht- oder Massivbauweise übernimmt die statische Funktion. Zusammen mit der Glashalterung wird der Lucido®-Absorber von außen angeschraubt, dann wird das Solarglas montiert. Der Luftspalt zwischen Holzabsorber und Glas sorgt für die notwendige Hinterlüftung. Die Solarfassade ist also eine dampfdiffusionsoffene Konstruktion. 

 

 Trotz der moderaten Dämmstärken wird eine Energiebilanz erreicht, die sich mit hoch wärmegedämmten Fassaden vergleichen lässt. Durch die schlanken Wandstärken wird der Materialverbrauch minimiert und die Wohnfläche maximiert. Die Konstruktion lässt sich vollständig demontieren, was das Auswechseln einzelner Elemente sowie den Rückbau einfach macht.

 

 www.lucido-solar.com

Aktive Gebäudehülle

Aktive Gebäudehülle

 

 Die „aktive Gebäudehülle“ ist ein System zur Dämmung der Außenwand, Integration einer mechanischen Raumlüftung in die Fassade und Nutzung von Solarenergie zur Erwärmung des Innenraums. Durch die Verwendung ökologischer Baustoffe bei der Produktion der Vorsatzschale und durch den günstigen Gebäudebetrieb wird Primärenergie eingespart, was neben dem Wohnkomfort einer der wesentlichen Vorteile der aktiven Gebäudehülle ist.

 

 Physikalisch betrachtet wird das Prinzip der Porenlüftung angewendet: Das System besteht aus komplett vorgefertigten Fassadenelementen mit Rahmenteilen aus Vollholz und Flächen aus Holzwerkstoff-Platten, die mit einer Dämmung aus Hobelspänen ausgefacht sind. Jedes Fassadenelement verfügt über ein Zuluftgerät. Die Dämmung wird von außen nach innen mit Luft durchströmt und wirkt dabei wie ein Wärmetauscher. Sie nimmt zum einen die Wärme aus der von der Sonne aufgeheizten Luft auf und speichert diese ebenso wie die dahinterliegende Massivwand. 

 

Wenn die Sonne nicht mehr scheint, verhindert das durchströmte Dämmpaket die Wärmeverluste aus dem Dämmpaket selbst sowie aus der Hülle, indem es gespeicherte Wärme und Transmissionswärme an die angesaugte Luft abgibt und damit zurückgewinnt. (Auf diese Weise wird die Dämmung aus Hobelspänen dämmtechnisch optimiert.) Die Luft, die in die Räume dahinter gelangt, wird direkt angesaugt und über den Wärmetauscher im Lüftungsgerät temperiert. Die Elemente können eine Größe von bis zu 12 mal 3,5 Metern haben und werden mit dem Kran an der bestehenden Wand montiert. So ist die Sanierung hinsichtlich Dämmung, Lüftung und Fassade inklusive der Fenster in einem Arbeitsgang zu bewerkstelligen. Das Oberflächenmaterial ist frei wählbar – neben Holzschalungen und diversen Plattenmaterialien ist auch Verputzen möglich. Das Dämmsystem kommt derzeit in ersten Anwendungen zum Einsatz.

 

 www.aktive-huelle.de

 

 

 

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