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Bauen und betenIm Nordwesten Russlands, nicht weit von der Grenze zu Finnland, liegt der Onegasee. Auf einer seiner über 1.600 Inseln befindet sich ein Denkmal russischer Holzbaukunst: das Kirchenensemble von Kishi Pogost, das im 18. und 19. Jh. erbaut wurde und von der 35 Meter hohen Verklärungskirche (1714) mit 22 schindelverkleideten, zwiebelförmigen Holzkuppeln dominiert wird. Daneben gibt es die heizbare „Winterkirche“ Maria Schutz (1764) und einen achteckigen Glockenturm (1862). Die ganze Anlage ist Teil eines Freilichtmuseums und steht seit 1990 auf der Weltkulturerbe-Liste der unesco. Im Lauf der Zeit wurden sechs Mal Renovierungen durchgeführt, unter anderem wurde das Innere der Verklärungskirche mit einem Stahlgerüst versehen, das die Konstruktion bis heute stützt. Seit 1999 wird die Anlage erneut saniert. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Wiederherstellung einer sicheren Bausubstanz durch den Austausch morscher Balken, was dank der vorhandenen Holzkonstruktion möglich ist, ohne die Gebäude gleich ganz zerlegen zu müssen. Daneben werden Abdichtungsarbeiten durchgeführt, die Espenholzschindeln der Kuppeln ersetzt sowie die Innenausstattung wiederhergestellt und die vorhandenen Kunstschätze restauriert. Wie lange die Renovierung noch dauern wird, ist ungewiss – sicher ist wohl, dass für den Erhalt von Kishi Pogost nicht nur gebaut, sondern auch gebetet wird. kizhi.karelia.ru
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Ein Haus im HausEin Projekt bei Stuttgart zeigt, dass die Leichtigkeit und die Vorfabrizierbarkeit des Holzes von großem Vorteil und manchmal sogar die einzige Lösung sind. Architektur kann man überall finden, auch in einem Schweinestall. Manchmal muss man aber etwas nachhelfen, um sie sichtbar zu machen. Indem etwas verändert und ergänzt wird, entsteht aus einem Saustall ein Schaustall. Das „historische“ Gebäude liegt in der Nähe von Stuttgart. Seine ursprüngliche Bausubstanz geht auf das Jahr 1780 zurück und während fast zwei Jahrhunderten hat es als Stall gedient. Im Zweiten Weltkrieg wurde es größtenteils zerstört und später zum Werkzeuglager umgebaut. Ein neuer Besitzer wollte schließlich aus dem Haus einen Schauraum machen, doch der Bauzustand war zu schlecht, um einen normalen Umbau zu realisieren. Die Lösung der Architekten Martin und Stefanie Naumann ist so einfach wie genial: ein Haus im Haus. Der neue Holzkörper wurde in der Werkhalle vorgefertigt und vormontiert und danach lediglich in das bestehende Gebäude hineingestellt – ohne dass das neue Volumen die Steinwände berührt. Der gesamte Bau ist durch ein Wellblechdach geschützt. Die Fenster des neuen Holzkörpers sind sehr präzise platziert und korrespondieren mit den Öffnungen des alten Stalls, um den Blick zwischen innen und außen zu ermöglichen. Die alten Öffnungen waren rein funktionale Elemente, um das Gebäude als Stall benutzen zu können, doch dank der neuen Öffnungen des Holzbaus erscheinen sie jetzt in einem anderen Licht. Das Projekt zeigt exemplarisch das Potenzial, das in vielen alten Gebäuden schlummert: Mit den richtigen Strategien und Maßnahmen kann diese kulturelle Energie, die in den historischen Wänden gespeichert ist, wieder befreit und heutigen Bewohnern und Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Standort Am Eiswoog 1 Planung naumann.architektur Auftraggeber Landgasthof Forelle GmbH & Co KG Holzbau Timo Schultz e. K. Fertigstellung2004
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| (Zeitschrift Zuschnitt 34, 2009; Seite 26) | |||