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Zu kurz gedacht

Eine Ökobilanz der Dämmstoffe

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 34: Schichtwechsel
Juni 2009, Seite 17

In Österreich werden thermische Sanierungen hoch gefördert. Erst kürzlich wurden vom Bund erneut 100 Millionen Euro an nicht rückzahlbaren Zuschüssen bereitgestellt. 5,3 Millionen Tonnen CO2 werde man damit einsparen, heißt es von Seiten des Ministeriums. Mit welchem Dämmstoff saniert wird, bleibt dabei jedem selbst überlassen. Wichtig ist nur das Endergebnis, die Energieeffizienz des sanierten Gebäudes. Eine Wärmedämmung hat aber nicht nur durch ihre Dämmleistung Einfluss auf unsere Umwelt, sondern ebenso durch ihren Rohstoff- und Primärenergieverbrauch bei der Herstellung sowie ihre Lebensdauer und ihre Wiederverwertbarkeit. Diese Aspekte finden in der öffentlichen Diskussion jedoch kaum Erwähnung. Auch wenn immer mehr Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen oder Recycling-Materialien auf den Markt kommen – von Hanf bis hin zu Zellulose aus Altpapier oder Wiesengras –, spielen sie kaum ein Rolle: Der tatsächliche Marktanteil von alternativen Wärmedämmungen liegt in Österreich bei vier Prozent.

Mineralwollen und künstliche Schaumstoffe wie eps (Expandiertes Polystyrol) und xps (Extrudiertes Polystyrol) dagegen werden kubikmeterweise an die Fassaden montiert, in immer größeren Dicken: im Passivhausbereich sogar von bis zu 40 cm. Wenn diese das Zeitliche gesegnet haben, in voraussichtlich 30 bis 50 Jahren, wird man ebenso viele Kubikmeter Bauabfälle entsorgen oder wiederverwerten müssen. Man geht davon aus, dass man bis dahin entsprechende Verfahren entwickelt hat.

In Form von Ökobilanzen wird versucht, die Auswirkung eines Dämmstoffs auf die Umwelt darzustellen. Dabei werden Zahlen zum Primärenergieinhalt, zum Treibhaus-, Ozonzerstörungs-, Versauerungs-, Eutrophierungs- sowie Sommersmogpotenzial ermittelt. Da der Einsatz von Dämmungen jedoch generell die Energieaufwendung für den Betrieb eines Gebäudes reduziert, amortisieren sich selbst jene Dämmstoffe, deren Erzeugung viel Primärenergie verbraucht, innerhalb kurzer Zeiträume. Ökobilanzen umfassen eigentlich den gesamten Lebenszyklus. Das Thema der Entsorgung von Wärmedämmungen ist jedoch noch schwer zu fassen, da es keine vergleichbaren Zahlen gibt. Fest steht aber: „Trennbarkeit ist die zentrale Größe für die Beurteilung der Entsorgungseigenschaften von Gebäudekomponenten“ (Hildegund Mötzl, IBO). Geklemmte und lose verlegte Dämmstoffe lassen sich einfacher rückbauen als mechanisch befestigte. Mechanisch befestigte leichter als geklebte. Eine lose in einer Holzständerwand verlegte Dämmung ist ökologisch besser, da leichter zu entsorgen, als ein Wärmedämmverbundsystem.

Ökokennzahlen gängiger Dämmstoffarten

Primärenergiegehalt an nicht erneuerbaren Ressourcen (pei ne), der für die Herstellung jener Dämmstoffmenge benötigt wird, die für einen Wärmedurchlasswiderstand von 1 m2K/W benötigt wird, sowie der jeweilige Beitrag zum Treibhauseffekt (GWP 100).

Marktanteil Dämmstoffe in Österreich

Mineralwolldämmstoffe 3.065.000 m2
Schaumstoffe 2.235.000 m2
Sonstige 235.000 m2

 

Quellen: gdi Dämmstoffstatistik 2007
www.ibo.at sowie „Ökologie der Dämmstoffe“, Hildegund Mötzl, Thomas Zelger, Springer-Verlag, Wien 2000, gebundene Ausgabe, 195 Seiten, ISBN 978-3211835234, EUR 66,–