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Editorial

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 35: Innenfutter
September 2009, Seite 3

Holz in der Wohnung, Holz im Büro und Holz in der Gaststube. Dies sind schlüssige und altbewährte Paare. Im Innenausbau hat Holz eben seit je seinen festen Platz. Doch gerade bei Themen, die so selbstverständlich sind, muss man immer ein wenig genauer hinschauen, muss man unterscheiden lernen zwischen oberflächlicher und tiefgründiger Natur, zwischen sinnvoller und unsinniger Anwendung.

Es geht uns in dieser Ausgabe vom Zuschnitt also nicht darum, zu zeigen, dass man Holz im Innenraum verwenden kann, sondern warum sich Architekten und Bauherren für diesen Werkstoff entscheiden, welche Gestaltungsmöglichkeiten sich ihnen dadurch eröffnen und welcher Mehrwert entsteht. Wir haben uns auf die Suche nach Projekten gemacht, bei denen es einen »tieferen Grund« für Holz gab – egal ob pragmatischer, atmosphärischer oder gestalterischer Natur.

Schon im Erstgepräch, so erzählte uns Helmut Dietrich von Dietrich|Untertrifaller, entscheide sich, ob ein Bauherr lieber Wände mit weißer, neutraler Optik oder mit Holzoberfläche haben will. So wie Kleider Leute machen, so prägen eben auch Materialien und Oberflächen das Erscheinungsbild eines Raumes. Die Wahl der Materialien hängt vom jeweiligen Zeitgeist und der persönlichen Haltung ab. Sie spiegelt immer auch den kulturellen Background wider, wie Elke Krasny im einleitenden Essay erläutert.

Und dort, wo eine Haltung vorhanden ist, wo Holz mehr ist als eine oberflächliche Behübschung von Wänden, Böden und Decken, wo man getrost sagen kann, dass Holz »Sinn« ergibt, kommen auch die sinnlichen Qualitäten von Holz zutage: atmosphärische, haptische, olfaktorische und akustische.

Nils Holger Moormann hat durch einen Umbau seine »berge« zu einem modernen, komfortablen Lebensraum gemacht – ebenso wie die Schweizer Architekten Geneviève Bonnard und Denis Woeffray ein Ferienchalet in Crans-Montana. Beide haben für die Gestaltung Holz verwendet. Beide haben aber auch Wert darauf gelegt, dass die Räume nicht »alpenländisch jodeln«. Dem einen gelingt dies mit Einbaumöbeln aus unbehandelten Fichtenbrettern und Furniersperrholz zwischen naturbelassenen Wänden und Böden, den anderen mithilfe von matt geölter Lärche in Kombination mit spiegelnden Oberflächen und farbigen Glaswänden. Auch bei gleicher Intention bietet der Werkstoff Holz einen ungeheuren Gestaltungsspielraum.

Ein Haus umzubauen, heißt auch immer mit der Frage konfrontiert zu werden: Was passiert mit den vorhandenen Materialien? Die Projekte in diesem Zuschnitt, die zum großen Teil Um-, Aus- und Anbauten sind, zeigen, dass Holz alterungsfähig ist. Mit diesem Werkstoff lässt es sich mühelos über Generations- und Funktionswechsel hinweg weiterbauen, wie z. B. beim Umbau eines alten Gasthofes in Hittisau, über den Florian Aicher schreibt: »Nach fünf Generationen sind noch so gut wie alle Hölzer tauglich. Es kann mühelos angeknüpft werden …« Innenausbau mit Holz hat also auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun.

Die Qualität des Innenausbaus ist aber nicht nur eine Frage des Materials, sondern auch der Fertigkeit desjenigen, der es verarbeitet. Wenn man über Innenausbau mit Holz spricht, muss man auch über die Tischler sprechen. Sie sind die Mittler zwischen den Möglichkeiten des Materials und den Wünschen des Bauherrn und Architekten. In Österreich gibt es rund 6.000 Tischlereien. Nicht nur in Ballungszentren, sondern über das ganze Land verteilt, bieten sie Arbeitsplätze für rund 42.000 Beschäftigte.

Tischlerbetriebe in Österreich: ~6.000
durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter: 7 – 10
Lehrlinge in den Lehrberufen Tischlerei und Tischlereitechnik: 4.500
Beschäftigte insgesamt: 42.000
www.tischler.at