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Holz ist Farbe

Alfred Teischinger
Erschienen in
Zuschnitt 35: Innenfutter
September 2009, Seite 18f.

Weiß

Ahorn

Weiß

Esche

Gelblich-weiß

Erle

Gelblich-weiß

Rotbuche dunkel

Farbänderung durch UV-Licht

links: Ausgangsfarbe
rechts: Vergilbung nach intensiver UV-Bestrahlung

Farbveränderungen einzelner Holzarten durch Lichteinfluss und Bewertung des uv-Einflusses auf die Farbänderung. Bei Kernholzarten bezieht sich die Bewertung auf das Kernholz. Diese Farbveränderungen durch den Lichteinfluss bzw. den Alterungsprozess sind vor allem im Möbel- und Innenausbau, insbesondere auch im Bereich der Holzfußböden zu beachten und sollten bei der Holzauswahl und in der Frage der Oberflächenbehandlung des Holzes immer mit der Erwartungshaltung des Kunden abgestimmt werden.

 

Die Farbwahrnehmung des Menschen

Die Farbe ist ein Sinneseindruck, der entsteht, wenn Licht einer bestimmten Wellenlänge oder eines Wellenlängengemisches auf die Netzhaut des Auges fällt. Die elektromagnetische Strahlung veranlasst dort spezielle Sinneszellen zu einer Nerverregung, die im Gehirn als Farbe in das Bewusstsein tritt.

Farbe ist somit eine Sinnesempfindung und keine bloße physikalische Eigenschaft eines Gegenstandes. Von Farbe spricht man daher auch nur, wenn Licht mit einem bestimmten Wellenlängenbereich von einem bestimmten Gegenstand ausgesandt oder reflektiert wird, für die das Auge empfindlich ist. Die Sinneszellen der Netzhaut unseres Auges sprechen dabei auf einen Wellenlängenbereich von ca. 380 (violett) bis 740 (rot) Nanometer an.

Für sich genommen ist Farbe eine Sprache für eine Kommunikation ohne Worte, die einer Reihe von Konventionen psychologischer und symbolischer Natur unterliegt. Diese Konventionen variieren je nach Land, Kultur und Epoche bis hin zur Kurzlebigkeit der Mode.

Die Farbe als Sinnesempfindung ist beispielsweise in der din-Norm 5033-1 folgendermaßen definiert: »Farbe ist diejenige Gesichtsempfindung eines dem Auge strukturlos erscheinenden Teiles des Gesichtsfeldes, durch die sich dieser Teil bei einäugiger Beobachtung mit unbewegtem Auge von einem gleichzeitig gesehenen, ebenfalls strukturlosen angrenzenden Bezirk allein unterscheiden kann.«

Die Farbe des Holzes

Die meisten Materialen und Werkstoffe besitzen eine spezifische Farbe, die vielfach auch sehr homogen ist. Bei vielen Werkstoffen ist die materialspezifische Farbe von untergeordneter Bedeutung, da die Farbgestaltung erst über die Oberflächenbehandlung im Zuge des Fertigungsprozesses des jeweiligen Produktes erfolgt. Die Farbe im Zuge der Oberflächenbehandlung wird dabei zu einem wesentlichen Qualitätsmerkmal, das gemessen und kontrolliert wird.

Beim komplexen Werkstoff Holz, mit all seinen natürlichen Variationen, die gerade den Reiz des Werkstoffes ausmachen, ist die Frage der Farbe ein sehr vielschichtiges Thema. Der holzspezifische Farbton wird zudem durch die Textur, die sich aus den Jahrringstrukturen und anderen Merkmalen ergibt, mitgestaltet. Die spezifische Holzfarbe ist damit auch nicht so einfach durch Messvorschriften und Qualitätsvorgaben festzulegen wie bei technisch hergestellten Werkstoffen bzw. Oberflächen. Die bei den verschiedenen Holzarten mögliche Farbpalette reicht dabei von fast weiß über gelblich-weiß, verschiedenste Gelb- und Brauntöne, grün und rot bis hin zu violetten sowie fast schwarzen Farbtönen.

Im Gegensatz zu einem Stück Metall, das von allen Seiten gleich aussieht, ändern sich Helligkeit und Farbe einer Holzoberfläche je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel. Einfallendes Licht kann in das Holz mehr oder weniger tief eindringen. Der anisotrope Aufbau mit den gerichteten Holzfasern leitet und reflektiert eindringendes Licht in den einzelnen holzanatomischen Richtungen unterschiedlich stark.

Dadurch entsteht der lebendige Eindruck der Holzoberfläche. Eine Oberflächenbehandlung durch Klarlack kann diese Effekte noch zusätzlich beeinflussen und den Farbton verstärken (»anfeuern«).

Die Farbe des Holzes wird zudem noch durch den Produktionsprozess (z. B. Trocknung) wesentlich beeinflusst. Weiters verändert sie sich durch den Einfluss von Licht (primär uv-Anteil im Sonnenlicht) im Laufe der Zeit mehr oder weniger stark durch entsprechende Abbau- und Umbaureaktionen im Holz (s. Grafik links).

Hier unterscheidet sich Holz in der Farbstabilität beispielsweise von den meisten synthetisch hergestellten Werkstoffen und Oberflächensystemen. Ohne UV-Schutz durch eine Oberflächenbehandlung sind die meisten Holzarten nur bedingt farbstabil.

Die Farbveränderungen können durch entsprechende Oberflächenbehandlungen (Beizen, Lasuren, Lacke) abgeschwächt, verzögert oder weitgehend vermieden werden.

Färben

Durch verschiedene prozesstechnische Verfahren (Trocknung, Dämpfung, thermische Modifikation) kann die Holzfarbe gezielt verändert und ein Farbunterschied im Holz ausgeglichen werden. In der Regel ist ein durch thermische Behandlung erzielter Farbton (z. B. gedämpfte Buche – rotbraun) unter Lichteinfluss wesentlich farbstabiler. Durch eine thermische Modifikation des Holzes bei Temperaturen über 160° C entsteht selbst bei sehr hellen Holzarten (z. B. Esche) ein mittelbrauner bis dunkelbrauner Farbton, der ebenfalls sehr farbstabil ist. Ein so hitzebehandeltes Holz wird unter verschiedenen Firmen- und Phantasienamen vertrieben wie Thermoholz, Buche forte®, Goldesche® oder Mocca.

Technologisch noch in der Experimentierphase ist das Durchfärben von Holz mit überkritischem CO2, womit Farbpigmente tief in die Holzstruktur eingebracht werden können. Wesentlicher Vorteil einer derartigen Färbemethode ist, dass bei Kratzern im Holz oder einem späteren Abschleifen immer das originale Farbbild erhalten bleibt.

 

Weiß

Fichte

Weiß

Kiefer

Gelblich-weiß

Rotbuche hell

Gelblich-weiß

Eiche

Fotos
© proHolz Austria

Text

Alfred Teischinger
Professor für Holztechnologie an der BOKU Wien