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Möglichkeiten der Oberflächenbehandlung

Wolfgang Pöschl
Erschienen in
Zuschnitt 35: Innenfutter
September 2009, Seite 21

Bei der Oberflächenbehandlung im Innenausbau stand, anders als im Außenbereich, nicht die (Holz-) Schutzfunktion am Anfang, sondern die Absicht, das Holz zu veredeln – ihm durch eine glänzende Oberfläche eine neue Qualität abzugewinnen. Die Tradition dieser aufwändigen Polituren, oft in Verbindung mit Intarsien, reicht bis in die 1950er Jahre. Für einen großflächigen Einsatz im Möbelbau waren sie aber vollkommen ungeeignet. In der Alltagsanwendung wurden deshalb verschiedene Firnisse, Öle, Wachse und Farben meist in Form eines Anstrichs aufgebracht.

Lacke

Mit dem Aufkommen der furnierten Spanplatte entstand auch eine findige Lackindustrie, die an die Tradition der polierten Holzoberfläche anknüpfte und allen Ehrgeiz in hochglänzende Oberflächen legte, die nur industriell produzierbar waren und damit in den 1960er Jahren einen wesentlichen »Qualitätsvorsprung« der industriellen Möbelherstellung darstellten. 

Mit der furnierten Spanplatte setzte sich auch im Handwerk der Klarlack durch – nun aber nicht mehr als Veredelung, sondern als unerlässlicher Schutz für die furnierte Oberfläche. Der Lack war lange Zeit, unter der Prämisse der Pflegeleichtigkeit, unhinterfragt fixer Bestandteil des Innenausbaus.

Durch die Druckluft-Spritzpistole wurden die neuen Lacke handwerklich anwendbar, ihr Einsatz lag aber – bei meist schlechter Belüftung und durch ihre chemische Beschaffenheit – in den Anfängen am Rande des Zumutbaren. Das Lackieren entwickelte sich schnell zu einem eigenen Produktionsbereich, der auch technisch perfektioniert wurde. 

Öle und Wachse

Die perfekt lackierte und oft sterile Furnieroberfläche gelangte bald in einen Widerspruch zum Wunsch nach Unmittelbarkeit und Rauheit der zeitgenössischen Architektur. Dies förderte die Verwendung von vielfältigen Plattenmaterialien wie Sperrholz- und Dreischichtplatten, MDF- und OSB-Platten sowie die Wiederverwendung von alternativen Oberflächenbehandlungen, allen voran von Ölen und Wachsen.

Parallel zum konstruktiven Holzschutz im Außenbereich wurde man sich auch im Innenausbau mehr und mehr bewusst, dass viele Holzoberflächen gar nicht glatt und leicht zu reinigen sein müssen. Raue Wand- und Deckenverkleidungen, zum Beispiel aus ungeschliffenen OSB-Platten, haben mit ihrer stumpfmatten Oberfläche einen besonderen haptischen und akustischen Reiz und sogar sägeraue Tannenböden haben sich schon unter extremsten Bedingungen bewährt.

Eine Frage der Beanspruchung

In letzter Zeit mehren sich in Westösterreich die Zeichen für eine verstärkte Rückkehr von Massivholz im Innenausbau. Die Bedingungen für den massenhaften Einsatz sind ungleich günstiger als vor der Erfindung der Spanplatte. Eine innovative Holzindustrie sorgt für trockenes, gut akklimatisiertes Ausgangsmaterial in verschiedensten Formen, und das Endprodukt steht in zentralbeheizten, trockenen Räumen.

Natürlich hat ein Massivholzmöbel zwangsläufig eine Oberfläche wie jedes andere und der Begriff »unbehandelt« ist genau genommen irreführend und falsch. Ausgangspunkt für jede wie auch immer geartete Oberflächenbehandlung ist der Anspruch der Benützer des Möbels. Und nicht immer entspricht dem Wunsch nach Naturbelassenheit des Materials auch die Bereitschaft, natürliche Abnutzung und Alterung zu akzeptieren. Es ist daher notwendig, nach einer Optimierung der Oberfläche zu forschen und vielleicht alte und vergessene Erkenntnisse wieder zugänglich zu machen. Es ist jedenfalls nicht damit getan, Lack immer dünner und matter aufzutragen oder ihn durch Öl und Wachs zu ersetzen.

Unbehandelte Oberflächen

Eine vielversprechende Möglichkeit liegt in der gehobelten, das heißt geschnittenen Oberfläche, die auch ohne Lack glatt und geschlossen ist. Die Holzindustrie arbeitet im konstruktiven Holzbau mit entsprechend präzise justierten Hobelmaschinen bereits in diese Richtung.

Mehrmaliges »Wässern« – wie einst vor einer Beizung üblich – und Schleifen mit immer feineren Körnungen bringen besonders bei dichten Hölzern wie Ahorn überraschend pflegeleichte Ergebnisse. Zur Reinigung dienen Spülmittel, Schmier- oder Gallseife und die raue Seite eines Reinigungsschwammes. Ein feinkörniges Schleifpapier wird sich bald zu den gängigen Putzmitteln gesellen. Nasse, blanke Metallgegenstände bewirken ebenso wie glimmende Zigarettenstummel Flecken, die nur durch kräftigeres Abschleifen zu beheben sind, was bei Massivholz durchaus möglich ist.

Ähnlich wie in den Anfängen ihrer modernen Anwendung Öle und Wachse Skepsis hervorriefen, scheint die chemisch unbehandelte Oberfläche noch exotisch, obwohl sie schon dabei ist, recht kritische Bereiche wie die Gastronomie und den Tourismus zu erobern, wo Sinnlichkeit und Authentizität dringender auf der Tagesordnung stehen als anderswo.

Text

Wolfgang Pöschl
lebt und arbeitet als Architekt in Tirol.