Inhalt

Sechs Kindergärten

Die Bürgermeister antworten

Erschienen in
Zuschnitt 37: Im Kindergarten
März 2010, Seite 10f.

Mag. Christine Oppitz-Plörer 

 

 Bürgermeisterin Innsbruck

DI Dr. Rudolf Danner 

 

 Bürgermeister Rohrendorf

Josef Moosbrugger 

 

 Bürgermeister Bizau 

Mag. Christian Denkmaier

 

 Bürgermeister Neumarkt im Mühlkreis

Bruno Summer

 

 Bürgermeister St. Gerold

Georg Moosbrugger

 

 Bürgermeister Langenegg

InnsbruckRohrendorfBizauNeumarkt im MühlkreisSt. GeroldLangenegg

Was ist das Besondere an dem Kindergarten?

Das Besondere ist, dass der Kindergarten im Zuge der Entwicklung eines neuen Stadtteiles realisiert wurde. Da dieser idealtypisch auf der grünen Wiese entstanden ist, war auch die bungalowartige Bauweise möglich.Der Kindergarten ist ein Mischbau. Der heimelige Eindruck, den das unbehandelte Holz hier hinterlässt, ist deutlich spürbar. Die Kinder spielen gerne am Boden und haben durch die großzügigen Fenster Sichtbeziehung nach draußen. Ich nenne das die »vierte Dimension«.Er ist das erste kommunale Gebäude in unserer Gemeinde in Passivhausstandard. Außerdem konnten wir sehr viel heimisches Holz verwenden.Die Architektur und die grüne Farbe des Zubaus. Der Kindergarten ist ein Vorzeigeprojekt, da er zu hundert Prozent ökologisch und sehr naturnah errichtet wurde. Es gibt kein Holzstück, das behandelt wurde. Das Gleiche gilt für Boden, Decke und Wände.Der Kindergarten ist das erste öffentliche Gebäude in Vorarlberg, das nach einem ökologischen Leitfaden geplant wurde. Nur ökologisch verträgliche Materialien kamen zum Einsatz, das Gebäude hat Passivhausstandard, nur heimisches Holz wurde von heimischen Handwerkern verarbeitet.

Wie kam es zur Entscheidung, den Kindergarten in Holz zu bauen?

Die Entscheidung, in Holz zu bauen, fiel im Rahmen eines Architektenwettbewerbs. Die Materialwahl war nicht vorgegeben, sondern den Architekten freigestellt.Wir sind eine Klimaschutzgemeinde. So wollten wir – auch wenn es teurer ist – im Kindergarten unbehandeltes Holz haben, weil es für die Kinder gesünder ist. Auch das Raumklima ist ein anderes.Wir haben viel Holz in unserer Gemeinde. Deshalb wollten wir ein positives Beispiel geben: Unser Holz ist nicht nur Brennholz, sondern ein hochwertiges, nicht harzendes Holz. Die Weißtanne hat einen besonderen Charme, der in Vergessenheit geraten ist. Man fühlt es, man spürt es, man merkt es.Der Vorschlag kam vom Architekturbüro Schneider & Lengauer und fand breite Zustimmung, weil der Waldanteil in der Gemeinde rund ein Drittel des Gemeindegebietes beträgt.Das Große Walsertal mit seinen sechs Gemeinden – St. Gerold ist eine davon – wurde von der unesco mit dem Titel »Biosphärenpark« ausgezeichnet. Seitdem haben wir uns der Nachhaltigkeit verpflichtet. Da liegt es auf der Hand, einen Baustoff aus der Region zu verwenden.In den politischen Leitsätzen ist die Rücksichtnahme auf ökologisches Bauen klar verankert: »Die Natürlichkeit und Nachhaltigkeit unseres Lebensraumes soll erhalten bleiben.« Außerdem hat der Holzbau im Bregenzerwald eine lange Tradition.

Welche Argumente sprachen für den Werkstoff Holz, welche dagegen?

Das Siegerprojekt von Helmut Reitter bestach zunächst durch seine Raumaufteilung. Dass die Ausführung in Holz vorgeschlagen wurde, war ein zusätzliches Plus. So war es möglich, eine neue Einrichtung mit einem zukunftsweisenden Material zu bauen, das zusätzlich unsere ökonomischen Erwartungen übertraf. Ich würde mich wieder für eine Lösung in Holz entscheiden.Wir waren in Bezug auf die Wahl des Materials offen. Aber die Architektin gab für diese Bauaufgabe dem Baustoff Holz den Vorzug und überzeugte auch uns davon. Uns war es dann wichtig, einen Weg zu finden, diesen Vorschlag zu realisieren und das auch kostenmäßig hinzubekommen.Für Holz sprachen die bereits erwähnten Gründe, aber auch die Atmosphäre, die ein Holzbau vermittelt. Das ist ja das, was am Schluss übrig bleibt und davon zeugt, ob ein Bau gut ist. Man kann die angenehme Art des Holzes mit allen Sinnen spüren. Mit Holz zu bauen, ist auch immer ökonomisch. 

Für Holz sprach zunächst, dass die Bauzeit verkürzt werden konnte. Im laufenden Betrieb ist die heimelige Atmosphäre im Gruppenraum deutlich spürbar. 

 

Es gibt kein Argument gegen Holz. Vor allem für einen Kindergarten ist Holz ein optimaler Baustoff. Er ist »wärmer« als andere Baustoffe und durch die ökologische Bauweise wurde eine sehr hohe Luftgütequalität erzielt. Das verwendete, gänzlich unbehandelte Weißtannenholz ist giftfrei und gesund.Gegen Holz sprach anfangs, dass die Fassade aus Holz schnell verwittert. Dies wird aber nicht mehr als störend empfunden. Für Holz sprach, dass es ein heimisches Produkt ist, den ökologischen Ansprüchen in hohem Maße entspricht und– vor allem in atmosphärischer Hinsicht – entscheidende Vorteile gegenüber anderen Baumaterialien hat.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Kindergarten bisher gemacht? Wie fallen die Reaktionen der Bevölkerung aus?

Ich bin oft selbst vor Ort. Generell ist die Raum- und Luftqualität sehr hoch. Das spüren alle, die hineingehen, ob jung oder alt. Durch die kontrollierte Raumlüftung gibt es immer genug Frischluft. All das ist eine unglaubliche Verbesserung für den Betrieb und mit herkömmlichen Räumen nicht zu vergleichen.Die Erfahrungen sind für alle Beteiligten sehr positiv. Wir wollten den Kindern das geben, was sie zu ihrer Entwicklung brauchen. Holz ist dazu gut geeignet. Es schafft eine heimelige Atmosphäre, die Kinder fühlen sich wohl. Ein Stahlbetonbau wäre viel kühler geworden. Die Bevölkerung reagiert sehr positiv darauf. Natürlich wurde gefragt, ob so ein Holzbau pflegeleicht ist. Die Eltern sind begeistert, und die Kinder sind die Akteure. Wir hoffen auch, dass wir mit diesem Holzbau den Kindern ein gutes Beispiel geben, wie sie später bauen können. Die Kinder sind begeistert, die Bevölkerung diskutierte anfangs über die »Auffälligkeit« des Zubaues. Mittlerweile ist das »Krokodil« oder der »Frosch«, wie der Zubau gerne genannt wird, aber allgemein anerkannt. Die Reaktionen sind sehr positiv. Die einzige Sorge war anfänglich die Reinigung des sägerau verlegten Fußbodens. Aber da er unbehandelt ist, kann er sich selbst reinigen. Flecken verschwinden durch Benutzung oder durch Sonneneinstrahlung. Die Kinder laufen darauf barfuß. Sie fühlen sich sehr wohl, weil alles warm ist.Die Aufenthaltsqualität wird von allen sehr hoch bewertet. Die Nichtbehandlung der Holzoberfläche des Bodens gab besonders in der Anfangsphase Anlass zu Diskussionen, wegen der Verschmutzung durch Farben und der erhöhten Reibung beim Rutschen. Ansonsten hat sich der Werkstoff Holz aber sehr bewährt.

Gibt es einen Mehrwert in der Region?

Der Mehrwert in der Region war für die Entscheidung, in Holz zu bauen, nicht ausschlaggebend.Als regionalen Mehrwert würde ich den Vorbildcharakter bezeichnen, den der neue Kindergarten hat.Ja, einen sehr großen, weil viel heimisches Holz verwendet wurde und so viele Aufträge wie möglich in der Region vergeben wurden. Man kann das auch mit Ja beantworten, das Holz kommt aus der Region und der Bau wurde von einem Fachbetrieb aus der Region errichtet.Natürlich, es ist der Baustoff aus der Region. Die Gemeinde St. Gerold ist selbst Waldbesitzer, unser Holz wurde selbstverständlich für den konstruktiven Bereich verwendet.Ja, da das Holz ausschließlich aus dem Gemeindegebiet stammt, bleibt die Wertschöpfung im Ort.

Fotos
© Günter Richard Wett, Lisa Rastl, Adolf Bereuter, Paul Ott, Robert Fessler, Hanspeter Schiess

Dieser Artikel ist abgelegt in: