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Fragen an die Industrie

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 38: Holz trägt
Juni 2010, Seite 24

Welche maßgeblichen Entwicklungen haben in den letzten Jahren im Leimbau stattgefunden?

Ernst Buchacher Maßgeblich für die Entwicklung des Leimbaus der letzten Jahre war die Einführung neuer Fertigungstechnologien wie CNC-gesteuerter Abbund, entsprechende Software, Zeichenprogramme und standardisierte Verbindungstechniken. Weiters hat das Brettschichtholz durch neue Produktionswerke in größeren Mengen Einzug im Wohnbau gehalten. Durch diese Standardträger eröffnen sich große neue Märkte für den Holzleimbau.

Erich Wiesner Dem konstruktiven Holzbau ist es in den letzten Jahren auf europäischer Ebene gelungen, Marktanteile zu gewinnen und tief in die Domänen anderer Baustoffe vorzudringen. Diese Entwicklung wird vor allem auf die ökologischen Vorteile des Baustoffes Holz zurückgeführt. Tatsache ist jedoch, dass beim Bauen meist nach ökonomischen und technischen Kriterien entschieden wird. Holzbaubetriebe müssen noch immer unter Beweis stellen, dass sie technisch, ökonomisch und in der Bauabwicklung leistungsfähig sind. Sie müssen sich mehr anstrengen als andere.


Wo gibt es Entwicklungspotenzial bzw. welche Zukunftsszenarien sind angedacht?

Ernst Buchacher Die Holzbautechnologie hat sich sehr rasch entwickelt und bietet den Planern dank standardisierter Techniken erstklassige Konstruktionsmöglichkeiten. Der Umweltgedanke, d. h. die CO2-günstige Herstellung von Holzleimkonstruktionen, wird dem Brettschichtholz einen großen Vorteil gegenüber anderen Materialien verschaffen. Die Bedeutung des nachwachsenden Baustoffes Holz für die Energiebilanz auf unserem Planeten Erde sollte noch mehr betont werden, da der Klimaschutz für die Natur und die Menschheit fundamental ist.

Erich Wiesner Holz im Bauwesen kann einen substanziellen Beitrag zur CO2-Reduktion und Energieeinsparung leisten. Diesen Rückenwind werden wir nur dann nutzen können, wenn die wichtigen Hausaufgaben der Branche nicht vernachlässigt werden: Dazu zählen Forschung, europäische Normung, Bildung und Lobbying.

Diese Herausforderungen können aufgrund der Branchenstruktur – es fehlen die großen Leitbetriebe – nur gemeinsam bewältigt werden. Die Holzverbände, national wie europäisch, haben deshalb eine besondere Verantwortung. Zur Durchsetzung braucht es natürlich auch die Unterstützung der europäischen Politik. Wir müssen uns bewusst sein, dass die derzeitigen Strukturen und verfügbaren Ressourcen nicht ausreichen werden, um uns entsprechend behaupten zu können.


Welche Forschungsaktivitäten laufen zurzeit bzw. sind in Vorbereitung (Verbundwerkstoffe, Verbindungen, Klebetechniken etc.)?

Ernst Buchacher Die Forschungsaktivitäten sollten verstärkt in Richtung Verbundwerkstoffe gehen. Wirtschaftlich schwierige Zeiten wie die heutigen machen sich leider auch bei den Forschungsentwicklungen bemerkbar. Weitere wichtige Themen für die Forschung sind die Oberflächenbeschichtung für Holz im Außenbereich und wirtschaftliche sowie umweltfreundliche Brandschutzbeschichtungen.

Erich Wiesner Unter maßgeblicher personeller wie wirtschaftlicher Beteiligung des Fachverbandes der österreichischen Holzindustrie läuft seit dem Jahr 2006 die europäische Initiative »Building with Wood«.

Ziel dieses Prozesses ist es, die Rahmenbedingungen für den Holzbau auf europäischer Ebene zu verbessern und neue wissenschaftliche Grundlagen für die europäische Normung zu generieren.


Inwiefern hatte die Einführung des EUROCODES 5 Auswirkungen auf den Holzbau?

Ernst Buchacher Der neue EUROCODE 5 macht einen eher komplizierten und für das Holz nachteiligen Eindruck. Der Vorteil der international einheitlichen Normung besteht natürlich in einem europaweit einheitlichen Bemessungskonzept.

Erich Wiesner Die Einführung des EUROCODES 5 beeinflusst die Bereitschaft der Ingenieure, in Holz zu bauen. Derzeit ist noch keine ausreichende EDV-Unterstützung auf dem Markt erhältlich und der Rechenaufwand hat sich verdoppelt. Zudem gibt es große Unsicherheiten bei der Anwendung des EUROCODES 5. Man könnte zwar von den Ingenieuren fordern, dass sie sich selbst weiterbilden – es wäre jedoch sinnvoll, sie dabei zu unterstützen, um so auch den Holzbau zu fördern. Grundsätzlich sind die eurocodes für international tätige Unternehmen von großem Vorteil. Ein Problem stellen jedoch die Nationalen Anwendungen dar, denn diese sind – zumindest in Englisch – nicht einfach über eine zentrale europäische Plattform zu beziehen.

 

Ernst Buchacher

Dr. Erich Wiesner