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Seitenware II

Fliegendes Holz

Erschienen in
Zuschnitt 38: Holz trägt
Juni 2010, Seite 26

Ursprünglich war es nur ein Hobby, heute ist es sein Beruf: Koloman Mayrhofer baut historische Holzflugzeuge nach. Es sind Modelle aus der Pionierzeit des Flugzeugbaus, von 1909 bis etwa 1930. Längst liefert der gelernte Holzbildhauer seine Nachbauten in die ganze Welt. An diesem Tag stehen gleich vier Flugzeugrümpfe in seiner Werkstätte.

in Wien. Drei Modelle des Typs Albatros und eine Bleriot XI 2 Militaire. »Im Jahr 1914 ist ein Norweger damit von Schottland nach Norwegen geflogen«, erzählt Koloman Mayrhofer. »Er hat sich ausgerechnet, dass er es nur mit entsprechendem Rückenwind schaffen kann, da es nicht möglich war, mehr Benzin und Öl mitzunehmen.« Der Flieger erreichte den Strand von Norwegen, das Original steht heute im Norwegischen Technischen Museum in Oslo. Die Bleriot ist mit Stoff bespannt, im Bereich des Motors mit Blech verkleidet und im hinteren Bereich sogar unverkleidet. Der Albatros dagegen ist mit Sperrholz ummantelt, dem eine aussteifende Funktion zukommt. Bis zu 5.000 Arbeitsstunden stecken in einem solchen Flugzeug. Allein die Recherche kann schon einmal eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen. Doch die Aufgabe fasziniert Koloman Mayrhofer. Sie erfordert eine hohe Materialkenntnis und es geht immer darum, Grenzen auszuloten: »Wie setze ich diesen natürlichen Werkstoff am besten ein, um eine größtmögliche Festigkeit bei gleichzeitig geringstmöglichem Gewicht zu erreichen?« So setzen sich die Längsstreben des Albatros zum Beispiel aus Eschen- und Fichtenholz zusammen. Vorne ist man auf die Festigkeit der Esche angewiesen, der hintere Teil des Rumpfes ist nicht mehr so stark belastet, hier kommt es nun darauf an, Gewicht zu sparen – deshalb kommt hier Fichtenholz zum Einsatz.

Koloman Mayrhofer baut keine Attrappen, seine Flugzeuge können fliegen. Auch wenn die Kunden sich um die Zulassung in ihrem Land selbst kümmern müssen – das wäre von Wien aus nicht machbar –, müssen er und seine Mitarbeiter für die Zulassungsbehörden jeden Arbeitsschritt und jeden Leimvorgang genauestens dokumentieren.

Fliegendes Holz

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