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Seitenware II

Bauernkapelle Nonsbach

Gabriele Kaiser
Erschienen in
Zuschnitt 40: Holz und Stahl
Dezember 2010, Seite 30

Bauernkapelle Nonsbach

Die Bauernkapelle in Nonsbach – ein aus der regionalen Typologie entwickelter Andachtsraum ohne vordergründige sakrale Symbolik – tritt als individuelle Entwurfsleistung in Erscheinung und ist doch das Werk vieler Hände. Vier persönlich und wirtschaftlich eng verbundene Familien eines Innviertler Weilers entschlossen sich 2008 zum Bau einer Gemeinschaftskapelle. Sie betrauten einen aus der Gegend stammenden angehenden Architekten mit der Planung und gaben ihm damit Gelegenheit, sein Studium mit einem realisierten Bauwerk abzuschließen. Franz Koppelstätter initiierte einen zwei Jahre andauernden kollaborativen Planungsprozess, in dem sämtliche Projekt-Entscheidungen – von der ersten Annäherung an Typologie, Standort und Bauweise bis zu den kleinsten Details der Materialisierung – konsensuell getroffen wurden. Auch wenn immer wieder Beton ein Thema war, entschied man sich letztlich einhellig für Holz. Die drei für den Bau der Kapelle benötigten Lärchen stammen aus einem Nachbardorf, sie wurden zu Pfosten/Diele geschnitten und einseitig gesäumt, die ungesäumte Seite händisch nachbearbeitet. In einer nahen Tischlerwerkstatt wurde der Baukörper in Teilen vorgefertigt und auf dem Bauplatz »unter den Eschen« in einem Tag zusammengebaut. In seiner Einfachheit hält der 12m2 fassende Bau eine fast rätselhafte Wandlungsfähigkeit bereit. Das die rissige Textur der Oberfläche streifende Tageslicht verleiht dem inneren Raumabschluss eine deutungsoffene Tiefe, das Edelstahlgewebe im Eingangsportal und im Schiebeladen des Fensters changiert reizvoll im Unbestimmten. Vertraut/fremd auch die äußere Form: Je nach Standpunkt und Entfernung wähnt man einen ganz anderen Baukörper vor Augen.

Bauernkapelle Nonsbach

Standort

Nonsbach/A

Fertigstellung

2010

Planung

Franz Koppelstätter
architektenfreund@gmail.com
mit
Dorferneuerungsverein Nonsbach
Nonsbach/A

Fotos

© Franz Koppelstätter

Text

Gabriele Kaiser
freie Architekturpublizistin und Kuratorin; 2010–2016 Leiterin des architekturforum oberösterreich (afo); seit 2009 Lehrauftrag an der Kunstuniversität Linz; lebt und arbeitet in Wien.

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