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Wertschöpfungskette

Waldinventur

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 41: landauf-landab
März 2011, Seite 25

Wie viele Bäume stehen im heimischen Wald? Wie viele davon können umgeschnitten werden? Hat sich das Verhältnis von Mono- zu Mischkultur beziehungsweise von Laub- zu Nadelbäumen im Vergleich zur letzten Inventur verändert? Wie ist der Zustand der Bäume, wie der des Ökosystems Wald? Die Gruppen, die vom österreichischen Institut für Waldinventur, einem Fachinstitut des Bundesforschungs- und Ausbildungszentrums für Wald, Naturgefahren und Landschaft, losgeschickt werden, setzen sich aus jeweils einem Akademiker, einem Förster und einem Gehilfen zusammen. An einem Tag schafft es so eine Gruppe, die vier Eckpunkte eines Traktes zu vermessen. 5.500 Stück gibt es davon in Österreich. Sie alle müssen vermessen werden. An allen vier Ecken des Traktes werden eine kreisförmige, 300 m2 große Fläche und alles, was auf ihr wächst, genau aufgenommen. Als zweite Zählmethode gehört zur Waldinventur die so genannte Winkelzählprobe. Hierbei schaut man vom Mittelpunkt der Kreisfläche aus durch ein Spiegelrelaskop und wählt alle Bäume aus – egal ob auf der Probefläche oder außerhalb –, deren Durchmesser, in Brusthöhe betrachtet, mehr als 10,5 cm beträgt. Erhoben werden dabei die Baumart, der Durchmesser und die Höhe der Stämme. Mithilfe dieser Messdaten werden dann der Holzvorrat und die Stammzahl im österreichischen Wald hochgerechnet. Seit 1961 werden solche Erhebungen in Österreich durchgeführt. Um den Wald gleichmäßig erfassen zu können, hat man ein Netz über Österreich gelegt mit einer Seitenlänge von 3,89 km je Einheit. An jedem der Kreuzungspunkte liegt ein Trakt. Sind alle Trakte vermessen, geht es an die Auswertung der Daten. Ende 2010 wurden die Ergebnisse der Österreichischen Waldinventur, die von 2007 bis 2009 stattgefunden hat, bekannt gegeben. Diese Aussagen zur Waldentwicklung zählen zu den wichtigsten forstpolitischen Entscheidungsgrundlagen.

84,4 % des österreichischen Waldes sind Ertragswald, der Rest ist Schutzwald ohne Holznutzung bzw. Holz­ boden ohne Ertrag. Quelle: www.waldinventur.at

Ergebnisse der Österreichischen Waldinventur

Der Anteil an Fichten, der Hauptbaumart der österreichischen Holzwirtschaft, nimmt ab. Die Mischbestände und der Laubholzanteil nehmen weiter zu. »Aufgrund sich ändernder klimatischer Bedingungen findet der aktive Waldumbau durch die Forstleute seit Jahrzehnten statt. Dies erfolgt mit Maß und Ziel und nicht als ,Fichtenvernichtungsfeldzug‘ wie z. B. in Deutschland«, sagt Martin Höbarth, Leiter der Abteilung Forst- und Holzwirtschaft, Energie der Landwirtschaftskammer Österreich. »Teils fällt die Fichte auch ganz aus in Gegenden, die trockener geworden sind durch den Klimawandel. Die Douglasie, hauptsächlich im Osten, und die Lärche sind Alternativen.« Derzeit steigt der Vorrat der Fichte zwar noch weiter an – von 674 Millionen Festmetern auf 695 Millionen Festmeter –, bei anhaltender Tendenz ist aber laut Höbarth ein Absinken des Gesamtvorrates der Fichte auf lange Sicht zu erwarten.

Die Waldfläche in Österreich nimmt weiter zu, pro Jahr um durchschnittlich 4.440 Hektar. Der Grund dafür sind aufgegebene landwirtschaftliche Flächen auf Almen und in Tieflagen. Derzeit liegt der Waldanteil in Österreich bei 47,6 Prozent.

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Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

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