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»Die Stadt wächst«

Gespräch mit dem Grazer Stadtbaudirektor Bertram Werle

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 42: Obendrauf
Juni 2011, Seite 19

Ist Nachverdichtung auch für die Stadt Graz ein Thema?

Selbstverständlich. Die Stadt Graz hat eine positive Bevölkerungsentwicklung, sie wächst um etwa 3.000 Hauptwohnsitze pro Jahr. Deshalb wollen wir zentrale Lagen weiter ausbauen. Das Flächenwachstum in die Breite können wir uns nicht mehr leisten, auch in Bezug auf die Infrastruktur und die rechtlichen Rahmenbedingungen. Das Stadtentwicklungskonzept will gerade die Wohnfunktionen in zentralen Stadtteilen stärken, also in Teilen der Stadt, die in Bezug auf Infrastruktur bereits gut versorgt sind – das ist das Entscheidende. Da werden wir über Dichte­­­anpassungen entsprechend reagieren müssen. Ich meine ­damit eine stadtverträgliche Dichte. Der Stadt Graz stehen insbesondere im Süden und Westen Industriebrachen zur Verfügung. Wir sehen da Baulandreserven.

Wie aber sieht es mit der Verdichtung bestehender Strukturen aus?

Der politische Wille ist da. Das Stadtentwicklungskonzept enthält entsprechende Ziele. Wenn es aber konkret um Dichteanhebung geht, werden die Aussagen sehr vorsichtig.

Warum?

Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld: Die Stadt wächst. Sie hat inzwischen 270.0000 Einwohner, Tendenz steigend. Jahrzehntelang aber ist die Bevölkerung nicht so stark ­gewachsen wie heute, und damit gab es auch nicht die Notwendigkeit, diese Debatte zu führen. Das ist erst jetzt zu einem Thema geworden. Es steht jedoch fest: Wir stehen an einer Wende, weil wir die europaweit ­signifikante Grenze von 250.000 Einwohnern überschritten haben, die weitere Urbanisierungsschritte erfordert. Das bedeutet, dass die Verdichtung von nachhaltigen Lösungen begleitet werden muss, ­etwa in Kernbereichen wie Energie, Bauökologie und Verkehr.

www.stadtentwicklung.graz.at

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at