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Urban wood mining

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 42: Obendrauf
Juni 2011, Seite 21

Unsere Rohstoffe werden immer knapper. Deshalb interessiert man sich längst nicht mehr nur für das Recycling von Abfällen, sondern ebenso sehr für die Stoffe, die derzeit noch in unseren Gebäuden verbaut sind. Man spricht von »urban mining«: So, wie man im Bergbau auf der Suche nach Bodenschätzen ist, begibt man sich in der Stadt auf die Suche nach Rohstoffen. Die Bauten unserer Städte sind ein immenses Rohstofflager. Vor allem die darin verbauten Metalle und das Holz der Decken und Dächer lassen sich gut wiederverwerten. Allein in Wien sind in den Dächern aller Häuser rund 1 Million Tonnen Holz trocken verbaut.

Mit dem in Wiens Dächern verbauten Holz könnte man 50.000 Einfamilienhäuser errichten – genügend Wohnraum für die Gesamtbevölkerung von Innsbruck.

Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten der Wiederverwertung: Man kann das Holz in Energie umwandeln oder einer stofflichen Verwertung zuführen. Auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes ist eine stoffliche Wiederverwertung zu befürworten: Mit den 1 Million Tonnen Holz in Wiens Dächern wurden der Atmosphäre 1,7 bis 2 Millionen Tonnen CO2 entzogen und in Form von Kohlenstoff im Holz gespeichert.

Das entspricht der Menge CO2, die alle in Wien zuge­lassenen Pkws in zwei Jahren emittieren.

Wird das Holz verbrannt, wird der Kohlenstoff freigesetzt und ver­bindet sich wieder mit einem Sauerstoffmolekül zu CO2. Holz wird deshalb auch als CO2-neutraler Werkstoff bezeichnet. Bei einer stofflichen Verwertung, wenn aus den Sparren zum Beispiel Bretter geschnitten werden, bleibt der Kohlenstoff im Holz gebunden und die Primärressource wird eingespart.

Fachliche Beratung: DI Dr. Adolf Merl, www.pe-cee.com
Quelle: Adolf Merl, Bau-Ressourcenmanagement in urbanen Räumen, ­Fallstudie Wien, Wien 2005

Literatur

Edition »Holz und Klimaschutz«
Zu bestellen unter: www.proholz.at/shop

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at

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