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Vorfertigung versus Fertigstellung auf der Baustelle

Erschienen in
Zuschnitt 43: Die Außenwand
September 2011, Seite 16ff.

Josef Hohensinn

Es ist auch für den Massivbau ein hoher Vorfertigungsgrad anzustreben. Weiters sind allgemeingültige techni­sche Standards zu entwickeln, die nicht von einzelnen Produkten und Firmen ausgehen.

Michael Kaufmann

Das ist kein Nach-, sondern ein Vorteil: Wenn man die Wand erst vor Ort umhüllt, dann kann man noch präziser und noch dichter arbeiten, dann hat man keine Elementstöße. Eine kleine Zimmerei mit zwei bis drei Mann kann die Massivholzplatten kaufen, aufstellen und dann alle Holzarbeiten machen, sie braucht dafür keine große Halle. Selbst der kleinste Betrieb kann das machen. Es bleibt natürlich ein Teil seiner Wertschöpfung auf der Strecke, da er das konstruktive Element zukaufen muss.

Lothar Künz

Im Holzbau ist die bauphysi­kalisch korrekte Ausführung der Details sehr wichtig – dies ist in der trockenen Werkhalle leichter zu machen und zu kontrollieren als auf der Baustelle. Deshalb wird sich der Vorfertigungsgrad weiter ­erhöhen und die auch von der Witterung beeinflusste Montagezeit auf der Baustelle reduzieren.

Konrad Merz

Grundsätzlich ist die Ausführungsqualität bei Arbeiten, die in einer Werkstatt unter optimalen klimatischen und betrieblichen Bedingungen ausgeführt werden können, einfacher zu gewährleisten als bei Arbeiten auf der Baustelle. Allerdings ist die Massivbauweise in dieser Hinsicht weniger anfällig als die Rahmenbauweise, da man es tendenziell mit weniger Schichten zu tun hat.

Sylvia Polleres

Der geringe Vorfertigungsgrad bei der Massivbauweise ist ein klarer Nachteil. Wir verlieren dabei unsere schlagen­den Hauptvorteile im Holzbau: die kurze Baustellenmontage und das Fertigen in witterungsgeschützter Umgebung. Hier gibt es noch Entwicklungspotenzial. Ich glaube zwar nicht, dass Zimmereien die „nackten“ Massivholzelemente im Werk weiter vorfertigen werden, aber durch vereinheitlichte Systemdetails bei den Plattenproduzenten kann man einen höheren Vorfertigungsgrad und somit einen rascheren Montageablauf erreichen.

Karl Schafferer

Das ist ein Nachteil. Wir verlieren unsere Vorteile gegenüber dem Betonbau – Geschwindigkeit, Präzision und vor allem Qualität. Unser Betrieb hat sich schon vor Jahren auf vorgefertigte Elemente in System-Massivholzbauweise spezialisiert. Diese werden bis hin zur Fassade incl. Fenster in unserem Werk produziert. Die Massivholzbauweise wird unaufhaltsam ihren Marktanteil erobern, den Zuwachs schätze ich für die nächsten fünf Jahren auf 100 Prozent und mehr. Das Thema der Nachhaltigkeit gilt es für Holz und unser Know-how effizient zu nutzen.

Bruno Spagolla

Beim prototypischen Bauen entscheidet sich das vor allem anhand der auftragslogistischen Konzeption des Ausführenden. Beim seriellen und systemischen Bauen werden diese Aspekte wichtige Entwicklungsthemen und somit für die Systemtauglichkeit mit entscheidend sein.

  • Massivholzwand versus Rahmenbau

    Welche Vorteile hat eine Massivholzwand gegenüber einer Holzrahmenkonstruktion – auch im Hinblick auf ihre bauphysikalischen Eigenschaften? Warum wird welches System bevorzugt?

  • Schwachpunkte einer Außenwand aus Holz

    Dem konstruktiven Feuchteschutz kommt ein besonderer Stellenwert zu. Gut achten muss man auch auf die Luftdichtigkeit, den Sockelanschluss sowie auf Fugen und Anschlüsse.

  • Wirtschaftlichkeit versus Technik

    Wirtschaftlichkeit ist kein absoluter Wert. Allgemein jedoch gilt: Ein wirtschaftlicher Aufbau besteht aus möglichst wenig Schichten und muss sich von einem technisch optimalen nicht unterscheiden.

  • Vorfertigung versus Fertigstellung auf der Baustelle

    Im Rahmenbau ist die Vorfertigung gang und gäbe. Im Massivbau hingegen werden wieder viele Arbeiten auf der Baustelle ausgeführt. Ist das ein Nachteil? Wie wird sich das weiterentwickeln?

  • Anzahl der Schichten

    Die – aus bauphysikalischer Sicht – notwendige Anzahl der Schichten im Wandaufbau hängt mit den gestellten Anforderungen und somit Funktionen zusammen, die jeweils eine Schicht übernehmen muss.

  • Ausblick

    Wo besteht im Holzbau in Bezug auf die Außenwand noch Entwicklungsbedarf? Allgemein wird die dringliche Notwendigkeit einer größeren Standardisierung und Systematisierung angesprochen.

Josef Hohensinn

Architekt in Graz
www.hohensinn-architektur.at

Michael Kaufmann

Kaufmann Zimmerei und Tischlerei
www.kaufmannzimmerei.at

Lothar Künz

Bauphysiker in Hard, Vorarlberg
www.bauphysik-kuenz.at

Konrad Merz

Statiker in Dornbirn
www.mkp-ing.com

Sylvia Polleres

Holzforschung Austria
www.holzforschung.at

Karl Schafferer

Schafferer Holzbau GesmbH
www.schafferer.at

Bruno Spagolla

Architekt in Bludenz
www.spagolla.at