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Editorial

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 43: Die Außenwand
September 2011, Seite 3

Die Außenwand ist die äußere, ein Gebäude ab- schließende Wand. Dieser Bauteil übernimmt – im Gegensatz zur Innenwand – nicht nur trennende und tragende Funktionen, er schützt den Innenraum vor Kälte, Hitze, Lärm und dem Wetter.

Dieser Zuschnitt behandelt diesen einen Bauteil, die Außenwand, und schließt damit an das Buch „Fassaden aus Holz“ an. In diesem von proHolz Austria herausgegebenen Fachbuch geht es um die äußerste, bewitterte Schicht der Außenwand. Wir konzentrieren uns nun auf das, was sich hinter der Fassade versteckt, auf die Wand. So viel sei gleich einmal vorweggenommen: Ein Rezept, also eine genaue Vorschrift, wie so eine Wand aus Holz zu planen und zu bauen ist, gibt es nicht. Es gibt natürlich konstruktive und bauphysikalische Regeln, die zu beachten sind, aber innerhalb dieses Regel- werkes gibt es viele Lösungen. Welche davon die richtige ist, entscheiden die Rahmenbedingungen. Soll es eine Massivholzwand werden oder doch lieber ein Rahmenbau mit hinterlüfteter Fassade – ein Blick auf dataholz.com, den Online-Katalog bauphysikalisch und ökologisch geprüfter Holzbauteile, zeigt, dass die Bandbreite enorm ist. An die hundert Wandaufbauten kann man dort zählen. Natürlich können wir hier nicht alle Möglichkeiten lexikalisch auflisten. Wir präsentieren Ihnen vielmehr eine kleine Auswahl an Projekten, anhand derer wir aufzeigen, warum die Architekten sich für Holz, für dieses oder jenes Wandsystem entschieden haben und was die jeweiligen Vorteile sind.

„Eigentlich ist die Außenwand im Holzbau der leichteste Bauteil“, meinte Karl Torghele, Bauphysiker in Dornbirn, bei einem Vorgespräch zu dieser Ausgabe. Sicher fordern die Luftdichtigkeit und die Anschlüsse an die anderen Bauteile besondere Aufmerksamkeit, die bauphysikalischen Anforderungen aber vom Wärmeschutz über den Schallschutz bis hin zur geforderten Speichermasse sind im Holzbau leicht zu erfüllen.

Wenn alles so einfach ist, was aber sind dann die Herausforderungen, die sich den Planern und der Holzbranche im Zusammenhang mit der Außenwand stellen? Da wäre einmal die Holzmassivbauweise zu nennen. Die Brettsperrholzplatten sind schwer, viele Arbeiten wie das Dämmen und der Fenstereinbau werden wieder häufiger auf der Baustelle ausgeführt. Ist dies ein Nachteil oder Vorteil? Die Holzforschung Austria untersucht im Zuge eines Forschungsprojektes Außenwände und hier im Besonderen die sommerliche Überhitzung, die Phasenverschiebung in der Wand sowie die thermische Behaglichkeit eines Holzhauses. Wenn man über Herausforderungen für den Holzbau spricht, ist auch das Thema der thermischen Sanierung zu nennen: Die tes EnergyFacade zum Beispiel – ein System zur Gebäudedämmung mit großflächigen Holz­ele­men­ten – hat die Kompetenzen des Holzbaus auf die Gebäudesanierungen übertragen.

Diesmal haben wir die Aspekte des Brandschutzes und des Schallschutzes ausgeblendet, wohl wissend, dass sie beim Bau einer Außenwand ebenso relevant sind wie die anderen bauphysikalischen Aspekte. Doch haben wir uns in früheren Zuschnitten bereits intensiv mit Schallschutz und Brandschutz beschäftigt und werden diese Themen sicher wieder aufgreifen. So wie wir im zuschnitt 29 – Holz und Glas und im zuschnitt 40 – Holz und Stahl den Schwerpunkt auf Materialkombinationen gelegt haben, geht es in diesem Zuschnitt um einen bestimmten Bauteil. Damit stehen wir am Anfang einer Reihe, in der wir uns auf Bauteile im weiteren Sinne konzentrieren werden und die wir zu Themen wie Dach, Fenster und Tür fortsetzen werden.

 

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at