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Holzrahmenwand, nicht tragend

Innen massiv, außen Holz

Martina Pfeifer Steiner
Erschienen in
Zuschnitt 43: Die Außenwand
September 2011, Seite 16f.

Das ehemalige Firmenareal einer Maschinenfabrik in Lauterach, relativ zentral gelegen, wurde für ­gemeinnützigen Wohnbau umgewidmet. Den ausgeschriebenen Wettbewerb gewannen Cukrowicz Nachbaur Architekten. Sie nahmen die Ausrichtung und Maßstäblichkeit der ursprünglichen Fabrikhallen, die die bauliche Umgebung geprägt hatten, auf und versetzten die fünf neuen dreigeschossigen Baukörper so zueinander, dass Lichteinfall und Freiräume optimiert sind. Die großen Öffnungen mit den Balkonen liegen nun immer dort, wo dem Ausblick nichts im Wege steht, und durch einen weiteren Trick ist trotz der sehr hohen Baudichte viel Grün übrig: Alle Autos sind in einer Tiefgarage untergebracht.

Die Gebäude sind in Skelettbauweise mit Stahlbetondecken und tragenden Stahlstützen errichtet, ihre Außenwände aus vorgefertigten, eingeschossi­gen Holzelementen. Da für vier der fünf Baukörper Passivhausstandard gefordert war, war das Hauptargument, die Wandelemente aus Holz zu fertigen, die Anforderung an die hohe Isolierung besser umsetzen zu können: „Wir wollten nicht 30 cm Styropor anbringen“, sagt Anton Nachbaur-Sturm, „so überredeten wir den Bauherrn zu seiner ersten Holzaußenwand. Zudem sind Atmo­sphäre und Haptik bei Holz angenehmer als bei einem verputzten Baukörper.“

Die Montage der Außenwand erfolgte in mehreren Arbeitsschritten. Zuerst wurden die vorgefertigten Holzelemente aufgestellt. Sie sind in Holzrahmenbauweise mit eingelegter Mineralwolldämmung gefertigt, mit einer OSB-Platte auf der Innenseite sowie einer diffusionsoffenen Holzfaserplatte und einem Windpapier auf der Außenseite. Im nächsten Arbeitsschritt wurden die Holzfenster eingebaut und erst danach im Inneren die Dampfbremsfolie, die Mineralwolldämmung und der Gipskarton angebracht. Nicht nur die Installationen sind in dieser Vorsatzschale versteckt, auch die Stahlstützen, da man so auf einen Brandschutzanstrich verzichten kann. Zuletzt wurde die Fassade montiert – wieder in großen vorgefertigten Teilen.

Die Fassade ist ein wichtiges Gestaltungselement. Durchlaufende Fugen betonen die langen Baukörper horizontal. Ein bemerkenswertes Detail sind die ­Leisten, die bei Balkonen und Fenstern aus Stahl, sonst aus Holz sind. Wie ein endloses Band ziehen sie sich in sechs Linien über jedes Gebäude.

Die Lattung der sägerauen Holzverschalung ist jedoch vertikal und übrigens aus Lärche. Die Namensgebung der Wohnanlage Lerchenpark bezieht sich aber nicht auf das Fassadenmaterial, sondern auf die großzügi­gen Spiel- und Grünflächen, in denen sich Klein und Groß ebenso wohl fühlen wie die Singvögel.

Wandstärke (cm) = 48
U-Wert (W/m2) = 0,13

  •  Holzschalung Lärche 27 x 95mm
  • Lattung 40 x 60mm
  • Konterlattung 25 x 60mm
  • Windbremse
    Holzfaserplatte 16mm
  • Holzriegel 60 x 240mm, dazwischen 2 x Mineralwolle 120mm
  • OSB-Platte 18mm
  • Dampfbremse Holzlattung 100mm, dazwischen Mineralwolle 100mm
  • Gipskarton 15mm

Fotos

© Schertler-Alge GmbH/Sebastian Brandl
© Cukrowicz Nachbaur Architekten

Text

Martina Pfeifer Steiner
  • selbständige Architekturvermittlerin und Architekturpublizistin
  • lebt in Vorarlberg

Passivhauswohnanlage in Lauterach

Standort

Lerchenpark 1 – 5, Lauterach/A

Planung

Cukrowicz Nachbaur Architekten zt GmbH, Bregenz/A, www.cn-architekten.com

Bauherr (Bauteile A–D)

Wohnbauselbsthilfe Bregenz, Bregenz/A, www.wohnbauselbsthilfe.at

Bauherr (Bauteil E)

Schertler-Alge GmbH, Lauterach/A, www.schertler-alge.at

Holzbau

Schertler-Alge GmbH, Lauterach/A, www.schertler-alge.at

Bauphysik

DI Bernhard Weithas GmbH, Grafenweg 16, Hard/A

Fertigstellung

August 2009 (Bauteile A – D), Mai 2010 (Bauteil E)