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Holzrahmenwand, tragend II

Dichte Packung

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 43: Die Außenwand
September 2011, Seite 12f.

In Steyr steht – inmitten einer gewöhnlichen Ein­familienhaussiedlung – ein ganz und gar in Schwarz gekleidetes Haus. Jeden kann man hier nach dem Weg fragen. Alle wissen gleich, welches Haus gemeint ist. An diesem Bau ist nicht nur seine Farbe, sondern auch seine Lage spektakulär. Es liegt oberhalb der Enns, einem der beiden Flüsse, die durch Steyr fließen, sein Grundstück fällt steil zu ihrem Ufer ab. Die Form des Hauses erschließt sich dem Besucher nicht sofort: Sie ergab sich aus der Bebauungslinie und der Bebauungsvorschrift, die besagt, dass man in der Siedlung nur ein Geschoss mit ausgebautem Dach bauen darf. Um die Baugrenzen so weit wie möglich auszunutzen, schuf Architekt Gernot Hertl drei ineinander verschränkte Baukörper mit unterschiedlich geneigten Dachflächen. Zur Straße hin gibt sich das Haus, das Büro- und Wohnhaus zugleich ist, vollkommen geschlossen. Lediglich über Lichtkuppeln in den Schrägdächern und der Fassade fällt Tageslicht hinein, gartenseitig öffnet es sich hingegen mit großzügigen Glasflächen. Der Bau­herr ist Werbegrafiker, seine Agentur »Die Besorger« nimmt das ganze Obergeschoss ein. Er selbst wohnt im Erdgeschoss, das zum Garten und damit zum Fluss hin orientiert ist.

Da die zu bebauende Fläche auf dem Grundstück begrenzt ist und man so viel Wohnfläche wie möglich schaffen wollte, entschied man sich für ein platzsparendes Außenwandsystem, eine Holzriegelwand ohne Hinterlüftete Fassade. Das Haus ist in eine epdm-Folie eingepackt – eine Kautschuk­folie, die üblicherweise für Flachdachabdichtungen verwendet wird. Für den Bauherrn war diese Folie wegen ihrer Farbigkeit eine mutige Entscheidung. Den Architekten und sein Team stellte sie zudem vor eine bauphysikalische Herausforderung. Hinter der Kautschukfolie, in der Holzständerwand, durfte sich kein Tauwasser sammeln. Die Holzforschung Austria hatte im Zuge eines Forschungsprojektes Flachdachkonstruktionen untersucht, um herauszufinden, unter welchen ­Voraussetzungen ein Flachdachaufbau auch ohne Hinterlüftung möglich ist. Wird der richtige Aufbau gewählt, dann heizt sich die schwarze Folie so weit auf, dass eine Austrocknung dahinter gewährleistet ist.

Die Architekten entwickelten ihren Aufbau in ­Anlehnung an dieses Forschungsprojekt und machten dabei keinen Unterschied, ob es eine Wand- oder eine Dachfläche ist. Das ganze Haus ist also im Grunde genommen eine einzige Dachfläche.

Wandstärke (cm) = 32,5
U-Wert (W/m2) = 0,15

  • EPDM-Baufolie
  • Vlies
  • OSB-Platte 15mm
  • Holzriegel 120 x 200mm
  • dazwischen Mineralwolle 200mm
  • Dampfbremse
  • OSB-Platte 15mm
  • Mineralwolle/Installationsebene 80mm
  • Gipskarton 15mm

Fotos

© Glaser GmbH
© Paul Ott

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at

Einfamilienhaus in Steyr

Standort

Bergerwald 44, Steyr/A

Planung

Hertl.Architekten zt GmbH, Steyr/A, www.hertl-architekten.com

Bauherr

Die Besorger Mediendesign und -technik, Steyr/A, www.diebesorger.at

Holzbau

Glaser GmbH, Waidhofen an der Ybbs/A, www.glaser-bau.at

Fertigstellung

März 2010