Inhalt

TES EnergyFacade

Sanieren mit vorgefertigten Holzrahmenelementen

Klaus Siegele
Erschienen in
Zuschnitt 43: Die Außenwand
September 2011, Seite 22f.

Die TES EnergyFacade ist ein Fassadensystem aus Holz zur energetischen Modernisierung von Bestandsbauten. Mit den vorgefertigten Holzrahmenelemen­ten und einer umfassenden Methode von der Planung bis zur Montage lassen sich Baukosten exakt definieren, Bauzeiten vor Ort verkürzen und Fassaden in hoher technischer Qualität verwirklichen. Um die Vorteile des vorgefertigten Holzbaus auch für die Sanierung von Gebäuden nutzen zu können, wurde in den Jahren 2008 bis 2010 unter der Leitung von Hermann Kaufmann, Frank Lattke und Stefan Winter von der TU München ein europäisches Forschungsprojekt durchgeführt. Fachleute aus Deutschland, Finnland und Norwegen entwickelten dabei ein Fassaden­system aus Holz: Die TES EnergyFacade ist ein öko­logi­sches Dämmsystem aus großformatigen Holzrahmenelementen. Es umfasst und integriert alle Arbeitsschritte der Modernisierung vom Aufmaß über die Vorfertigung bis hin zur Montage. Inzwischen hat das Fassadensystem bei mehr als zehn Projekten seine Praxistauglichkeit bewiesen sowie einige renommierte Preise eingeheimst, unter anderen den Schweighofer Prize 2011 in der Kategorie Innovation.

Je höher der Grad der Vorfertigung, desto wichti­ger das Aufmaß

Die geschoss- oder gebäudehohen Holzrahmenelemente können mit Fenstern und Türen komplett oder teilvorgefertigt hergestellt werden. Je höher der Vorfertigungsgrad der Holzbauelemente, desto schneller und präziser ist die Montage auf der Baustelle. Die witterungsunabhängige Vorfertigung in der Werk­halle erlaubt den passgenauen Einbau von allen Komponenten wie Fenstern, Türen, Haustechnik und Solarmodulen. Grundlage einer Gebäudesanierung mit TES ist ein genaues Aufmaß. Nach dem Prinzip der Schablone müssen die vorgefertigten Holzbauelemente exakt auf die Geometrie des bestehenden Gebäudes passen. Moderne Messtechniken wie 3D-Laserscanner, Tachymetrie und Mehrbildphotogrammetrie liefern präzise Daten von dem Gebäude. In der Praxis werden meist verschiedene Methoden gleichzeitig angewendet, an schwierigen Stellen kann auch einmal ein Handaufmaß vonnöten sein. Nächster Schritt ist die Planung mit CAD/CAM, was eine optimale Datenübergabe an die Produktion mit CNC-gesteuerten Maschinen ­ermöglicht.

Basiselemente

Prinzipiell bestehen die TES-Elemente aus einer statisch wirksamen Tragstruktur, einer Dämmschicht und einer wasserführenden Bekleidungsebene. Die Fugen- und Anschlussdetails der teilweise oder komplett vorgefertigten Elemente sind so konzipiert, dass bei der Montage vor Ort alle geforderten bauphysikalischen Funktionen wie Brandschutz, Luftdichtheit und Schallschutz gewährleistet sind. Das Gewicht der einzelnen Fassadenelemente richtet sich nach deren Größe und der Anzahl der inte­grierten Komponenten. Am Bestandsgebäude muss eine entsprechende Lastabtragung durch Abhängen, Anhängen, Aufstellen oder Einstellen der Elemente sichergestellt sein. Das vorgefertigte Holzrahmen­element kann entweder vor die bestehende Fassade montiert werden oder eine zuvor demontierte Fassade komplett ersetzen. Bleibt die Außenwand bestehen, dann muss der Hohlraum zwischen dem geraden Holzelement und der unebenen Bestandsfassade gefüllt werden. Hierzu kann vor der Montage eine Dämmstofflage auf das Element aufgebracht werden oder nach der Montage Zellulose in den Zwischenraum eingeblasen werden. Wird die Außenwand durch das neue Holzrahmenelement ersetzt, wie es zum Beispiel bei der Peter-Schweizer-Volksschule in Gundelfingen an der Donau erfolgte, dann wird das neue Wand­element in der Tragstruktur des Skelettbaus befestigt und muss als eigener Bauteil den Anf­orderungen der Bauordnung entsprechen.

Wirtschaftlich und effizient sanieren

Je größer die Fassadenfläche, umso wirtschaftlicher zeigt sich das System. Die sehr kurze Montagezeit macht die TES EnergyFacade besonders für Projekte interessant, bei denen entweder bei laufendem Betrieb oder binnen kurzer Zeit die Fassade energetisch saniert werden muss – zum Beispiel bei Schulen, Industrie- und Gewerbebauten oder vermieteten Mehrgeschosswohnungen. Von Vorteil sind dabei auch die durchgehend geplanten und aufeinander abgestimmten Bauabläufe, die hohe Präzision und Qualität der vorgefertigten Elemente sowie die vorbildliche Ökobilanz. Aus dem erfolgreichen Forschungsprojekt gingen inzwischen zwei weitere von der Europäischen Union geförderte Projekte hervor, die das Ziel haben, die TES EnergyFacade durch ­effiziente Dämmstoffe zu verschlanken (Smart TES) bzw. die energetische Modernisierung weiter zu ­industrialisieren (E2ReBuild).

TES – timber based element system

In der Modernisierung der Gebäudehülle mit vorgefertigten Wandelementen auf Basis von TES EnergyFacade sieht Frank Lattke, Projektleiter von tes, für den Holzbausektor ein enormes Marktpotenzial. Die Bauweise beruhe auf den Stärken des modernen Holzbaus, bei dem heute standardisierte Bauabläufe von der Planung über die Vorfertigung bis zur Montage zur täglichen Routine gehören. Durch einen offenen Umgang mit Erfahrungen und durch Kooperationen könne die ganze Branche nur gewinnen, da die Gebäudemodernisierung eine der großen Aufgaben der Zukunft sei.

Für die Abtragung der Horizontal- und Vertikallasten der TES-Fassadenelemente gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Abgehängt: Lastabtragende Aufhängung an bestehender Konstruktion (auch in Verbindung mit Aufstockung möglich)
Angehängt: Geschossweise Befestigung der Fassadenelemente an die Konstruktion (Geschossdeckenkanten)
Aufgestellt: Lastabtragung der gesamten Fassade im Sockelbereich über Konsole oder Fundament
Eingestellt: Geschossweises Einstellen der Fassadenelemente in die bestehende Tragstruktur

Foto

© lattkearchitekten

Text

Klaus Siegele
  • Architekt, freier Fachjournalist und Redakteur, Partner von frei04-publizistik