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Barocke Schichten

Borromini in Holz

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 44: Denkraum Holz
Dezember 2011, Seite 8

Anlässlich des 400. Geburtstages von Francesco Borromini war 1999 in Lugano eine große Ausstellung über den aus dem Tessin stammenden und in Rom tätigen Architekten zu sehen. Für jedermann sichtbar, nicht nur für die Ausstellungsbesucher, war auf einer Plattform im Luganersee ein 33,0 Meter hoher, hölzerner Nachbau eines seiner Hauptwerke errichtet worden. Mario Botta, Ausstellungsgestalter und Initiator dieser Rekonstruktion, hatte Borrominis Kirche San Carlo alle Quattro Fontane in Originalgröße als Querschnittsmodell aus vielen Lagen Tannenholz nachbauen lassen. Die einzelnen, jeweils 4,5 cm starken Holzlagen waren horizontal gestapelt, mit einem Zentimeter Abstand zueinander montiert und mithilfe von Stahlkabeln an einem inneren Stahlskelett zusammengehalten. Studenten der Architektur-Akademie in Mendrisio hatten zuvor Schicht für Schicht den Verlauf der inneren Raumgrenze der Kirche mit dem Computer nachgezeichnet. Die Holzplatten wurden dann entlang dieser Kontur mithilfe einer CNC-Fräse zugeschnitten. Nachdem Wind und Wetter sich über die Jahreszeiten hinweg an dem lebensgroßen Modell zu schaffen gemacht hatten, wurde es 2003 abgerissen.

Fotos:

© Pino Musi, Alberto Alessi, Enrico Cano

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at

Borromini in Holz

Standort

Rivetta Tell, Ufer des Luganersees, Lugano/CH

Planung 

Mario Botta, Mendrisio/CH, www.botta.ch mit Studenten der Università della Svizzera italiana, Accademia di architettura, Mendrisio/CH, www.usi.ch

Holzbau 

Filippi SA, Airolo/CH

Fertigstellung

1999 bis 2003 (Abbau)