Inhalt
Essay
Holz als Denkwerkzeug
Die Natur tritt niemals unbedeutend in Erscheinung ... Wenn wir in dieser Weise von der Natur sprechen, haben wir eine bestimmte, aber höchst dichterische Bedeutung im Sinn. Wir meinen die Ganz heit des Eindrucks, den mannigfaltige natürliche Objekte machen. Dies ist es auch, was das Scheit des Holzfällers vom Baum des Dichters unterscheidet.
Ralph Waldo Emerson, Natur, Schaffhausen 1981, S. 35.
Wir schöpfen aus dem Holz mehr als nur den Rohstoff für unsere Konstruktionen. »Holz als Denkwerkzeug« beschreibt das Zusammenspiel von Material und Subjekt, das Lesen von Zeichen und die Projektion von Fantasien. In der natürlichen Zeichnung der Holzoberflächen erkennen wir das Abbild von Naturprozessen: von Stürmen, Wolken oder Wellen, deren Betrachtung die Einfühlung des Beobachters herausfordert. Der aus der psychologischen Ästhetik des 19.Jahrhunderts stammende Begriff Einfühlung beschreibt eine Art Sympathie zwischen betrachtendem Subjekt und betrachtetem Objekt, in deren Folge das eigene Erleben, die Inhalte der Seele, in die fremde Form projiziert werden. Die Ikonografie des Holzes, die Schichten der Bedeutung, die dieses Material umhüllen, zeigen, dass die hier beschriebene Resonanz von Subjekt und Objekt bereits lange vor der Formulierung dieser Theorie bekannt war.
Wir lesen die Maserung als einen Atlas der Zeit. Der Quer- oder

