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Gespräch

Architekturmodelle aus Holz

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 44: Denkraum Holz
Dezember 2011, Seite 9

Gespräch mit Ernst Brüll und Karl Schwarz, zwei professionellen Modellbauern, und dem Bildhauer Fridolin Welte, der dreidimensionales Gestalten und Modellbau für Architekten unterrichtet.

Wann bauen Sie Modelle aus Holz?

Brüll Leider nur, wenn sie gefragt sind. Wenn wir Holzmodelle bauen, dann ist das für Architekten, die sich wirklich ein schönes Holzmodell wünschen. Für den Bauherrn ist das meist uninteressant. Der Preis spielt da eine große Rolle.

Schwarz Im Prinzip ist das Modell ja ein Wegwerfprodukt. Aber ich weiß von einigen Holzmodellen, die ich gemacht habe, dass sie aufgehoben wurden. Ich habe eine besondere Vorliebe für Holzmodelle. Aber das Material erlaubt nicht alle Bearbeitungsmöglichkeiten, die mit modernen Technologien möglich sind.

Welte Diese neuen, aus dem Rapid Prototyping entstandenen Modellbautechnologien kommen aus der Industrie. Die Architekten sind ja immer interessiert, dass die Dinge schnell gehen und auch noch gut ausschauen. Trotzdem hat das Holzmodell Beständigkeit, weil es sehr viel an Ausdrucksmöglichkeiten bietet.

Schwarz Das Material spielt im Gesamteindruck immer eine Rolle. Bei einem Holzmodell muss man über Abstraktion anders nachdenken.

Das Holz hat eine Maserung und eine Farbe, das spielt ja gerade in Bezug auf den Maßstab eine große Rolle. Wie gehen Sie damit um? 

Schwarz Zum Beispiel muss man größere Stirnholzflächen vermeiden, da diese den Maßstab beeinflussen. Man muss versuchen, das Objekt so zusammenzusetzen, dass nicht das Holz als Material im Vordergrund steht, sondern die Form: Die muss das transportieren, was sie transportieren soll, und darf das Modell nicht zur Schatulle werden lassen.

Das bedarf einer großen Kenntnis des Materials. 

Schwarz Deswegen ist das Holzmodell selten, weil es in jedem Fall arbeitsaufwendiger ist. 

Welche Hölzer kommen zum Einsatz?

Schwarz Das beste Modellbauholz ist Lindenholz, weil die Maserung nicht dominant ist. Birnenholz, das ebenfalls ruhig gemasert ist, wird auch gelegentlich verwendet.

Welte Holzmodelle haben oft skulpturale Qualitäten durch die Art der Stückwahl, ihre Bearbeitung und die Reduktion der Formen.

Das heißt, die Aufgabe des Modellbauers ist es, den richtigen Grad der Abstraktion zu finden? Das scheint eine Gratwanderung zu sein. 

Schwarz Dem Modell sind ja Grenzen gesetzt, die Wirklichkeit abzubilden. Allein der Blickpunkt ist ein anderer – im Modell verdichtet sich alles. Wenn ich mit einem Material wie Holz arbeite, das mich nicht zu Spielereien verleitet, dann konzentriere ich mich viel mehr auf das Dreidimensionale, zum Beispiel auf das Relief des Gebäudes. Und damit kann ich dann die eine Darstellungsebene stärker betonen und eine andere bewusst ausblenden.

Welchen Zugang haben Studenten zu den Materia­lien? Tendieren sie zu einem bestimmten Material? 

Brüll Holz ist leicht zu bearbeiten, deshalb arbeiten viele Studenten damit. Das können sie mit dem Messer schneiden oder mit einer Säge, dafür brauchen sie kein professionelles Werkzeug wie für Kunststoff.

Welte Viele Studierende tendieren gar nicht zu speziellen Materialien, sondern zu den neuesten Techniken und dem dazugehörigen Material, sie tendieren ganz stark zu den Dingen, bei denen sie selbst wenig Hand anlegen müssen. Ich glaube, da, wo das Modell herkommt, war es auch so, dass man sich nach den neuesten und besten Möglichkeiten gerichtet hat. Dass das Holzmodell sich so lange gehalten hat, hat mit der Qualität des Materials und einigen Spezialisten zu tun. Wenn man mit Holz ein Modell baut, dann muss einem klar sein, dass man mit einem Naturmaterial arbeitet, dass es eine Wuchsrichtung und damit eine Lebendigkeit gibt. Das Holzmodell ist also nicht out, aber es gibt einfach viele andere Möglichkeiten. Und die Wirtschaftlichkeit zwingt wahrscheinlich sehr viele, sich gegen ein Holzmodell zu entscheiden.

Schwarz Ich habe oft beobachtet, dass, wenn das Material eines Modells nicht erkennbar ist, die Leute hingehen und mit dem Fingernagel probieren, ob das hart oder weich ist. Bei einem Holzmodell tut das keiner. Das ist ein Material, das niemandem fremd ist, ...

Brüll ... das letzten Endes jeder kennt. 

Schwarz Und das finde ich schon schön, wenn man im Modell das Material als solches bestehen lässt und nicht verdeckt. Das gefällt mir auch in der Architektur, wenn man ein Material hat, das keine Haut kriegt, sondern das durch und durch stimmig ist. Dabei ist es egal, ob das Holz, Metall oder Stein ist. Alles, was so bleiben kann, wie es ist, ist schon im Modell erstrebenswert.

Ernst Brüll 

seit 1974 eigene Modellbauwerkstätte in Wien; war Assistent für Modellbau an der Hochschule für angewandte Kunst Wien www.bruellmodellbau.at

Karl Schwarz 

eigene Modellbauwerkstätte; bis zu seinem Ruhestand Assistent für Modellbau am Institut für Kunst und Gestaltung an der Technischen Universität Wien

Fridolin Welte 

Werkzeugmacher, Bildhauer und Ass. Professor am Institut für Kunst und Gestaltung an der Technischen Universität Wien. Er unterrichtet dort unter anderen dreidimensionales Gestalten und Modellbau an der Architekturfakultät.

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at