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Zu Arbeitszwecken

Modelle aus Plastilin, Schaumstoff oder Holz

Franziska Leeb
Erschienen in
Zuschnitt 44: Denkraum Holz
Dezember 2011, Seite 17

Wegbegleiter bei der intuitiven Entwicklung eines Entwurfs, Stütze bei der Überprüfung einer Konzeptidee und ein wichtiges Medium zur Vermittlung derselben an Bauherren oder Beurteilungsgremien: Trotz digitaler Visualisierungstechniken ist das Architekturmodell nach wie vor aus der architektonischen Praxis nicht wegzudenken. Die eingesetzten Techniken und Materialien variieren.

»Es steht am Schrank und verstaubt, das heißt es existiert«, so die Architektin Susanne Veit, »das kann die Visualisierung nicht.« Modelle seien essenziell in allen Projektphasen. Während die ersten Konzeptmodelle in den meisten Fällen aus Karton gearbeitet und auch nicht unbedingt für eine längere Aufbewahrung vorgesehen sind, legen Veit Aschenbrenner Architekten viel Sorgfalt in die Präsentationsmodelle. Dabei handelt es sich oft um schlichte Objekte, sehr reduziert und abstrakt, aber so, dass die prioritären Gedanken festgehalten sind. Wenn für ein Projekt wichtige Aspekte im Modell dargestellt sind, fällt es den Bauherren nicht mehr so leicht, sie zu eliminieren, ist Veit überzeugt. Ahornholz ist dabei das bevorzugte Material, es ist hell, zeigt wenig Maserung, vermittelt aber doch die Wertigkeit und Lebendigkeit von Holz. Zu vielen Modellen werden Schatullen gefertigt, Schatzkisten, die bei Präsentationen zugleich als Sockel dienen, auf dem man das Objekt über dem Tisch »schweben« lassen kann und ihm zusätzliche Aura verleiht. Der externe Modellbauer – Michael Ratheiser –, zu dem sich Oliver Aschenbrenner im Fall des Falles tage- und wochenlang in Klausur ins Waldviertel begibt, zählt trotzdem zu den wichtigsten Partnern der beiden.

Seiner Fähigkeiten bedient sich auch ihr ehemaliger Lehrer an der TU München, Friedrich Kurrent. Auf den Stellenwert des Modells in seiner Arbeit angesprochen, winkt er ab: »Wenn ich ehrlich bin, brauche ich keines, weil ich die Arbeit im Kopf habe.« Die Ausnahme bilden Präsentationsmodelle – diese werden dann aber sorgfältig aus Holz gefertigt. Als unerlässlich hingegen erwies sich die Arbeit am Modell während seiner Professur an der TU München, wo er sich mit seinen Studierenden über zwanzig Jahre lang der Anfertigung von »Raummodellen« widmete, um Raumfolgen, Bewegungsabläufe und Lichtführung in wichtigen Häusern der Architekturgeschichte nachvollziehbar zu machen. Hunderte Modelle sind so entstanden, manche aus Kork, die meisten aus Holz oder Holzwerkstoffen. Jene aus Vollholz hätten sich am besten bewährt und am wenigsten verzogen. Auch für Rainer Köberl ist die Skizze das wichtigere Entwurfsmedium, gleichberechtigt fast das Reden über einen Entwurf. Falls in frühen Projektstadien dreidimensional gearbeitet wird, dann mit Modellen, die wie Skizzen intuitiv aus diversen Fundstücken erarbeitet werden und bei der Weiterentwicklung einer Idee helfen. Je nach Projekt werden auch Modelle gebaut, um Details oder Materialwirkungen zu überprüfen. Dann kommen durchaus Materialien zum Einsatz, die der späteren Realität entsprechen. Allzu genaue Modelle bergen aber für den Architekten die Gefahr, sich zu früh festzulegen. Um mit einem Modell jemanden überzeugen zu können, muss man sich – wie beim wirklichen Bauen – genau überlegen, wie man es baut. Linde – hell, weich, ungemasert – ist dann meist das Holz der Wahl und einem Kunststoffmodell aus sinnlich-haptischen Gründen immer überlegen.

Nicht weil ihm das Basteln so liegt, sondern weil die Arbeit am Modell Denkprozesse befördert, sind Modelle auch für den Künstler Gerold Tagwerker ein Muss. Schaumstoff ist in diesem Stadium das von ihm bevorzugte Material, um Raumgestaltungen zu entwickeln und deren Verhältnis zum menschlichen Maßstab zu überprüfen. Legionen an – einfarbig gespritzten – Spielzeugfiguren nennt er daher sein eigen und bevölkert seine Modelle damit. Präsentationsmodelle werden meist aus Kunststoff gefertigt und in einer Symbolfarbe monochrom gespritzt. Holzmaserungen würden dem gewünschten Abstraktionsgrad zuwiderlaufen. Kontrastierend dazu kommen Spanplatten zum Einsatz, die einen neutralen, leicht »gepixelten« Hinter- oder Untergrund bilden. Zur Präsentation verwendet Tagwerker in den meisten Fällen aber nicht das Modell selbst, sondern Fotos desselben, um den Blick des Betrachters auf die wesentlichen Ansichten zu lenken.

Fotos

© Herbert Schwingenschlögl

Text

Franziska Leeb
geboren 1968, Architekturpublizistin, lebt in Wien 

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