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Beziehungspflege in Holzbauweise

Gemeinde- und Pfarrzentrum Meggenhofen

Veronika Müller
Erschienen in
Zuschnitt 46: Für die Öffentlichkeit
Juni 2012, Seite 6f.

Die Möglichkeit, das Ortszentrum von Meggenhofen neu zu gestalten, ergab sich durch den Ankauf eines leer stehenden Bauernhofes. Pfarre und Gemeinde handelten dabei nach der Devise Synergien statt Kompromisse und beschlossen, gemeinsam zu bauen. Denn hätte jede Bauherrschaft für sich ihre Wünsche eins zu eins umsetzen wollen, wäre es sich finanziell wohl für beide nicht ausgegangen. Und so übten sich die einen wie die anderen zuerst in Verzicht: auf den Pfarrsaal ebenso wie auf eigene Sitzungszimmer und Fraktionsräume – zugunsten eines gemeinsamen Veranstaltungssaales, eines Dorfcafés, eines Probelokals für den Musikverein und nicht zuletzt zugunsten eines Jugendtreffs.

»Beziehungspflege in Holzbauweise« nennt die Architektin und Architekturjournalistin Romana Ring das, was die Menschen in Meggenhofen -geschaffen haben. Und sie muss es wissen, hat sie doch das Projekt von Anfang an begleitet und den Wettbewerb vorbereitet. Auch das ist eine Besonderheit, denn statt das Bauvorhaben einem Bau-träger zu übergeben und sich der Arbeit, der Verantwortung, aber auch der Gestaltungsmöglichkeiten zu entledigen, entschieden sich die Verantwortlichen dafür, »ihr« Ortszentrum von Anfang an selbst zu gestalten, gemeinsam mit interessierten Bürgern, geladenen Experten und letztendlich den Architekten. Während der gesamten Projektzeit, die immerhin sieben Jahre umfasste, formulierten sieben Arbeitskreise die Anforderungen an den Neubau, justierten nach, trugen Entscheidungen mit und entwickelten die Vision einer neuen, gemeinsamen Ortsmitte. Mit regelmäßigen Bürgerabenden wurde die Bevölkerung in das Fortschreiten des Projekts eingebunden.

Bauen für eine Klimabündnisgemeinde

Neben den strukturellen Rahmenbedingungen gab es im Architekturwettbewerb aber keine formalen Vorgaben. Auch die Materialität war freigestellt. »Wir wollten sehen, was auf diesem Hanggrundstück, mit der langen Liste unserer Funktionen, den strengen Vorgaben des Denkmalschutzes und den Richtlinien einer Klimabündnisgemeinde möglich ist«, berichtet Bauausschussobmann Roman Mairhuber. Das Gewinnerprojekt wurde nicht wegen des Holzbaus ausgezeichnet, sondern aufgrund seiner städtebaulichen Qualitäten, wegen der schlüssigen Einbeziehung der denkmalgeschützten Teile des ehemaligen Bauernhofes und weil die von den Architekten vorgeschlagenen Synergien die Anforderungen aller Beteiligten möglich gemacht hatten.

Auf eigene Ressourcen setzen

Trotzdem sei ihnen »bei der Sichtung der Projekte das Thema Holz schon sympathisch« gewesen, erzählt Mairhuber weiter. Denn auch wenn die Gemeinde selbst keinen Wald besitzt, gibt es im Gemeindegebiet doch zahlreiche Waldflächen, und die Verwendung der eigenen Ressourcen ist naheliegend. Vom ursprünglichen Vierkanter blieben nur der Wohntrakt und das alte Presshaus erhalten. Beide wurden unter Begleitung des Denkmalamtes restauriert. Der Neubau steht dort, wo die Wirtschaftstrakte abgebrochen worden sind. Hangseitig ist das dreigeschossige Gebäude als Stahlbetonbau ausgeführt. Alle anderen Teile sind Holzriegelbaukonstruktionen, die Decken aus Brettstapelholz, und der große Veranstaltungssaal ist mit unterspannten Doppel-Leimbindern überdeckt. Auch die Anbauten der denkmalgeschützten Bauten wurden in Holz ausgeführt.

»Von Anfang an hat vieles für einen Holzbau gesprochen – wie zum Beispiel die für ein Ensemble mit Altbestand sehr ehrgeizigen Energiekennzahlen. Auch die Auskragungen waren im Holzbau eine leichte Übung, und das, obwohl wir durch das Archiv an der ,luftigsten‘ Ecke die höchsten Lasten haben«, sagt Christian Stummer vom Architektenteam Two in a Box. Nicht zuletzt erinnert das Material Holz an den ursprünglichen Vierkanter und eröffnet so den Bürgern die Möglichkeit, Altes im Neuen wiederzufinden.

Ja, zum Holz im Dorf

Holz war auch in der Außengestaltung für Bauherren wie Architekten eine schlüssige Entscheidung. »Für uns war wichtig, den konstruktiv verwendeten Baustoff Holz nach außen sichtbar zu machen«, so Stummer. Und Mairhuber ergänzt: »Im Ensemble mit den anderen beiden Altbauten wirkt die Holzfassade besonders toll. Sie hebt die Bedeutung der Altbauten.« Natürlich wurde im Leitungsteam eine Oberflächenbehandlung diskutiert. Aber dagegen habe nicht nur die Nachhaltigkeit gesprochen, sondern auch die Kosteneffizienz des Betriebes.

Die Akzeptanz des Gebäudes in der Bevölkerung ist jedenfalls groß, was man alleine daran merkt, dass der Anteil an Holzhäusern in Meggenhofen aktuell wieder steigt. Und Mairhuber resümiert: »Es gibt immer wieder Leute, die sagen, unser Haus sieht aus wie ein Stadel. Aber darauf kann ich nur sagen: Wir sind im ländlichen Raum, ein Stadel ist nicht verkehrt. Außerdem wird unsere Fassade nicht grau, sondern silbern.«

Max Hiegelsberger oberösterreichischer Landesrat für Landwirtschaft und Forst, bis Ende 2010 Bürgermeister von Meggenhofen

Warum haben Sie in Holz gebaut?

Es hat eine Vielzahl an Gründen gegeben: Meggenhofen ist eine Klimabündnisgemeinde, worauf auch beim Bau öffentlicher Gebäude Rücksicht genommen werden sollte; Holz ist ein regionaler Baustoff, der Moderne und Tradition verbindet. Holzbauten haben von jeher die Ortsbilder der oberösterreichischen Gemeinden geprägt.

Was spricht aus Ihrer Sicht für Holz, was dagegen?

Ein außergewöhnlicher Treffpunkt im Ort wurde geschaffen. Der Werkstoff Holz bietet ein einzigartiges Raumklima. Die Lebendigkeit ist einfach zu spüren. Aber auch die Wiederverwertbarkeit spielt bei der Verwendung ökologischer und nachhaltiger Baustoffe eine große Rolle.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Bau gemacht?

Zu Beginn waren die Reaktionen geteilt. Nun überwiegt sicherlich das Positive: Die Verwendbarkeit im Innen- und Außenbereich, das Raumklima sowie die kurze Bauzeit durch vorgefertigte Bauteile haben viele überzeugt. Jetzt ist für die Menschen in Meggenhofen die Funktionalität die Basis ihrer positiven Beurteilung.

Gab es einen Mehrwert für die Region?

Der Mehrwert besteht sicherlich in der einzigartigen Kombination von Pfarramt und Gemeindezentrum. Bei der Intensität der Zusammenarbeit zwischen Bevölkerung, Pfarre und Gemeinde ist Meggenhofen Vorreiter in der Region. Weiters sehe ich den Mehrwert in der zeitgemäßen Architektur – in Verbindung mit Tradition und regionalen Werkstoffen.

Fotos:

© Gemeinde Meggenhofen

Text

Veronika Müller
  • Studium an der Kunstuniversität Linz
  • Architektin und Architekturvermittlerin
  • 2002 Gründung von room2move – Werkstätte räumlichen Denkens
  • seit 2008 Geschäftsführerin des Masterlehrganges „überholz“- Lehrgang Holzbaukultur an der Kunstuniversität Linz

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