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Holzachterbahn

Hans-Ulrich Tschätsch
Erschienen in
Zuschnitt 47: Das flache Dach
September 2012, Seite 26

Derzeit sind weltweit rund 117 Holzachterbahnen in Betrieb. Dies sind zwar nur 5 Prozent aller Achterbahnen, die es auf der ganzen Welt gibt, und doch strahlen diese eine besondere Faszination aus – sie sehen einfach schöner aus und vermitteln zudem ein völlig anderes Fahrgefühl als ihre Geschwister aus Stahl.

Spitzenreiter sind zweifellos die USA, wo mehr als hundert dieser hölzernen Bauwerke für Nervenkitzel und Vergnügen sorgen. Es ist auch kein ganz neuer Zeitvertreib für die besonders mutigen Besucher von Vergnügungsparks oder Jahrmärkten. Denn bei Wikipedia ist nachzulesen, dass bereits 1912 in Australien die »Scenic Railway« und 1914 im Kopenhagener Tivoli die »Rutschebanen« aus Holz gebaut wurden. Danach folgten in kurzen Abständen immer mehr dieser hölzernen Attraktionen. Das neueste Freizeitvergnügen dieser Art in Deutschland kann nun im Europa-Park der baden-württembergischen Stadt Rust genossen werden. Dort ist es Teil eines Themenbereiches, der sich mit Island beschäftigt. Der Name Wodan Timbur Coaster soll zum einen an den nordischen Gott Odin, zum anderen – mit dem isländischen Wort Timbur – an den Werkstoff Holz erinnern.

Mit 100 Kilometern pro Stunde bergab

Zeitweilig waren in Rust bis zu vierzig Zimmerleute im Auftrag des US-amerikanischen Unternehmens Great Coasters International aus Pennsylvania tätig. Die Firma gilt als weltweit führender Hersteller von Holzachterbahnen. Auf einer Grundfläche von 1,6 Hektar entstand die mittlerweile elfte Achterbahn im Europa-Park. Die zehn bereits vorhandenen Bahnen des Freizeitparks sind aus Stahl, deshalb wollte man für die neueste Bahn etwas Besonderes und bestellte eine Holzachterbahn. Damit ist die neue Bahn auch eine Hommage an frühere Zeiten – an die Urform der Achterbahn, die natürlich aus Holz war, und an die erste Achterbahn des Familienunternehmens von 1921. Insgesamt wurden rund 1.000 m3 Kiefernholz direkt vor Ort montiert. Die US-Firma verwendet für ihre Achterbahnen immer Hölzer aus der Region, weil diese dem Klima bereits angepasst sind. In diesem Fall stammt das Kiefernholz aus der Lüneburger Heide. Bevor es auf die Baustelle geliefert und dort zugeschnitten wurde, wurde es druckimprägniert. Die Schienen hingegen sind aus Yellow Pine, einer besonders widerstandsfähigen Kiefernart aus Nordamerika. Auf diesen Holzschienen wiederum sind dann die Stahlschienen montiert, auf denen die Räder der Personenwagen rollen. Für die komplette Konstruktion wurden rund 21.000 Balken benötigt, die durch insgesamt 2 Millionen Nägel und 100.000 Schraubverbindungen zusammengehalten werden. Neun Monate arbeiteten die Spezialisten der amerikanische Spezialfirma, die wie Bergsteiger auf der Konstruktion herumkletterten, an der Errichtung des Wodan Timbur Coasters. Auf der etwas über 1 km langen Strecke erreichen die Züge Geschwindigkeiten von über 100 km/h. Die Beschleunigungswerte erreichen das Dreifache der Erdbeschleunigung (g), das stärkste Gefälle beträgt 52 Grad. Insgesamt dauert der rasante Trip über das 10 Millionen Euro teure Gebälk 3 Minuten und 25 Sekunden. 1.250 Personen können pro Stunde im Namen Odins über die Schienen rauschen.

weitere Infos über Holzachterbahnen bzw. Hochschaubahnen: www.rcdb.com

Foto:

© Europa-Park

Text

Hans-Ulrich Tschätsch
  • Studium der elektrischen Energietechnik
  • freier Fachjournalist in Oberhausen im Rheinlan

Holzachterbahn

Standort

Rust/D www.europapark.com

Bauherr

Europa-Park Freizeit- & Familienpark Mack OHG, Rust/D

Hersteller

Great Coasters International, Sunbury/US, www.greatcoasters.com

Fertigstellung

2012