Inhalt

Warmdach mit Zwischensparrendämmung

Winterdiensthallen am Flughafen Wien

Veronika Müller
Erschienen in
Zuschnitt 47: Das flache Dach
September 2012, Seite 8f.

2005 errichtete Architekt Wilhelm Holzbauer am Flughafen Wien den vip-Terminal und den Hangar 5, der in seinem Inneren durch sein filigranes Holzdachtragwerk besticht. Gleich dahinter stehen die neuen Winterdiensthallen, bei denen ebenfalls Holz als konstruktiver Werkstoff zum Einsatz kam. In den Hallen stehen all die Fahrzeuge, die es braucht, um das Flughafengelände von Schnee und Eis zu befreien. Schmale Aufsätze auf beiden Hallen beherbergen zudem im ersten Obergeschoss die Sozialräume. Die weit auskragenden Flachdächer fallen bei den beiden Hallen ebenso ins Auge wie die gestreifte Fassadenbekleidung, die jener des Hangar 5 sehr ähnelt. Helle und dunkelgraue Eternitplatten ziehen sich auch hier in ungleich breiten, horizontalen Streifen über das Gebäude.

Eine texanische Firma trat hier als Bauherr auf. Sie beauftragte die deutsche Firma A.B.C.D. als Generalunternehmer mit der Planung und dem Bau der Hallen, und diese wiederum vergab die Ausführungsplanung an einen gewerblichen Architekten vor Ort. Paul Chmelar aus Mödling hatte, so erzählt er, auf der einen Seite die engen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu beachten, auf der anderen Seite die ästhetischen Vorgaben des Flughafens Wien zu erfüllen, die unter anderem keine Satteldächer und keine angeklebten Vordächer erlauben. Entstanden sind zwei 106 mal 56 Meter große Hallen, die sich mit ihrer schlichten Kubatur und ihren 6 Meter auskragenden Vordächern durchaus sehen lassen können. Auf einer Stützenstruktur aus Stahlbeton liegen die 28,5 Meter weit spannenden fischbauchförmigen Haupttragelemente aus Holz auf, die wiederum die großflächigen, vorgefertigten Dachelemente tragen.

Für Holz als Baustoff sprachen laut Chmelar die Möglichkeit der Vorfertigung sowie sein geringes Gewicht – wegen des schlechten Untergrunds hätte man bei einer reinen Stahlbetonstruktur die Fundamente verstärken müssen. Aber auch die Auskragungen im Bereich der Vordächer waren in Holz gut herzustellen. Die großflächigen Dachelemente sind Warmdachelemente, die mit einer Dämmung in der Tragebene eine geringe Aufbauhöhe haben. Sie wurden komplett im Werk vorgefertigt, von der inneren Beplankung mit OSB-Platten bis hin zur äußeren Dacheindeckung, einer PVC-Abdichtungsbahn. Die fertigen Elemente wurden dann zur Baustelle geliefert und dort mit den Trägern verschraubt. Das ging schnell, sodass einer witterungsunabhängigen Fertigung eine kurze Montage folgte. Bis zu 1.000m2 Dach können so pro Tag verlegt und abgedichtet werden. Die Fuge zwischen den einzelnen Elementen wurde ausgeschäumt und zum Schluss wurden die Dachabdichtungen überlappend miteinander verklebt. Eine feuchteadaptive Dampfbremse an der Innenseite des Elements verhindert im Winter die Wasserdampfdiffusion in das Dach, im Sommer hingegen ist eine Rücktrocknung aus dem Gefach in den Raum möglich.

Foto:

© Glöckel Holzbau GmbH

Text

Veronika Müller
  • Studium an der Kunstuniversität Linz
  • Architektin und Architekturvermittlerin
  • 2002 Gründung von room2move – Werkstätte räumlichen Denkens
  • seit 2008 Geschäftsführerin des Masterlehrganges „überholz“- Lehrgang Holzbaukultur an der Kunstuniversität Linz

Winterdiensthallen am Flughafen Wien

Standort

Flughafen Schwechat/A

Planung

A.B.C.D. Deutschland GmbH, Frankfurt am Main/D, www.abcd-advanced.de (Vorentwurf),
BMC Chmelar, Mödling/A, www.bmc-chmelar.at

Bauherr

Lynxs Group, Austin/US, www.lynxs.com

Holzbau

Glöckel Holzbau GmbH, Ober-Grafendorf/A, www.gloeckel.at

Fertigstellung

Juni 2010

Dieser Artikel ist abgelegt in: