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Karla Black

Stefan Tasch
Erschienen in
Zuschnitt 48: Holzfasern
Dezember 2012, Seite 28

Die schottische Künstlerin Karla Black arbeitet in ihren Installationen mit eher ungewöhnlichen Materialien: Sie vermengt Gipspulver, Farbpigmente und Gesichtspuder miteinander und streut diese Mischung in dünnen Schichten auf die Ausstellungsböden. Transparente sowie eingefärbte Zellophanfolien (ein Zellulosederivat) hängt sie zusätzlich in Girlanden- oder Wolkenform von der Decke ab. Sie arbeitet in einem prozessorientierten und performativen Akt vor Ort, ihre Arbeiten sind raumspezifisch und werden oft nach dem Ende der jeweiligen Ausstellung zerstört. Sie erzeugen den Eindruck einer Momentaufnahme, die zwar zu Ende gedacht ist, die aber aufgrund ihrer Materialität und Fragilität einem ständigen Wandel unterworfen ist. Das unmittelbare physische Erleben dieser Installationen nimmt in den künstlerischen Überlegungen Blacks einen wichtigen Stellenwert ein. Durch ihre zeitgenössische Materialikonografie will sie den Besucher in diese Erfahrung mit einbeziehen. Haushalts- und Körperpflegeprodukte wie Zellophan, Badekugeln, Seife oder Lidschatten stellt sie in ihren Installatio­nen gleichberechtigt neben traditionelle Materia­lien der Bildhauerei, wie Marmor und Bronze, und schafft damit eine gewisse Vertrautheit und Nähe. Auf diese Weise will Karla Black das Bewusstsein für eine vergängliche Ästhetik schärfen und zugleich den klassischen Skulpturenbegriff erweitern.

In einer ihrer neuesten Arbeiten, »Empty Now«, die sie für die Gallery of Modern Art (GoMA) in Glasgow konzipiert hat, füllte Karla Black den Ausstellungsraum des klassizistischen Gebäudes mit 17 Tonnen Sägemehl. Dieses schichtete sie – farblich vonein­ander getrennt – in Segmenten zu einem Quader auf. Die farblich unterschiedlichen Holzspäne verweisen auf die wechselhafte Geschichte des Ausstellungsortes. Dieser wurde als Stadthaus eines vermögenden Tabakhändlers erbaut und später zur Bank, Börse, Bibliothek und schließlich zu einem Ort für zeitgenössische Kunst umfunktioniert. Von der tonnengewölbten Decke hängen gebündelte transparente Zellophanfolien, die – stellenweise mit goldenen Farbpartikeln versehen – das von oben und von der Seite einfallende Licht reflektieren und dabei wie dekonstruierte Lüster wirken. Black ändert mit dieser Installation nicht nur den architektonischen Rhythmus des Ausstellungsraumes, indem sie die horizontale Ebene durch den wuchtigen Block betont und die Dominanz der korinthischen Säulen in den Hintergrund treten lässt, sie erzeugt auch mit einfachen Materialien eine Form, die den Anspruch des Klassizismus auf zeitlose Ästhetik aufgreift.

Karla Black

geboren 1972 Alexandria, Schottland
Studium an der Glasgow School of Art
lebt und arbeitet in Glasgow 

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 2012 Schinkel Pavillon, Berlin
    Gallery of Modern Art, ­Glasgow
  • 2011 54. Biennale von Venedig, Palazzo Pisani, Venedig
  • 2010 Capitain Petzel, Berlin
    Ten Sculptures, Kunsthalle Nürnberg, Nürnberg
  • 2009 Modern Art Oxford, Oxford

Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 2012 Everywhere and on everything, kurimanzutto, Mexiko-Stadt
  • 2011 Before the Law, Museum Ludwig, Köln
    Turner Prize 2011, baltic ­Centre for Contemporary Art, Gateshead
  • 2010 Neue Alchemie, Landes­museum Münster, Münster
    Neugierig?, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn
  • 2009 Reduction & Suspense, ­Magazin 4, Bregenz
    Nothing to say and I am ­saying it, Kunstverein ­Freiburg, Freiburg

Fotos:

© Ruth Clark/Courtesy Galerie Gisela Capitain, Köln

Text

Stefan Tasch
Studium der Kunstgeschichte in Wien und Edinburgh, Arbeit in verschiedenen Museen und Galerien 

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