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Wertschöpfungskette

Besuch bei oberöster­reichischen Forstpflanzen­produzenten

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 48: Holzfasern
Dezember 2012, Seite 26

Von seinem Hof aus kann Johann Weinzinger bis nach Tschechien hinüberschauen. Die Landschaft hier ist sanft hügelig. Sie bietet dem Betrachter ­einen wunderbaren Weitblick, leistet im Gegenzug aber auch dem Wind wenig Widerstand. Erst heuer im Frühjahr hat ein besonders kalter Wind aus dem ­Osten hier oben beachtliche Frostschäden hinterlassen. Weinzinger ist Landwirt in Grünbach bei Freistadt in Oberösterreich. Neben der klassischen Landwirtschaft ist er auch in der Forstpflanzenproduktion tätig. Mit zwanzig anderen Bauern ist er im Verein Bäuerliche Forstpflanzen-Züchter organisiert. Gemeinsam kaufen sie Saatgut ein, verteilen dieses unter den Mitgliedern des Vereins, produzieren die Forstpflanzen und verkaufen sie dann wieder gemeinsam. Der Verein – er ist der einzige bäuerliche Zusammen­schluss in der Forstpflanzenproduktion in Öster­reich – besteht seit fünfzig Jahren.

Mit 5 Hektar, die er von seinen landwirtschaftlichen Flächen für die Baumschule bereitstellt, ist Weinzinger der größte Produzent des Vereins. Konrad Scherb ist auch Mitglied des Vereins und zieht auf genau­ 1 Hektar seiner landwirtschaftlichen Flächen Forstpflanzen hoch. Für beide Bauern aber ist die Baumschule neben der Milchwirtschaft ein wichtiges wirtschaftliches Standbein: Ihr jeweiliges Einkommen aus der Forstpflanzenproduktion schätzen sie im Vergleich mit der Milchwirtschaft im Verhältnis 60 zu 40 ein. Auch wenn Ersteres mehr abwirft, bietet die Milchwirtschaft doch ein regelmäßiges, gesichertes Einkommen, weshalb sich keiner von beiden nur auf die Baumschule konzentrieren möchte. Im Frühjahr wird die Saat ausgesät. Viele, viele kleine Pflänzchen wachsen dann auf so einem Quadrat­meter. Nach etwa ein bis zwei Jahren werden die kleinen Pflanzen mithilfe eines Spezialpfluges aus dem Saatbeet geholt und in einem größeren Abstand zueinander neu versetzt.

Die Forstpflanzenproduzenten nennen das »verschulen«. Nadelbäume brauchen etwa drei bis fünf Jahre, bis sie weiterverkauft werden, Laubhölzer zwei bis drei Jahre. Welche Baumarten die Bauern säen, hat natürlich mit der Nachfrage zu tun, aber auch mit der jeweili­gen Betriebsgröße und einer Betriebsphilosophie: Einige Bauern säen nur ein bis zwei gängige Baumsorten, Weinzinger hingegen hat von jeder Baumart eines oder mehrere Pflanzenbeete. Welche Pflanzen gekauft werden, hat auch mit der jeweils gültigen Förderung zu tun. »Mithilfe von Förderungen lassen die Bauern sich auch andere Baumarten einreden, laufen diese aber aus, dann setzen sie wieder vermehrt Fichte an«, erzählt Andreas Teufer, Geschäftsführer des Vereins. Nach wie vor liegt die Nadelholzproduktion über der Laubholzproduktion. In Österreich gibt es insgesamt 134 Forstgärten, die auf insgesamt knapp 500 Hektar Produktionsfläche Forstpflanzen züchten. Nach Stürmen wie Lothar, Kyrill, Paula und Emma erleben Forstpflanzenzüchter gute Zeiten. Allgemein aber geht die Produktion leicht zurück, da immer mehr Waldbauern auf Naturverjüngung setzen.

Weitere Informationen unter: bfw.ac.at
Bäuerliche Forstpflanzen-Züchter: www.bfz-gruenbach.at

Forstliches Vermehrungsgutgesetz 

Da die Wahl des Saat- und Pflanzengutes die Grund­lage für die Zukunft und Leistungsfähigkeit des Waldes bildet, werden in ­Österreich hohe Standards hinsichtlich der Kennzeichnung und Nachvollziehbarkeit von Beerntungen gesetzt. Das Forstliche Vermehrungsgutgesetz regelt die eindeutige und nachvollziehbare Sicherung und Kennzeichnung von forstlichem Vermehrungsgut. Es verlangt die Einsendung von Einzelbaumproben, die am Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, ­Naturgefahren und Landschaft (BFW) gelagert und in einer Datenbank erfasst werden.

Für die Auswahl einer Aufforstungspflanze müssen das Herkunftsgebiet sowie die Höhenstufe beachtet werden. Je mehr die Standortmerkmale des ­Herkunftsortes mit jenen des Aufforstungsortes übereinstimmen, desto eher ist genetisch gesteuerte Angepasstheit gesichert. Als Grundlage dient die Herkunftskarte des BFW, in der Österreich in neun Haupt-Wuchsgebiete unterteilt wird.

Forstpflanzenproduktion in Österreich von 1991 bis 2012, Anzahl in 1.000 Stk. 

Foto:

© Kurt Zweifel

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at

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